Diverses Geplatzte Renditeträume

Viele Freiberufler und Unternehmer setzen auf die Rürup-Rente als Absicherung für das Alter. Doch das staatlich geförderte Modell kann sich für die Sparer zum Verlustgeschäft entwickeln.

Als Hans Stieber* Mitte April Post
von der Versicherung Aspecta bekam,
durchlebte er gleich drei Gefühlsstadien
binnen weniger Minuten.
Aus anfänglicher Verwirrung wurde eine
kurzzeitige Schockstarre, die dann in
Wut überging. Kurz und sachlich teilte
ihm das Assekuranzhaus im Anschreiben
mit, der beigefügten Vertragsübersicht
könne er „den aktuellen Rückkaufswert“
seiner Police entnehmen. Stieber sah
sich die kurze Tabelle im Anhang an.
Sein Blick blieb an einer Zahl haften:
18 789,79. Das sei der „Marktwert“ in
Euro seiner Rürup-Rentenversicherung
„per 31. Dezember 2008“.

Stiebers Gefühlswallungen nahmen
nun ihren Anfang. 18 789,79 Euro? Eingezahlt
hatte der Freiberufler aus Hessen
seit Vertragsabschluss im Jahr 2005
39 200 Euro. Die Differenz von gut
20 000 Euro – einfach weg? Der 58-Jährige
wollte Antworten. Nach diversen Telefonaten
mit der Aspecta und stundenlanger
Internetrecherche hatte er eine
Ahnung, was passiert war: Rund 4000
Euro dürften als Kosten für Produktvertrieb
und -verwaltung abgegangen
sein. Aspecta will zur Gebührenbelastung
von Stieber keine Auskunft geben.

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Dramatisch, aber exemplarisch

Der Rest, immerhin etwa 35 000 Euro,
ist in den Börsenturbulenzen der Finanzkrise
zusammengeschmolzen. Denn Stiebers
Versicherung ist fondsgebunden,
sein Erspartes liegt also in Wertpapierfonds.
In seinem Fall waren das überwiegend
Aktien. Sollten die Börsen bis zu
Stiebers Ruhestand nicht gewaltig zulegen,
dürfte seine Rente erheblich niedriger
ausfallen als erhofft. Für einen Mann,
der nicht viel aus der gesetzlichen Rente
zu erwarten hat, eine Katastrophe.

Stiebers Fall mag außergewöhnlich
sein, weil derart dramatische Einbußen
nur mit Aktieninvestments möglich waren.
Und doch ist der Fall exemplarisch,
weil er Schwachpunkte der sogenannten
Rürup-Rente, auch Basisrente genannt,
aufzeigt: eine hohe Kostenbelastung und
wenig Planungssicherheit für die Sparer,
wie hoch ihr Ruhegeld letztlich sein wird.
Und das selbst bei Verträgen, die – anders
als der von Stieber – eine Garantiekomponente
haben.

„Zu kompliziert und zu teuer“

Finanzplaner, Versicherungsexperten
und Verbraucherschützer warnen daher
inzwischen vor den Versicherungen. „Zu
kompliziert und zu
teuer“, urteilt etwa
Tom Friess, Geschäftsführer
des
Münchner VZ Vermögenszentrums.
Bei der
Verbraucherzentrale
Hamburg fiel Rürup
gänzlich durch. In der Broschüre
„Ampelcheck Geldanlage“
findet sich unter dem Punkt
„Geeignet für die Geldanlage“ ein deutliches
Urteil: „Nein, allenfalls in wenigen
Ausnahmefällen.“

Die Assekuranzbranche tobte nach der
Veröffentlichung des Heftchens im vergangenen
Juni. Der Versicherungskonzern
Debeka ging gar gerichtlich gegegen
die Verbraucherschützer vor. Zunächst
mit Erfolg. Am 13. August untersagte
das
Landgericht Berlin der Verbraucherzentrale
Hamburg per einstweiliger Verfügung
zu behaupten, „Rürup-Basisrenten
als Rentenversicherungsvertrag seien
nicht für die Altersvorsorge geeignet“.
Knapp vier Wochen später hob das Gericht die Verfügung aus formalen Gründen jedoch wieder auf.

