Diverses Gerstensaft im Tetra-Pack

In Kneipen gibt es Bier vom Fass, denn nur gezapftes Bier schmeckt richtig lecker und frisch. Das gilt seit Jahrhunderten. Doch nicht mehr lange, wenn es nach einem kleinen bayerischen Familienbetrieb geht.

Immer das Problem mit dem verschwundenen Fass. Jeder Brauer kennt es. Immer mal wieder kommt es nicht zurück von den Wirten. Aus welchen Gründen auch immer. Vielleicht nehmen die Wirte es, um damit Sitzbänke im Freien zu bauen. Jedenfalls kommen immer wieder Fässer nicht zurück in die Brauerei. Besonders im Sommer, wenn es richtig heiß ist, wird das dann zu einem Riesenproblem: Denn zu der Zeit haben Brauereien sowieso zu wenig Fässer. Bier ist Saisonware, das Fassproblem gehört schon zur Branche, solange es sie gibt.

Bei der Ankerbrauerei in Nördlingen, seit 1608 ein Familienbetrieb in Bayern, haben sich die Fachleute, Braumeister Georg Fischer und Geschäftsführer Florian Koch darüber Gedanken gemacht. Sie wollten das Problem lösen und das Fass des Weisen erfinden. Dann 2003 kam ihnen die Idee, welche sie jahrelang fortentwickelt haben. Viele Prototypen hat es gebraucht, bis schließlich ein Verfahren patentiert werden konnte.

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Mehr Bier auf eine Europalette

Und natürlich wurde auch viel Bier getrunken, denn der Gerstensaft darf sich nicht verschlechtern, wenn es anders transportiert wird. Bier muss Bier bleiben. Jetzt hat die Brauerei das Beer-in-Box-Verfahren auf den Markt gebracht. Auf der Hannover Messe wurde es am Stand des Freistaates präsentiert. Es wurde ohne Fass transportiert, in Tetra-Packs, rechteckig, gut stapelbar. So kriegt man auch neun Hektoliter statt bisher 5,6 Hektoliter auf eine Europalette. Und: das Bier wird leichter. Kein Fass mehr, auf das die Brauerei warten muss.

Trotzdem bleibt das Bier schmackhaft. Der Trick: Die Nördlinger haben eine Maschine entwickelt und bauen lassen, die dem ganz normal gebrauten Bier in der Brauerei die Kohlensäure entzieht. Ohne Kohlensäure geht Bier aber gar nicht. Deshalb haben die Brauer auch einen Anker-Carbonator entwickelt, der an der Zapfanlage angebracht wird und dem Bier die Kohlensäure zurück gibt.

Das funktioniere an jeder Zapfanlage problemlos, sagt Sebastian Haag von der Ankerbräu. Es gibt weitere Vorteile für die Wirte: Der Schankverlust reduziert sich, denn die Leitung wird nicht leer, da die Bier-Bags im laufenden Betrieb gewechselt werden, im Gegensatz zu Fässern. Zudem ist das Bier im Tetra-Pack länger haltbar.

International erfolgreich

Ankerbräu bietet jetzt vier verschiedene Sorten im 25-Liter-Tetra-Pack an. In Kanada, Russland, Australien und China ist das fasslose Bier schon auf dem Markt. In vielen europäischen Ländern und auf Kuba gibt es Testläufe. In Südafrika, Großbritannien und im Iran ist der Anker-Carbonator im Einsatz, um Softdrinks mit Kohlensäure zu versorgen.

Der Gewichtsvorteil hat zudem weitere Abnehmer auf den Plan gerufen: Kreuzfahrtschiffe bestellen Bier-Boxen in Massen. Gerade ist der Auftrag in Nördlingen reingekommen, während der Fußball-Weltmeisterschaft in Südafrika zwei Kreuzfahrtschiffe, die die Fifa vor der Küste kreuzen lassen wird, mit Bier zu versorgen.

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