Diverses Gaspreise steigen weiter – was Kunden jetzt tun können

Auf sinkende Gaspreise können Verbraucher vorerst nicht hoffen. Gerade erst haben die Versorger für den Sommer höhere Tarife angekündigt - und schon prognostizieren Experten: Es geht weiter bergauf. impulse zeigt, wie Kunden darauf reagieren können.

Eine Rückkehr zu den günstigen Energiepreisen vergangener Jahre wird es nicht geben – das jedenfalls glauben viele Branchenkenner. Schon für den Herbst erwarten sie einen weiteren Preisschub, so auch der Saarbrücker Energieexperte Uwe Leprich. Er erklärte, die jetzt angekündigten Preissteigerungen seien erst der Anfang. Ähnlich sieht das der Essener Wirtschaftswissenschaftler Christoph Weber, der schon im Herbst die nächste Preiserhöhung erwartet. Denn: „Der Gaspreis bestimmt sich fast ausschließlich auf Grundlage des Ölpreises und folgt ihm im Abstand von sechs bis neun Monaten“, so der Inhaber des Lehrstuhls für Energiewirtschaft an der Universität Duisburg/Essen.

Preisanstieg um bis zu 16 Prozent

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Rund 100 der mehr als 700 deutschen Gasversorger planen angeblich eine Erhöhung der Gaspreise um bis zu 16 Prozent, darunter auch Deutschlands größter Erdgas-Importeur Eon Ruhrgas. Chef Bernhard Reutersberg kündigte bei der Bilanzvorlage am Dienstag in Essen an, die Gaspreise am „untersten Ende im zweistelligen Bereich“ zu erhöhen, nannte aber keine genauen Zahlen. Gleichzeitig teite Eon Ruhrgas mit, dass im Geschäftsjahr 2007 das bereinigte Ergebnis vor Steuern und Zinsen um zehn Prozent auf 2,6 Milliarden Euro gesteigert werden konnte.

Angesichts steigender Preise raten Verbraucherschützer den Kunden, die Tarife zu vergleichen und zu günstigeren Anbietern zu wechseln. Nicht so Experte Leprich: Entgehen könnten die Kunden den saftigen Aufschlägen ohnehin nicht, so der Professor an der Hochschule für Technik und Wirtschaft des Saarlandes. Dafür gebe es schlicht zu wenig Wettbewerb auf dem Gasmarkt.
„Wir haben hier keine Nachfragemacht, sondern eine Anbietermacht“. Außerdem sei Gas ein teurer Rohstoff, denn nur in wenigen Ländern würden große Mengen Gas gefördert. Vor allem Vermieter forderte Leprich auf, etwa bei der Stromerzeugung verstärkt auf Kraftwärmekopplung zu setzen und Gasheizungen durch Fernwärmeanschlüsse zu ersetzen.

Der Essener Experte Weber rät den Verbrauchern, Alternativen zu Gas- und Ölheizungen zu prüfen – zum Beispiel eine Wärmepumpe. Der Preisanstieg beim Strom sei beispielsweise bislang deutlich geringer ausgefallen als der beim Öl und Gas.

Kritik am Vorschlag, die Ölpreisbindung zu lösen

Ein staatliches Vorgehen gegen die in Deutschland existierende Ölpreisbindung hält der Essener Experte Weber dennoch für wenig erfolgversprechend. „Auch in Großbritannien und in den USA orientiert sich der Gaspreis am Ölpreis“, sagt der Energieexperte. Und dort gebe es diese Bindung nicht. Grund sei, dass die Energieträger austauschbar seien. „Ein Haus lässt sich sowohl mit Gas als auch mit Öl heizen.“

Die Ölpreisbindung ist seit den 60er Jahren Branchenvereinbarung. Sie soll zum einen die Gasbezieher vor der Marktmacht der wenigen Erdgasproduzenten schützen. Zum anderen bot sie der Energiewirtschaft ein Mindestmaß an Sicherheit, dass ihre Investitionen in neue Gasnetze und Infrastruktur nicht vergebens sein würden.

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