Diverses Göttin im Schwebezustand

Heute vor genau 50 Jahren, am 6. Oktober 1955, erschütterte der französische Automobilhersteller Citroén auf dem Pariser Salon die damalige Autowelt. Und das gleich mehrfach: Das Design seines neuesten Coups, der DS (ausgesprochen Déesse, französisch für Göttin), war dem damaligen Stilempfinden um mindestens 20 Jahre voraus. Selbst bei Produktionsende im Jahr 1975 und nach 1,4 Millionen gebauten Exemplaren war das Auto immer noch modern.

So beschrieb der französische Literaturwissenschaftler Roland Barthes das Futuromobil als ein Objekt, das „aus einer anderen Welt hinab gestiegen“ ist. Nahtlose Plastik- und Glasflächen, Einspeichenlenkrad sowie die aerodynamische, kühlerlose Front vermittelten dem Piloten Jahre vor der ersten Mondlandung das Gefühl, sich spacemäßig und losgelöst von den damaligen überwiegend schlechten Straßenverhältnissen zu bewegen.

Zu diesem Gefühl trug im Wesentlichen die hydropneumatische Federung bei. Nur so viel zur Technik: Ein mittels Hochdruckhydraulik komprimiertes Gas übernahm die Federarbeit so perfekt, dass es zum Maßstab aller Autobauer wurde. Als Abfallprodukt lieferte die Hydraulik die Energie für Servolenkung sowie die Schaltung mit automatischer Kupplungsbetätigung gleich mit. Eine Revolution. Nur Kleingeister erinnern an die steten Schäden mit Ölverlusten der Hydraulik.

Anzeige

Doch wenn sie funktionierte, lieferte sie exzellente Arbeit. Die Federung bügelte alles glatt, sie ließ solche Dinge wie Schlaglöcher, Kanaldeckel oder andere Unebenheiten völlig vergessen. Bedingt durch den langen Radstand – die Räder saßen an den äußersten Ecken der Karosserie – sowie den Frontantrieb hatte die Göttin eine exzellente Straßenlage. Zahlreiche Rallye-Siege zeugten von der Überlegenheit des futuristischen Fahrwerk-Konzepts.

Wie bei jeder Göttin der Antike menschelte es auch bei der Déesse. Ein Schwachpunkt: Der zähe 1,9-Liter-Vierzylinder mit 75 PS riss selbst für die damalige Zeit keine Bäume aus. Doch das ist nur eine Petitesse, ein kleiner Kratzer am Bild der Göttin. Alles, in allem schwebte sie über ihren Zeitgenossen.

So sehr, dass sich Starfotografen wie Henri Cartier-Bresson oder Helmut Newton der Autoschönheit annahmen und sie ins rechte Bild setzten. Am 9. Oktober 2005 präsentieren sich in Paris 1000 DS in einem Autokorso auf der Champs-Elysées. Ein Triumphzug der Schönheit.

www.dsjubile2005.org

< ?

Hinterlassen Sie einen Kommentar

(Kommentare werden von der Redaktion montags bis freitags von 10 bis 18 Uhr freigeschaltet)

Bitte beantworten Sie die Sicherheitsabfrage (Anti-Spam-Schutz): *Captcha loading...