Diverses Geben und Nehmen

Das Franchiseprinzip ist simpel: Gründer übernehmen eine bewährte Idee und zahlen dafür. Schwieriger ist es, unter den 950 Franchisegebern den richtigen zu finden. impulse gibt Entscheidungshilfe.

Reinbek bei Hamburg, an einem Dienstag. Es ist kurz vor halb vier. Acht Kinder sitzen erwartungsvoll in einem Kursraum am Stadtrand, einige werden bereits unruhig und beginnen, mit den Beinen zu zappeln. Zuerst hat Petra Wolthaus Mühe, die Drei- bis Fünfjährigen zu bändigen. Doch dann legt sie jede Menge Magnete und kleine, metallene Gegenstände auf die Tische. Sofort greifen die Mädchen und Jungen zu und beginnen zu experimentieren. Was ziehen die Magnete an – und was nicht? Und warum stoßen sich die Magnete manchmal ab und kleben dann wieder aneinander? Mit einem Schlag sind die Nachwuchsforscher in weißen Kitteln ganz Ohr und lauschen gespannt den Worten der Expertin.

Seit knapp fünf Jahren bietet die Wahl-Hamburgerin Experimentierkurse für Kinder zwischen drei und zwölf Jahren an und entdeckte so für sich eine Marktnische. „Mitmachlabor EMA – Experimentieren Mit Albert“ nennt sie ihre Geschäftsidee, die sie seit 2006 auch als Franchisesystem ausgebaut hat. „Ich habe in den ersten Wochen immer mal wieder eine schlaflose Nacht gehabt und mich gefragt, ob es gut geht. Aber ich war beseelt von meiner Idee. Und habe immer daran geglaubt“, erinnert sich die diplomierte Biologin, Chemikerin und ehemalige Lehrerin an ihre Anfänge. Mit EMA bietet sie Interessierten jetzt auch die Chance, ein eigenes Unternehmen zu starten – in Teilzeit oder Vollzeit. Bundesweit haben sich mittlerweile elf Partner mit ihrer Franchise-Idee selbstständig gemacht. Für eine Einstiegsgebühr von bis zu 10.000 Euro erhalten die Gründer das komplette Know-how des Konzepts.

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Eine bereits bewährte Geschäftsidee zum Nachahmen anbieten, nach diesem Prinzip arbeiten alle 950 Franchisegeber, zu denen bekannte Namen wie Apollo Optik, Burger King, McDonald’s, Mobilcom-Debitel oder Sunpoint gehören. Die Unternehmen aus den Bereichen Handel, Dienstleistung, Handwerk oder Gastronomie bieten Interessierten eine selbstständige Existenz als Franchisepartner. Gründer profitieren nicht nur vom bekannten Namen des Franchisegebers. Durch die sogenannte Eintrittsgebühr erwerben sie auch Grundlagenwissen über das Geschäftsmodell, bekommen gute Einkaufskonditionen für Waren, die über die Franchisezentrale beschafft werden, und profitieren von erprobten Vertriebsstrategien.

Das Risiko für den Gründer ist dabei überschaubar. Das spiegelt auch die Quote der Geschäftsaufgaben: In den ersten fünf Jahren geben nur etwa acht Prozent der Franchisenehmer auf – bei herkömmlichen Existenzgründern scheitert in diesem Zeitraum etwa jeder zweite.

Sich in der Vielzahl der Angebote zurechtzufinden fällt schwer. Deshalb hat impulse alle 950 Franchisegeber befragt, empfehlenswerte Konzepte zusammengestellt und zeigt, wo der Einsatz neuer Franchisepartner besonders gefragt ist. Auf den folgenden Seiten finden Sie 16 vielversprechende Ideen, sortiert nach Investitionsgrößen.

Einstieg bis 25.000 Euro

Name: Ansatz

Geschäftsidee: Vor über zehn Jahren startete Hans Jürg Domenig sein in der Schweiz gegründetes Unternehmen auch in Deutschland. Der Franchisepartner baut mithilfe der Zentrale eine regionale Werbeagentur auf, die klein- und mittelständischen Firmen standardisierte, günstige Werbung und Werbemittel anbietet. Zudem können durch Bündelung von Aktionen in einem Werbepool Kampagnen offeriert werden, die Kunden im Alleingang nicht finanzieren könnten.

Mindestinvestition: 11.000 Euro

Einstiegsgebühr: 998 Euro

Franchisegebühr: 359 Euro monatlich

Franchisepartner: 40

Partnerziel: 70

Kontakt: info@ansatz.com

Name: Harper & Fields

Geschäftsidee: Der Maßschneider verbindet traditionelles Schneiderhandwerk und kundenorientierten Homeservice. Der Franchisepartner wird Repräsentant und verkauft hochwertige Maßanzüge und Maßhemden. Er muss einen kaufkräftigen Kundenstamm aufbauen und Interessenten mit einer umfangreichen Stoffauswahl zu Hause, im Hotel oder Büro beraten und Maß nehmen.

Mindestinvestition: 7950 Euro

Einstiegsgebühr: 2000 Euro

Franchisegebühr: 5 Prozent v. Umsatz

Franchisepartner: 55

Partnerziel: 72

Kontakt: j.messerchmidt@harper-fields.com

Name: Mitmachlabor EMA

Geschäftsidee: Kinder ab drei Jahren experimentieren unter Anleitung selbstständig und werden so an die Naturwissenschaften herangeführt. Die Franchisenehmer schulen Erzieher und Lehrer, geben Kurse in Kitas, unterrichten als Ergänzung zum Sachkundeunterricht vormittags in Schulen oder organisieren dort nachmittags Arbeitsgruppen.

