Diverses Gewinn für die Gesellschaft

Bei ihrer Suche nach Sinn stiftender Unternehmensführung entdecken Firmenchefs ein altes Wertesystem neu: die Lehre der Anthroposophen.

Er sagte den Fall des Kommunismus voraus, forderte den Rückzug des Staats aus der Wirtschaft, propagierte Themen wie Eigenverantwortung oder Teamarbeit – Rudolf Steiner, Begründer der Anthroposophie. Dennoch bewegt sich das Image der Steiner-Anhänger in Wirtschaftskreisen zwischen skurrilen Idealisten und Sektierern.

Indes: Manch namhafte Firma hat die Anthroposophie zur Grundlage ihres Geschäfts erhoben. Darunter Drogeriefilialist DM, Weleda oder die GLS Gemeinschaftsbank. Weitere Gemeinsamkeit: Diese Unternehmen sind enorm erfolgreich. „Die Anthroposophie hat mir geholfen, mein Geschäft vorausschauend zu gestalten“, sagt etwa DM-Chef Götz Werner, der heute mit seinen 1.500 Filialen rund drei Milliarden Euro umsetzt.

Anzeige

Wachstum – für was?

Als Werner 1976 drei Jahre nach Gründung mit den Problemen des schnellen Wachstums konfrontiert wurde, folgte er Steiner. „Mir wurde klar, dass meine Firma auf Dauer nur bestehen kann, wenn ich kläre, wa­rum und für wen ich etwas tue.“ Unter dem Schlagwort dialogisches Führen wird bei DM nicht nur viel Wert auf hohen Kundenservice, flache Hierarchien und transparente Kommunikation gelegt. Alle Filialen organisieren sich eigenverantwortlich.

Ganz im Sinne Steiners forciert Werner die kreative Entwicklung seiner Leute. „Bei uns lernen Mitarbeiter nicht nur, wie Zahnbürsten funktionieren, sondern auch ihr Potenzial zu entfalten“, so der DM-Gründer. Weil er Theateraufführungen, Tanz, Musik oder Pflanzenkunde in die Lehrlingsausbildung integrierte, erhielt DM zahlreiche Auszeichnungen.

Weleda, das in Schwäbisch-Gmünd Arzneien und Körperpflegemittel herstellt, schult Führungskräfte per Coaching und Leadership-Seminare. Darüber hinaus bietet das Unternehmen wöchentlich Sprachgestaltung und Kurse in Eurythmie an, einer Bewegungskunst zu Sprache und Musik. Um die hohe Qualität der eigenen Produkte zu sichern, betreibt Weleda einen eigenen, nach Demeter zertifizierten Heilpflanzengarten. Das Schweizer Unternehmen kümmert sich um gefährdete Pflanzen im Ausland. Und garantiert den örtlichen Bauern eine faire Entlohnung. Zudem versorgt sich der Arzneispezialist vollständig mit Strom aus regenerativen Quellen.

Anthroposophisches Wirtschaften hat aber nicht nur das Wohl von Firma und Mitarbeitern zum Ziel. „Wir wollen auch unserer Verant-wortung für die Gesellschaft gerecht werden“, sagt Thomas Jorberg, Vorstandssprecher der Bochumer GLS Gemeinschaftsbank. Seit Gründung vor 31 Jahren hat die Bank, die sich auf ethisch und ökologisch einwandfreie Projekte beschränkt (etwa Gesundheitswesen, regenerative Ener­gien), nie Verluste geschrieben.

Den vollständigen Artikel können Sie in der impulse-Ausgabe 11/2005, Seite 78, nachlesen.

Neugierig geworden, aber noch kein Heft-Abonnent? Dann Geschenk auswählen und online abonnieren

Hinterlassen Sie einen Kommentar

(Kommentare werden von der Redaktion montags bis freitags von 10 bis 18 Uhr freigeschaltet)

Bitte beantworten Sie die Sicherheitsabfrage (Anti-Spam-Schutz): *Captcha loading...