*Name von der Redaktion geändert

Bert Rürup, der Ökonom, der das Konzept
einst für die rot-grüne Bundesregierung
entwickelt hatte, hält die Kritik
ebenfalls für überzogen. Schließlich sei
die Rürup-Rente für viele Freiberufler
und Selbstständige „die einzige Möglichkeit
mit staatlicher Unterstützung Vorsorge
zu betreiben“. Er selbst habe auch
einen nach ihm benannten Vertrag abgeschlossen,
sagt Rürup, heute Chefökonom
beim Finanzvertrieb AWD, der auch
Rürup-Produkte verkauft.

Seit der Einführung im Jahr 2005
haben sich über 850 000 Sparer für die
Rürup-Rente entschieden. Als Ergänzung,
oder – im Fall vieler Unternehmer – als
Ersatz für das staatliche Ruhegeld. Das
Angebot ist gewaltig: Hunderte von Versicherungen
und einige Fondssparpläne
bietet die Finanzindustrie heute an.

Die Offerten erscheinen attraktiv,
wenigstens auf den ersten Blick. Die Assekuranzexperten
des Analysehauses
Morgen & Morgen haben für impulse die
besten Versicherungen der Topanbieter
ermittelt. Ergebnis: Ein 45-jähriger
Mann, der mit 65 Jahren in den Ruhestand
gehen
will, kann bei
einer monatlichen
Sparrate
von 500 Euro
mit rund 580
Euro Monatsrente
rechnen, garantiert.
Und sollten
die Versicherer weiter
ähnliche Ergebnisse für ihre
Kunden (Fachjargon: Überschussbeteiligung)
erzielen wie zuletzt, sind sogar
knapp 850 Euro monatlich drin.

Besonders wichtig für Unternehmer:
Die Rürup-Rente ist im Fall der Firmenpleite
weitgehend geschützt. Auf anderes
Privatvermögen hingegen kann der
Insolvenzverwalter mitunter zugreifen.
Reizvoll wird Rürup jedoch vor allem
durch die steuerliche Förderung. Auf
bis zu 13 600 Euro Einkommen erhebt
der Fiskus in diesem Jahr keine Steuern,
wenn der Betrag in eine Rürup-Rente
eingezahlt wird. Das bedeutet für Spitzenverdiener,
dass sich das Finanzamt
mit bis zu 7000 Euro am Rürup-Sparen
beteiligt. Dieser Betrag steigt noch bis
2025, wenn sogar bis 20 000 Euro Rürup-
Beiträge jährlich von der Steuer absetzbar
sind.

Modelltest

Die Firma Math Concepts hat zwei typische
Rürup-Versicherungen analysiert.
Die Resultate legen die Schwächen offen.

Der Fall

Am 1. Juli 2005 hat ein damals 45-jähriger
Mann einen Rürup-Vertrag abgeschlossen.
Der Unternehmer zahlt monatlich 500 Euro
in die Versicherung ein. Rentenbeginn soll
im Jahr 2025 sein, wenn er 65 Jahre alt
ist und 20 Jahre gespart hat. Bis zu seinem
Tod soll sein Einsatz eine Mindestrendite
von 4,5 Prozent im Jahr bringen. Die Abschlusskosten
(vier Prozent der Beitragssumme
= 4800 Euro) sind in den ersten
fünf Jahren fällig. Die laufenden Kosten
betragen sechs Prozent der Beiträge.

Rürup-Rente: klassisch …

Die Police gleicht einer herkömmlichen
privaten Rentenversicherung.

Wertentwicklung Unterstellt ist eine
Rendite auf das angelegte Kapital
(Prämien abzüglich Kosten) in Höhe von
5,4 Prozent (Überschussbeteiligung).

Stand 2009 Eingezahlt wurden bis zum
1. Juli 24 000 Euro. Die aufgebaute
Deckungsrückstellung
der Police beträgt
19 558 Euro. Ein Minus von 4442 Euro.

Rente 2025 Garantiert ist eine monatliche
Rente von 629,31 Euro. Sollte die
Überschussbeteiligung erreicht werden,
ergibt sich eine Rente von 863,02 Euro.

Rendite Um auf eine Verzinsung der Beiträge
von 4,5 Prozent im Jahr zu kommen,
muss der Sparer 87 Jahre alt werden. Bekommt er nur die Mindestrente, müsste
er über 125 Jahre alt werden.

… und fondsgebunden

Die Versicherung erwirtschaftet das Rentenkapital
über Aktienfondsanlagen.