Mindestinvestition: 8500 Euro

Einstiegsgebühr: 5000 Euro (Teilzeit), 10.000 Euro (Vollzeit)

Franchisegebühr: 10 Prozent v. Umsatz (TZ), ab 500 Euro monatlich (VZ)

Franchisepartner: 11

Partnerziel: 50

Kontakt: kontakt@mitmachlabor-ema.de

Name: McData

Geschäftsidee: Das in den Neunzigern gegründete Unternehmen aus Köln versteht sich als Dienstleister für selbstständige Buchführungshelfer. Durch intelligente Software und automatische Belegverarbeitung können Franchisenehmer ihren Mandanten bis zu 30 Prozent der Buchhaltungskosten einsparen.

Mindestinvestition: 10.000 Euro

Einstiegsgebühr: 7900 Euro

Franchisegebühr: 5 Prozent v. Umsatz

Werbegebühr: 5 Prozent v. Umsatz

Franchisepartner: 46

Partnerziel: 100

Kontakt: franchise@mcdata.de

Name: Morgengold Frühstücksdienste

Geschäftsidee: Der Stuttgarter Lieferservice für Backwaren steigerte 2008 seinen Umsatz um 21 Prozent auf 24,8 Millionen Euro. Der Franchisepartner kümmert sich um Akquisition von Kunden und Lieferung der Backwaren durch Fahrer – an sieben Tagen in der Woche. Sämtliche Produkte werden von lokalen Bäckereien bezogen.

Mindestinvestition: 20.000 Euro

Einstiegsgebühr: 12.500 Euro

Franchisegebühr: 10 Prozent v. Umsatz

Franchisepartner: 76

Partnerziel: 106

Kontakt: jr@morgengold.de

Einstieg bis 50.000 Euro

Name: Re/Max

Geschäftsidee: Das Immobiliennetzwerk ist in 65 Ländern aktiv und mit 7000 Büros und über 100.000 Maklern die Nummer eins in der Immobilienvermittlung. In Deutschland ist das System in mehrere regionale Gebieten aufgeteilt. Gründer eröffnen ein Maklerbüro unter der Dachmarke und profitieren von dem professionellen Backoffice der zentralen Büros.

Mindestinvestition: 30.000 Euro

Einstiegsgebühr: 25 000 Euro

Franchisegebühr: 6 Prozent v. Umsatz

Werbegebühr: 3 Prozent v. Umsatz

Franchisepartner: 150

Partnerziel: 500

Kontakt: mitte@remax.de

Name: Town & Country Haus

Geschäftsidee: 1997 gründeten Gabriele und Jürgen Dawo in der Nähe von Eisenach ihr Unternehmen, das Massivhäuser baut und vertreibt. In knapp zwölf Jahren sind sie zum Marktführer aufgestiegen. Rund 300 Franchisenehmer verkauften 2008 bundesweit über 2500 Häuser. Sie können zwischen zwei Partnerschaften wählen: Vertrieb oder Vertrieb und Hausbau. Daher liegen die Mindestinvestitionen zwischen null und 70.000 Euro. Sie bieten ihren Kunden gut 30 Massivhausvarianten, Energiesparhäuser und Garantien wie etwa die Bezugsfertigkeit des neuen Heims zu einem bestimmten Zeitpunkt.

Mindestinvestition: 0 bis 70.000 Euro

Einstiegsgebühr: 0 bis 10.000 Euro

Franchisegebühr: pro verkauftes Haus

Werbegebühr: pro verkauftes Haus

Franchisepartner: 305

Partnerziel: 350

Kontakt: info@franchisepartnerschaft.de Name: Plameco

Geschäftsidee: Der Spezialist für den Verkauf und Einbau von flexiblen Deckensystemen bietet seit 15 Jahren das Franchisekonzept. Die Decken aus Kunststoff werden in einem Mindestabstand von 15 Millimetern zur Zimmerdecke verspannt, an nur einem Tag ohne Ausräumen der Möbel. Das System eignet sich als zweites Standbein für Handwerker wie Schreiner, Maler, Raumausstatter oder Sanitärspezialisten.

Mindestinvestition: ab 27.500 Euro

Einstiegsgebühr: 15.000 Euro

Franchisegebühr: keine

Franchisepartner: 80

Partnerziel: 130

Kontakt: info@plameco.de

Name: DB-Servicestore

Geschäftsidee: Unter der Dachmarke der Deutschen Bahn eröffnen Gründer in kleineren Bahnhöfen einen Shop und verkaufen Kaffee, Getränke, Tabakwaren, Zeitschriften, Backwaren und auch Fahrkarten für den Nah- und Fernverkehr. Mittlerweile betreiben bereits 83 Partner an 135 Standorten Geschäfte mit dem umfangreichen Sortiment.

Mindestinvestition: 30.000 Euro

Einstiegsgebühr: 6500 Euro

Franchisegebühr: 500 bis 1000 Euro

Werbegebühr: 0,5 Prozent v. Umsatz

Franchisepartner: 83

Partnerziel: 158

Kontakt: joern.grote@bahn.de

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