Diverses Gewinne richtig steuern

Erträge im Betrieb lassen und Steuern sparen: Wie Firmenchefs die neue Thesaurierungsrücklage nutzen.

Endlich. Die Große Koalition sorgt mit der Unternehmensteuer-Reform ab 2008 dafür, dass mittelständische Firmenchefs
belohnt werden, wenn sie ihre Gewinne im eigenen
Unternehmen belassen. Wer Investitionen mit eigenem Geld finanziert und Arbeitsplätze schafft, zahlt demnächst weniger Einkommensteuer. Dafür erntet Bundesfinanzminister Peer Steinbrück durchweg Lob. „Das verbessert die
Standortbedingungen für den Mittelstand deutlich“, urteilt etwa Hanns-Eberhard Schleyer, Hauptgeschäftsführer des Zentralverbands des Deutschen Handwerks in Berlin.

Fünf Milliarden Euro macht Schwarz-Rot locker, um Einzelunternehmer und Personengesellschafter zu entlasten.
Dazu hat das Steinbrück-Ministerium mit der Gewinnrücklage ein neues Instrument erfunden. Prinzip: Was der Firmenchef
an Gewinn thesauriert, versteuert das Finanzamt auf Antrag nur mit 28,25 Prozent Einkommensteuer. Davon profitieren vor
allem ertrags¬starke Mittelständler, die für ihre Gewinne heute noch in der Spitze bis zu 42 Prozent (2008: 45 Prozent) zahlen.

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Thesaurieren und profitieren

Die Gewinnrücklage ist indes kein Extra-Bonbon für den Mittelstand. „Sie schafft lediglich ein Stück
Rechtsformneutralität“, analysiert der Kölner Steuerberater Martin Strahl. Denn die Regierung musste einen Ausgleich dafür schaffen, dass sie die Steuerlast für Kapitalgesellschaften
kräftig senkt. Von derzeit rund 40 Prozent auf unter 30 Prozent ab 2008 – damit Firmen gestärkt werden, die sich im internationalen Wettbewerb behaupten wollen.

Die Steuerentlastung ist indes nur die halbe Wahrheit. Um die Wohltaten zu finanzieren, sammelt Peer Steinbrück an anderen
Stellen fleißig ein. Zinsschranke, Abschaffung der degressiven AfA oder Gewerbesteuer auf Finanzierungskosten heißen die
teuren Stichworte. „Für die meisten Unternehmen bleibt aber eine Steuerentlastung übrig“, rechnet Berthold Welling vom Bundesverband der Deutschen Industrie vor. Für Mittelständler
heißt – mal spitz formuliert – das Sparkonzept: thesaurieren statt konsumieren.

impulse zeigt, wie Einzelunternehmer und
Personengesellschafter die Möglichkeiten der Gewinnrücklage ab 2008 voll ausreizen.
Die neue Steuersparmöglichkeit kommt vor allem
Unternehmern gut zupass, die regelmäßig mindestens sechsstellige Gewinne ausweisen. Denn bei diesen potenten Firmen ergibt die Rücklage richtig Sinn: Für thesaurierte Beträge sinkt die Steuerlast um rund 14 Prozentpunkte. Der Vorteil schmilzt hingegen bei niedrigeren Gewinnen wegen des progressiven Steuertarifs rasch zusammen. Faustregel von
Experte Strahl: „Unter 90.000 Euro wird es uninteressant.“

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Bei geringeren Gewinnen profitieren Unternehmer zwar immer noch von der günstigen Steuer auf die Rücklage. Doch kommen
sie unter dem Strich schlecht weg, wenn sie das Geld später doch einmal für private Zwecke abzweigen. Generell gilt: Wenn
der Firmenchef ursprünglich thesaurierte Gelder aus der Firma zieht, verlangt das Finanzamt 25 Prozent Nachsteuer. Und dann wird es teuer. „Unter dem Strich macht das eine
Steuerbelastung von über 45 Prozent aus“, rechnet der Stuttgarter Steuerberater Lars Zipfel von Ernst & Young vor. Hätte der Firmenchef nicht thesauriert und stattdessen seinen
Gewinn sofort entnommen, wären für ihn maximal 42 Prozent Steuern fällig gewesen. Heißt: Spätere Privatentnahmen kosten eine Art Strafzuschlag. Entscheidungshilfe bietet ein Rechentool von Ernst & Young,
das auch impulse-Lesern zur Verfügung steht.

Strafzuschlag vermeiden

Somit ist klar: Unternehmer sollten sich nicht von kurzfristigen Steuervorteilen blenden lassen. Clevere packen nur die Gewinne in die Rücklage, die sie tatsächlich in den nächsten
Jahren für Investitionen oder zur Stärkung des betrieblichen Eigenkapitals verwenden wollen. Nur das bringt eine echte Steuerersparnis und Liquiditätsgewinn.

Wegen des Risikos eines Strafzuschlags sollten vor allem Unternehmer mit stark schwankenden Gewinnen vorsichtig disponieren. Wollen sie die Gewinnrücklage Steuer sparend
nutzen, schaffen sie sich in guten Jahren auch ein ordentliches Finanzpolster auf den privaten Konten. Damit sie in schlechten
Jahren kein Geld für den täglichen Bedarf oder private Extras aus der Firma ziehen müssen.

Gefahr: Das Finanzamt verlangt Strafzuschlag, wenn die Privatentnahmen höher sind als die Summe aus Gewinn und Privateinlagen. Noch umsichtiger müssen Firmenchefs hantieren, bei denen auf Jahre mit schönen Gewinnen oft Verlustzeiten folgen. Denn hier kassiert das Finanzamt demnächst ab, wenn der
Unternehmer Bilanzverluste nicht durch Privateinlagen ausgleichen kann. Die Konsequenz ist fatal: Der Unternehmer muss genau dann seine Rücklage mit Strafzuschlag auflösen,
wenn er es nicht gebrauchen kann.

Das droht selbst dann, wenn der Chef bereits aus früheren Jahren (vor 2008) voll versteuerte Reserven in seiner Bilanz ausweist. Denn Peer Steinbrück hat eine fiese Falle im Gesetz
verankert: Das Finanzamt zieht nicht etwa alte Gewinne zum Ausgleich der Verluste im Jahr 2009 oder später heran. Sondern zuerst die Beträge, die ab 2008 in der Gewinnrücklage stehen. Und verlangt Strafe.

Für solche Fälle haben gewiefte Steuerberater die passende Gegenstrategie parat. Sie empfehlen mittelständischen Firmenchefs, einen Teil der alten Bilanzrücklagen in diesem Jahr
zu entnehmen und das Geld auf privaten Konten zu deponieren. Wenn nötig, fließt es später in die Firma zurück. Und die günstige Gewinnrücklage wird nicht angetastet. Experte Strahl: „Das muss das Finanzamt akzeptieren.“

Und was ist mit gut verdienenden Ärzten, Architekten, Anwälten oder Steuerberatern? Auch die können von der neuen Rücklage profitieren. Aber nur, wenn sie sich von der
Einnahmen-Überschuss-Rechnung verabschieden und ihren Gewinn künftig per Bilanz ermitteln. „Das macht zwar anfangs etwas Arbeit, lohnt sich jedoch bei Top-Verdienern“, erläutert Berater Strahl.

Lesen Sie im nächsten Heft, was Ihnen die neue Ansparrücklage für Investitionen bringt.

Ein Rechentool der Beratungsgesellschaft Ernst &
Young zeigt, wie Firmenchefs ab 2008
am besten an der Steuerschraube drehen
können: Gewinnthesaurierung oder
Privatentnahme heißen die Alternativen.

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