Wertentwicklung Unterstellt ist ein Verlauf
wie beim internationalen Aktienindex
MSCI Welt in den vergangenen 20 Jahren.

Stand 2009 Die Deckungsrückstellung
beträgt
per 1. Juli 13 429 Euro, 10 571 Euro
weniger als eingezahlt.

Wie bei vielen Policen
dieser Art gibt es keine Garantierente.
Die unterstellte Performance
führt zu einer monatlichen
Rente von 596,57 Euro.

Rendite Um eine jährliche Verzinsung
der Einzahlungen von
4,5 Prozent zu erreichen, muss der
Sparer mindestens 102 Jahre alt werden.
Fällt in der Rentenphase die Verzinsung
des Restkapitals, müsste er auch hier
schlimmstenfalls älter als 125 Jahre werden.

Doch weder die Höhe der zu erwartenden
Rente noch das Wohlwollen des Fiskus
erweisen sich bei näherer Analyse als
überzeugende Argumente für Rürup. So
ist der Bonus vom Finanzamt kein Steuergeschenk,
sondern eine Steuerstundung,
eine Art Leihgabe. Sobald die Rente zur
Auszahlung kommt, fordert der Fiskus
sein Recht. Schon heute müssen Ruheständler
zwei Drittel ihres Einkommens
versteuern; im Jahr 2040 sind die kompletten
Altersbezüge steuerpflichtig.
Nachgelagerte Besteuerung heißt das im
Fachdeutsch, wenn Vater Staat nicht bei
den Sparraten, sondern erst bei den Auszahlungen
die Hand aufhält.

Hinzu kommt: Selbstständige leben in
permanenter Unsicherheit darüber, wie
hoch ihr Einkommen in der Zukunft sein
wird. Die Höhe der steuerlichen Förderung
ihrer Rürup-Beiträge ist daher
bloße Spekulation. „Vor allem junge
Menschen sollten vorsichtig sein bei der
Altersvorsorge. Immer vom maximalen
Steuervorteil auszugehen, wäre fahrlässig“,
warnt Finanzplaner Friess.

Ernüchterung macht sich auch bei näherer
Analyse der in Aussicht gestellten
Renten breit. So man zu Ergebnissen gelangt.
Denn die Konstruktion von Rürup-
Policen ist eine Wissenschaft für sich.
„Eine für die Kunden nicht mehr durchsichtige,
komplexe Materie“, urteilt Oskar
Goecke, Professor am Institut für Versicherungswesen
an der Fachhochschule
Köln.

Axel Kleinlein, Chef der Berliner Firma
Math Concepts, ist ein echter Experte in
Sachen Rürup. Der Versicherungsmathematiker
analysierte im vergangenen Jahr
für das Magazin „Öko- Test“ über 500 Rürup-
Policen von 27 Anbietern. Nicht einmal
jede zehnte Police erhielt die Schulnote
Eins, Zwei oder Drei. Mehr als ein
Drittel erhielt die Note Fünf, einige sogar
die schlechteste Zensur, eine Sechs. Sein
Fazit: „Die Idee der steuerlich geförderten
Privatrente ist gut. Aber die angebotenen
Produkte taugen überwiegend
nichts.“ Zentrale Ursache: Hohe Kosten
drücken die Rendite und letztlich die
Renten.

Das Urteil des studierten Mathematikers
hat Gewicht. Die Assekuranz respektiert
und fürchtet ihn. Denn Kleinlein gehörte
einst dazu. In den 90er-Jahren arbeitete
er für die Allianz Leben in der
Produktentwicklung. Er weiß also, wie
in der Branche kalkuliert wird: „Zugunsten
der Versicherer.“

Alternativen zu Rürup

Die geringe Flexibilität ist ein gravierendes
Manko der Rürup-Rente. Wer für das Alter
vorsorgen will, kann jedoch auf andere
Produkte ausweichen. Vor allem zwei Alternativen
bieten sich an.

Private Rentenversicherung Die Policen
sind weitgehend identisch mit Rürup-Versicherungen.
In ihrer klassischen Form bieten
sie eine garantierte Mindestrente und die
Chance auf ein höheres Ruhegeld, wenn der
Versicherer erfolgreich bei der Anlage der
Kundengelder ist. Allerdings sind die Produkte
weit flexibler als Rürup-Verträge. Die
Versicherten haben das Recht, ihre Policen
zu kündigen.

