Diverses Grammer baut um

Die Krise hat Deutschlands Autozulieferer hart getroffen. Der bayerische Sitzhersteller Grammer AG sparte eisern, speckte kräftig ab und suchte sich neue Märkte. Nun melden die Amberger die ersten Erfolge.

Die bayerische Grammer AG, die Kopfstützen, Mittelkonsolen und Lkw-Sitze herstellt, hat die Krise weitgehend verdaut. Vorstandschef Rolf-Dieter Kempis hat jetzt die aktuelle Bilanz des börsennotierten Mittelständlers vorgestellt: Zwar haben die Amberger auch im vergangenen Jahr krisenbedingt keinen Gewinn erwirtschaftet – beim Konzern-EBIT lief ein Verlust von knapp 24 Millionen Euro auf. Doch nachdem die Nachfrage nach Pkw und Nutzfahrzeugen in den ersten neun Monaten des vergangenen Jahres um mehr als 34 Prozent eingebrochen war, hat sich das Automobil-Geschäft im vierten Quartal „wieder spürbar belebt“, sagt Kempis. 2010 will Grammer schon wieder schwarze Zahlen schreiben, der Umsatz soll um fünf bis acht Prozent zulegen.

Die Trendwende hat mehrere Ursachen. Dass die Autobranche, die immer noch für rund zwei Drittel des Grammer-Umsatzes sorgt, sich leidlich erholt hat, ist nur ein Grund. „Die Industrie liegt weiter 15 Prozent unter dem Vorkrisen-Niveau“, sagt Kempis. Der Mittelständler hat auch zusätzliche Aufträge von Autobauern an Land gezogen. Und: Grammer hat in der Krise die Kosten gesenkt – und zwar dramatisch: Das Unternehmen baute mehr als 2500 Stellen ab, schloss Produktionsstätten und trimmte die Arbeitsabläufe auf „Lean Management“. „So haben wir die Gewinnschwelle dramatisch gesenkt“, sagt Kempis. Das heißt: Inzwischen verdient das Unternehmen schon bei einem viel niedrigeren Umsatz Geld.

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Erfolg mit Sitzen für Mini-Traktoren

Gleichzeitig haben Kempis und sein Finanzvorstand Alois Ponnath die Eigenkapitalquote hoch gehalten – sie liegt trotz Krise immer noch bei rund 30 Prozent. „Und das ist durchaus respektabel“, sagt Firmenchef Kempis. Jedenfalls genügte die Quote, um Mitte März von einem Bankenkonsortium eine neue mittelfristige Kreditlinie von 110 Millionen Euro zu bekommen – Laufzeit: Drei Jahre.

Mit dem Geld will Grammer den Liquiditätsbedarf für neues Wachstum decken und unter anderem in die Modernisierung des Entwicklungszentrums am Stammsitz in Amberg investieren. Neuer Umsatz soll künftig auch aus anderen Branchen außer dem Lkw- und Pkw-Bau kommen. Grammer stellt auf der Schiffsmesse „Interboot“ im September den nach eigenen Angaben weltweit ersten gefederten Motorbootsitz vor. Und in den USA verkaufen die Amberger längst erfolgreich Sitze für Mini-Traktoren und Profi-Rasenmäher, die zum Beispiel auf Golfplätzen zum Einsatz kommen.

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