Diverses Goethes Experimente des Seins

Er initiierte neue Formen, vertraute auf ungewöhnliche Perspektiven und strebte nach der Entdeckung des Unentdeckten: Johann Wolfgang von Goethe. Der Nachwelt hat er Großes hinterlassen, seine Arbeiten als Dichter und Theaterintendant sind auch 175 Jahre nach seinem Tod wegweisend für die deutsche Literatur. Seine Experimentierfreudigkeit machte ihn nun zum Patron der Ruhrfestspiele Recklinghausen.

Nie zuvor gab es bei den Ruhrfestspielen so viele Ur- und Erstaufführungen, theatralische Versuche und szenische Experimente wie in diesem „Goethe-Jahr“. Besonderes Highlight: Goethes Stück „Die Leiden des jungen Werthers“, das am 17. Mai im Großen Haus in Recklinghausen Premiere feiert. Regisseur Jan Bosse und Dramaturgin Andrea Koschwitz wollen mit ihrer Inszenierung die Wurzeln des Wertherschen Leidens ausmachen. „Wenn wir uns selbst fehlen, fehlt uns doch alles“ bekennt der junge Werther im Stück.

Das Publikum erlebt den Werther in seinem Element: Seine eigene Unzulänglichkeit wird ihm zur ständigen Qual. Auch die Liebe zu Lotte kann ihn nicht retten, denn sie ersetzt nicht, was Werther sich selbst nicht geben kann. Seine mangelnde Selbstachtung treibt ihn schließlich in den Selbstmord. Damals wie heute: die existenzielle Krise des Goethschen Werthers, der sich selbst Fragen stellte, sie nicht zu beantworten wusste und daran verzweifelte, treibt die Menschen um. Die Inszenierung des Maxim Gorki Theaters Berlin mit Hans Löw, Fritzi Haberlandt und Roland Kukulies, sucht sich diesen Fragen zu nähern.

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Die Sinnfrage stellt sich auch Faust – „Der Tragödie erster Teil“, eine Inszenierung des Schauspielhauses Hamburg, wird ab dem 6. Juni vier Mal in Recklinghausen aufgeführt. Auch dieses Meisterwerk Goethes, stellt die Welt auf den Kopf: Der hohe Doktor Faust stößt an die Grenzen seiner Wissenschaft und droht, daran zu verzweifeln. Listig nimmt Mephisto, ein teuflisches Wesen, das alter ego des Doktors, dessen Schicksal in die Hand.
Die Hamburger Inszenierung, ebenfalls unter der Regie von Jan Bosse, sowie Edgar Selge in der Rolle des Faust und Joachim Meyerhoff als Mephisto, präsentiert dem Publikum einen Faust, der, frei von jeglichem Anspruch an Moral, seine Seele offenbart.

Einen eigenen Abend für die große Frauen der Goethschen Stücke, widmen die Ruhrfestspiele der großen Frau des deutschen Films, Hannelore Elsner. Am 24. Mai wird das künstlerische Experiment „Konntest mich mit einem Blicke lesen“ im kleinen Theater der Ruhrfestspiele uraufgeführt, mit Elsner in der Rolle der Lotte. Allein auf der Bühne, stellt sich die Schauspielerin der Konfrontation mit dem zeitlosen Raum. Sie schlüpft in die Rolle der Lotte; der Lotte in Weimar und der Lotte heute. Regie: Frank Hoffmann.

Nach über dreißig verschiedenen Theaterstücken, Lesungen und Konzerten enden die Ruhrfestspiele am 16. Juli mit einem großen Open Air Konzert von Gianna Nannini und Band im Recklinghausener Stadtgarten. Nannini steht seit mehr als drei Jahrzehnten auf der Bühne. Lieder wie „Bello e impossibile“, „Sei nell’anima“ und „Un’estate italiana“ machten sie weltberühmt.

Eintrittskarten zu den Veranstaltungen kosten zwischen 8,50 und 34,50 Euro. Reservierungen sind telefonisch unter 02361 92180 oder im Internet möglich.
www.ruhrfestspiele.de

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