Sie erhalten dann ihr angespartes
Kapital abzüglich der Kosten und
Gebühren des Anbieters ausgezahlt. Und
die Sparer können mitunter bei Beginn des
Ruhestands entscheiden, ob sie statt einer
monatlichen Rente, das komplette Kapital
auf einen Schlag ausbezahlt bekommen
möchten. Der Nachteil im Vergleich zu
Rürup-Policen: Die Einzahlungen werden
nicht steuerlich gefördert.

Fondssparpläne Ein Höchstmaß an Flexibilität
bietet eine regelmäßige Anlage in
Investmentfonds. Die Sparraten können
den jeweils aktuellen finanziellen Möglichkeiten
jederzeit angepasst werden, nach
oben und nach unten. Auch gibt es kein
festgelegtes Laufzeitende. Das aufgebaute
Kapital kann täglich zum aktuellen Wert
verkauft werden. Wer Risiken meiden
möchte, sollte auf Rentenfonds, die in
Staatsanleihen investieren, oder auf Immobilienfonds
setzen.

Höhere Renditechancen,
aber auch sehr viel mehr Risiko weisen
Aktienfonds auf. Für die meisten Fonds gilt
jedoch: Es gibt keine Garantie, Verluste sind
möglich. Auch gibt es keine lebenslange
Rente. Ist das Kapital aufgezehrt, steht der
Rentner mit leeren Händen da. Zudem
fördert
der Staat Fondssparpläne nicht wie
Rürup-Verträge mit Steuerprivilegien.

Kein Wunder deshalb, dass die Branche
nach Kräften bemüht war, eine
Pflicht zur Veröffentlichung der Abschluss-
und Verwaltungskosten ihrer
Policen zu verhindern. Jedoch ohne Erfolg.
Seit 2008 muss die Assekuranz ihre
Konditionen in den Verkaufsunterlagen
offenlegen. Und was nun meist etwas
verschämt im Kleingedruckten
der Produktunterlagen
steht, ist erschreckend. „Nicht selten gehen
mehr als 15 Prozent der gesamten
Einzahlungen für den Produktvertrieb
und die laufenden Gebühren der Anbieter
drauf“, weiß Kleinlein. Und das nagt
an den späteren Auszahlungen.

Wette gegen den Tod
Bei vielen Rürup-Verträgen bekommen
die Sparer eine garantierte Mindestrente.
Diese ergibt sich aus einem Garantiezins,
wie er auch Kapitallebensversicherungen
zugrunde liegt. Aktuell sind das 2,25 Prozent
jährlich. Dieser Satz jedoch ist nur
eine bloße Rechengröße mit geringer
Aussagekraft. Denn er bezieht sich allein
auf das letztlich angelegte Kapital, also
die Summe der Einzahlungen abzüglich
der Kosten. Die effektive Rendite auf den
gesamten Einsatz des Sparers liegt daher
mitunter deutlich niedriger.

Damit nicht genug. Zieht man von der
Verzinsung noch die Inflation ab, entpuppt
sich so manche Garantieverzinsung
als reale Vermögensvernichtung.
Zieht die Geldentwertung an, wie viele
Experten vermuten, sieht es schlecht aus
für die Rürup-Sparer. Die Versicherer
müssen dann mit dem Geld ihrer Kunden
am Kapitalmarkt üppige, weit über den
Garantiezins hinausgehende Erträge erzielen,
damit die Versicherungen nicht
zum Geldgrab werden.

Fondsgebundene Policen ohne Mindestrentengarantie

Besonders dramatisch könnte das Problem
für Versicherte werden, die eine der
über 500 000 fondsgebundenen Policen
abgeschlossen haben. Denn die garantieren
meist keine Mindestrente. So wie die
Police von Hans Stieber. Ein Plus von vier
Prozent jährlich wäre immer drin, eher
mehr, habe ihm sein Finanzberater
gesagt.
Dass der Vertrag aber keinerlei
Garantie enthält, soll ihm der freie Vermittler
nicht erklärt haben.

In zwei Jahren schon will der Mann
seine Rürup-Rente beziehen. Wie
hoch die sein wird, hängt davon
ab, wie sich die sogenannten
Fonds-Baskets, auf denen
seine Versicherung basiert,
bis dahin entwickeln. Daran,
dass der Wert seiner Police wenigstens
wieder die Summe seiner
Beiträge erreicht, glaubt er nicht mehr.

