Diverses Glos richtet ein Desaster an

Er hat das Amt nie gewollt, er hat es nicht gemocht - und er hat es geradezu demonstrativ nicht ausgeübt. Der flüchtige Bundeswirtschaftsminister Michael Glos, über Jahrzehnte sicher einer der besten und erfolgreichsten Politiker in der Bundespolitik, hat mit seinem Rücktrittsgesuch sich selbst, vor allem aber dem Amt großen Schaden zugefügt, sagt impulse-Chefredakteur Gerd Kühlhorn.

Mit ihm an der Spitze („unter seiner Führung“ mag man nicht formulieren, denn die war nicht im Ansatz erkennbar) versank das Wirtschaftsressort, das nach glanzvollen Zeiten vor allem in der letzten Dekade an Einfluß und Ansehen kontinuierlich verloren hat, endgültig in der Bedeutungslosigkeit. Längst vorbei die Zeiten, als sich bei der Regierungsbildung die klügsten Köpfe nach dem Amt des Wirtschaftsministers drängten. Angela Merkel mußte Glos unter erheblichen moralischen Druck setzen, um ihn für das Ressort zu gewinnen. Das war am Rande einer Nötigung für den Macher Glos, der natürlich wußte, dass er auf dieser Position draußen war aus den Runden der Macht, in denen die wirklich wichtigen Entscheidungen getroffen werden.

Sich aber heute als Opfer darzustellen von Kanzlerin einerseits und Parteichef Seehofer andererseits, die ihm beide in der Tat arg zugesetzt haben, ist nicht gerechtfertigt. Im Gegenteil. Ein Mann mit den Fähigkeiten von Michael Glos hätte alle Möglichkeiten gehabt, dem Amt des Wirtschaftsministers wieder neue Bedeutung und Wertigkeit zu verschaffen, in Zeiten einer großen Wirtschaftskrise allemal. Statt diese Chance zu nutzen, zog er sich beleidigt zurück, als die Kanzlerin statt seiner den SPD-Mann Steinbrück zu ihrem Vertrauten machte. Und gleichzeitig die Sticheleien Seehofers zunahmen. Mit Glos hat das Bundeswirtschaftsministerium auch die letzten Ansprüche auf seine einstige Rolle als Hüterin unserer marktwirtschaftlichen Verfassung verloren. Eine desaströse Bilanz – und die schwerstmögliche Hypothek, die er seinem Nachfolger aufbürden konnte.

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