Diverses Globale Spiele

Das Wagnis Ausland lohnt sich nicht nur für Konzerne - mittelständische Firmen profitieren nicht minder. Eine Exklusiv-Studie.

Vier Millionen Euro Umsatz, 35
Mitarbeiter, innovative Medizintechnik
sind sein Metier: Gerhard
Scheuch sieht sich als klassischen
Mittelständler. Doch der Gründer
und Inhaber der Firma Activaero in
Gemünden/Wohra ist vielen seiner
Unternehmerkollegen weit voraus.

Die Hälfte seines Umsatzes erzielt er
bereits im größten und lukrativsten
Markt der Welt – in den USA. Per
Export von Deutschland aus.
Und weil er zwischen Boston und
San Francisco noch beträchtliches
Wachstumspotenzial sieht, hat sich
der hessische Entwickler und Hersteller
von Inhalationssystemen vor wenigen
Wochen fest im US-Markt etabliert.

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In Dublin/Ohio gründete er
seine erste Auslandsniederlassung.
Mit überaus reizvoller Perspektive:
„In fünf Jahren werden wir in den
USA wahrscheinlich mehr Leute beschäft
igen als heute in Deutschland.“

Familienfirmen gehen voran

Der 51-jährige Medizintechnik-Spezialist
ist einer aus der wachsenden
Schar von Inhaberunternehmern, die
neuerdings auf Expansion in Richtung
Nordamerika setzen. 41 Prozent
der familiendominierten Firmen
rechnen mit steigenden Umsätzen im
größten Markt der Welt, von den
Nicht-Familienunternehmen sind es
lediglich 25 Prozent.

Dies sind Ergebnisse der soeben
erschienenen Studie „Aktive Globalisierung
– Chancen für deutsche Familienunternehmer
„. In Auft rag gegeben
haben die Untersuchung zwei
international operierende deutsche
Firmen, die DZ Bank AG und die
Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Deloitte
& Touche GmbH. Federführend
beim wissenschaft lichen Teil der Studie
war die European Business School (EBS), die Befragungen der
mehr als 400 Unternehmen führte das
Forsa-Institut durch.

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Auf den Prüfstand kamen Aspekte
der Globalisierung wie die Motive
für das Auslandsengagement,
praktische Fragen wie die Entsendung
von Mitarbeitern und schließlich der
Profi t aus der Auslandsaktivität – dies
alles im Vergleich von Familien- und
Nicht-Familienunternehmen.

Kernaussage: Global Player zu werden lohnt sich. Denn
wer Geschäfte in und mit anderen
Ländern macht, erzielt im Durchschnitt
elf Prozent Umsatzplus, wer
sich nur im Inland tummelt, kommt
auf acht Prozent.

„Das ist eine große Chance, die
Angst und die Besorgnis vieler teilen
wir überhaupt nicht. Globalisierung
und Internationalisierung fi nden
statt, ob sich ein Unternehmer dafür
entscheidet oder nicht“, sagt DZBank-
Vorstand Thomas Duhnkrack.

Wie Activaero-Chef Scheuch haben
sich das zahlreiche Mittelständler zu
Herzen genommen und sich für die
Strategie „Go West!“ entschieden.
Beispiel: Solarworld-Gründer Frank
Asbeck startete 2006 mit zwei Fabriken
ins US-Solargeschäft , schon in
diesem Jahr will er Gewinn machen.

Mit 1.300 Beschäftigten weltweit ist er
ein großer Player seiner Branche.
Doch auch kleinere Firmen wie
das Beratungsunternehmen I+O mit
85 Mitarbeitern folgen dem Lockruf des US-Business. Gerade haben die
Heidelberger an der Ostküste eine
Niederlassung etabliert. Thomas Kilimann,
Partner bei I+O: „Nordamerika
ist eine hochattraktive Region, in
der man einfach präsent sein muss.“

Bei der Entwicklung ihrer Auslandsstrategie
nutzen die Firmen gern
externes Know-how. An erster Stelle
setzen sie dabei auf Wirtschaft sprüfer
und Steuerberater. Banken stehen an
zweiter Stelle, gefolgt von Unternehmensberatern
und Handelskammern.
Manche sehen in der Globalisierung
indes eher eine Möglichkeit zur Flucht
vor schlechten Standortbedingungen.

„Hohe Lohnnebenkosten stellen für
53 Prozent der Familienunternehmer
ein Hauptmotiv dar, Deutschland den
Rücken zu kehren“, erläutert Egon
Sachsalber, Partner von Deloitte &
Touche, eine weitere Aussage der Studie.
Auch hohe Gehälter (38 Prozent),
massiver Kündigungsschutz (33 Prozent)
und hohe Unternehmensteuern
(28 Prozent) stellen für die Familienunternehmer
zusätzliche Standortnachteile
dar, auf die sie nur eine Antwort
haben: Abwanderung. Für die
Nicht-Familienunternehmen ermittelte
die Studie ein ähnliches Vertreibungsszenario.

Einig sind sich beide Unternehmensgruppen
auch in der Einschätzung
des Wachstumspotenzials. „Jeweils
40 Prozent halten den einheimischen
Markt für gesättigt und suchen
daher jenseits der Grenzen neue Ab-satzchancen“, sagt EBS-Professor Ulrich
Hommel. Das Augenmerk der
Firmen gilt vorzugsweise den USA.
Unternehmer Scheuch rechnet vor:
„Wenn die US-Wirtschaft um 2,5
Prozent wächst, macht das ein Plus
von 350 Milliarden Dollar. Wenn
China zehn Prozent zulegt, entspricht
dies nur 250 Milliarden Dollar.“

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