Rürup-Renten sind nicht vererbbar

Ob sich Rürup lohnt oder nicht, wird
aber letztlich erst am Tag des Todes eines
Versicherten klar. Die Rendite kann während der Sparphase noch so hoch sein,
stirbt der Versicherte noch vor Rentenbeginn,
ist meist alles weg. Rürup-Renten
sind nicht vererbbar. Nur ein
gewisser Hinterbliebenenschutz kann
in die Verträge aufgenommen werden.

Erreicht der Rentner indes ein biblisches
Alter, kann er einen richtig guten
Schnitt machen. Mit jedem weiteren
Jahr, in dem er Rente kassiert, steigt
seine Rendite. „Das“, sagt Bert Rürup,
„ist der zentrale Vorzug. Die Versicherer
garantieren auch jemandem, der so alt
wie Johannes Heesters wird, ein langes Alterseinkommen.“ Die Rürup-
Rente – eine Wette gegen den Tod.

Allerdings muss man mitunter recht
lange leben, um auf eine akzeptable,
langfristige Verzinsung zu kommen.
Mathematiker Kleinlein hat für impulse
einen typischen Vertrag, abgeschlossen
im Jahr 2005, durchgerechnet. Das Resultat:
Erzielen die Versicherer die angenommenen
Überschussbeteiligungen
für die Kunden, kommt ein Mann erst mit
fast 88 Jahren auf eine jährliche Rendite
von 4,5 Prozent. Muss sich der Ruheständler
aber mit der garantierten Rente
bescheiden, erreicht er diesen Satz erst
nach seinem 103. Geburtstag.

Voraussetzung für diese Altersbezüge
ist üblicherweise, dass der Sparer regelmäßig
bis zum Schluss seine Beiträge
zahlt. Doch schon eine geschäftliche Krise
kann bedeuten, dass kein Geld mehr
zum Rürup-Sparen vorhanden ist. Weil
die Versicherten aber ihre Verträge qua
Gesetz faktisch nicht kündigen können,
drohen womöglich fatale Konsequenzen.
Werden Beiträge eine Weile nicht gezahlt
und muss der Vertrag letztlich beitragsfrei
gestellt werden, wie das im Assekuranzdeutsch
heißt, werden die rückständigen
Prämien meist vom aufgebauten Deckungskapital
abgezogen.
Zusätzlich
wird
oft noch eine
üppige Stornogebühr
fällig.

Für Kapitalaufbau bleibt wenig übrig

Das kann dazu
führen, dass
die gesamten Ersparnisse
aufgezehrt
werden. Mit der irren Konsequenz,
dass der Vertrag komplett
erlischt. Vor allem in den ersten
Jahren der Ansparphase ist dieses Risiko
groß. Denn die kompletten Abschlussprovisionen
für den Vertrieb, dürfen die
Anbieter mitunter bereits in den ersten
fünf Jahren der Vertragslaufzeit von den
Einzahlungen abziehen.

Für den Kapitalaufbau bleibt in dieser
Zeit meist nicht mehr viel übrig. Schnell
kann es deshalb heißen: Außer Spesen
nichts gewesen. Die Verbraucherzentrale
Hamburg versucht, bislang erfolglos, diese
Praxis gerichtlich zu stoppen.

Kritik prallt ab

Unflexibel, unsicher, teuer – die Nachteile
der Rürup-Rente überwiegen nach
Ansicht vieler Experten die Vorzüge. Robert
Hiotoglou, Chef
der Kölner Vermögensverwaltung
4E
Finanzkonzept, rät
Kunden daher meist
zu konventionellen
Kapitalanlagen für
die Altersvorsorge.
„Mit Fondssparplänen
oder herkömmlichen
Rentenversicherungen
erzielen
Anleger ähnliche Ergebnisse,
können über das Vermögen
aber flexibler disponieren“,
sagt der Finanzplaner.

An Bert Rürup, dem einstigen Regierungsberater,
prallt die Kritik an der nach
ihm benannten Rente indes ab. Keiner,
sagt der Ökonom, werde schließlich
gezwungen,
einen Rürup-Vertrag abzuschließen.
Da hat er recht.

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