Diverses „Gescheitert am sozialistischen Joint-Venture“ (Mein größter Fehler, Bernd Rödl)

Bernd Rödl, 67, Gründer der internationalen Beratungs- und Prüfungsgesellschaft Rödl & Partner, über ein gescheitertes Joint Venture in Prag - ein Jahr vor dem Mauerfall.

An Pfingsten 1988 fuhren wir nach Prag zur feierlichen Eröffnung unserer ersten Auslandsniederlassung. Unsere Mandanten wollten nach Osteuropa, sie sahen, welche Märkte sich dort im Zuge von Glasnost und Perestroika auftaten. Das war unsere Chance: ein Joint Venture mit einer staatlichen Anwaltskanzlei, ein Novum.

Über Monate hinweg hatten wir verhandelt, jetzt sangen wir im Auto: „In Prag zieht der Frühling ein, wir auch …“ An der Grenze wurden wir stundenlang kontrolliert, die Zöllner trugen Kalaschnikows. Wir waren voller Euphorie, es war der erste Schritt ins Ausland – und ein sehr emotionaler Moment.

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Prag! Die Karlsbrücke, der Hradschin, die Oper! All das kannte ich aus den Erzählungen und von alten Fotos meiner Eltern. Sie hatten dort die Goldenen Zwanziger erlebt, stets von der Stadt geschwärmt – und über die spätere Vertreibung geschwiegen. Erste Zweifel an unserem Wagnis kamen bei der steifen Kanzleieinweihung auf, die bürokratischen Statements passten nicht zu uns. Wir hatten die Bedeutung der Unternehmenskultur unterschätzt.

Die Kanzlei war noch sozialistisch geprägt, unsere Mandanten fühlten sich nicht gut betreut, selbst an Fachkenntnissen mangelte es. Bereits nach einem Jahr beendeten wir die Kooperation, noch vor dem Mauerfall. Wir sind jämmerlich gescheitert. Dieser Fehler hat mich stark geprägt. Unseren Kunden sagen wir seitdem: Gründen Sie besser aus eigener Kraft eine eigene Gesellschaft. Joint Ventures sind meist zum Scheitern verurteilt.

Aus dem Magazin
Dieser Beitrag stammt aus der impulse-Ausgabe 021/2011.

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