Diverses Gewisse Extras

Manchmal muss es eben Kaviar sein. Welche Leckereien Oberklasse-Tuner für Audi, BMW, Mercedes und Co bieten.

Die Premium-Modelle aus Süddeutschland stehen nicht gerade im Verdacht, untermotorisiert zu sein. Für einige Kunden darf es trotzdem etwas mehr sein. So hatte Stahlhändler Helmut Reichl aus Freudenstadt seinen fabrikneuen Audi A6 3.0 TDI Avant gerade abgeholt, da fuhr er ihn gleich 300 Kilometer zu Abt nach Kempten im Allgäu. Die Audi-Spezialisten pflanzten dem ohnehin flinken Diesel eine sportlichere Motorsteuerung ein. Statt der serienmäßigen 230 Pferdestärken kommt die Maschine jetzt auf 270, das Drehmoment stieg von 450 auf 550 Newtonmeter. „Er zieht jetzt einfach noch besser durch“, berichtet Reichl zufrieden.

Gerade Unternehmer gönnen sich für ihr Chefauto gern eine Sonderbehandlung. Wenn die Limousine auf der Autobahn mehr Schub braucht oder das Ambiente mit Seriendeko-ration zu nüchtern ist, helfen Edelschrauber mit Lösungen nach Maß – auch im automobilen Oberhaus. „Jeder Besitzer hat andere Vorstellungen. Das gilt erst recht bei Nobelkarossen“, berichtet Wolfgang Schöller, Organisator der Motorshow in Essen, der weltgrößten Tuningmesse.

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Unbezahlbar schön

Audi-Pilot Reichl war nicht nur der Serienmotor seines A6 zu schwach, auch die Sonderzubehörliste der In­golstädter genügte ihm nicht. Trotz Sportsline-Ausstattung mit straffem Fahrwerk ließ er seinen Dienstkombi bei Abt noch einmal härter abstimmen. Ein Aerodynamik-Paket aus Spoi­lern und Schwellern war ebenfalls Pflicht. Eine Woche später hatte Reichl rund 10 000 Euro auf den Neupreis draufgelegt. Dafür fährt der Unternehmer die 40 000 Dienstkilometer im Jahr jetzt in seinem Traumauto.

Dem Streben nach automobiler Exklusivität sind kaum Grenzen gesetzt. Fahrer eines Lorinser GS 03 müssen besonders tief in die Tasche greifen: Rund 200 000 Euro kostet die Edelvariante des Mercedes SL 600 und damit 60 000 Euro mehr als das Basisfahrzeug. „Der ist optisch einfach noch gelungener als die Serie“, sagt ein Unternehmer, der einen Lorinser in der Garage stehen hat. Seinen Namen will er nicht in der Presse wissen, aus Angst, das gute Stück könnte geklaut werden. Schließlich gibt es davon nur 50 Modelle.

Für stolze Preise darf der erlesene Kundenkreis natürlich die komplette Ausstattung selbst bestimmen. Bei Lorinser kann das für den Innenraum heißen: alles in schwarzem Alcantara-Leder, samt Armaturenbrett, Dachhimmel und Lenkrad. Zu einem Museumsstück macht das den Edel-SL aber noch lange nicht. Gut 30 000 Kilometer pro Jahr fährt der rare Bolide, nur im Winter kommt eine serien­mäßige E-Klasse zum Einsatz. „Die 355er-Hinterräder des SL haben auf Schnee und Matsch keine Traktion“, verrät der Mercedes-Freund. Selbstredend kommt der Lorinser nicht ohne Modifikationen an der Karosserie aus. Schließlich müssen die Breit­reifen in entsprechend ausgebauten Kotflügeln Platz finden.

Die meisten Tuning-Freaks halten sich bei der Optik jedoch zurück. „Sonst kann ich gleich einen Sportwagen fahren, bei dem mir die Kunden einen Vogel zeigen“, sagt Spediteur Boris Goldberg. Der Mittelständler aus Würzburg schätzt den seriösen Auftritt seiner S-Klasse. Nur ein bisschen zu träge war ihm die Nobel­limousine. Dieses Manko behob die Bottroper Edelschmiede Brabus. Wenn die Strecke frei ist, reist Goldberg jetzt mit 270 km/h über die Autobahn zum nächsten Termin. Mit angepasstem Fahrwerk – aber ganz ohne Spoiler.

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