Diverses Grenzen des Wachstums

Deutschland im Aufschwung. Arbeitsmarktreformen und Konjunktur haben die Zahl der Erwerbstätigen deutlich steigen lassen. Der positive Trend wird sich auch 2007 fortsetzen. Doch die guten volkswirtschaftlichen Zahlen verbergen die Achillesferse des Wachstums - den Fachkräftemangel.

Ein Beispiel: Im Dezember wies der Verband Deutscher Ingenieure auf 22.000 Vakanzen hin – in nur acht Monaten ein Zuwachs von über 22 Prozent. Je qualifizierter die nachgefragten Arbeitskräfte, desto folgenreicher ihr Fehlen. Um dieses Defizit auszugleichen, werden bessere staatliche Rahmenbedingungen nicht ausreichen. Hier ist unternehmerisches Handeln gefordert. Denn es kommt noch schlimmer – und wer sich dann allein auf den Staat verlässt, wird einen teuren Preis zahlen müssen.

2007, und damit früher als erwartet, wird die weiterhin gute Konjunktur den Mangel an qualifiziertem Personal noch deutlich verschärfen. Die Wirtschaft wird mehr gute Leute brauchen, doch die Besten machen sich auf und davon. Rund 145.000 Deutsche gingen vergangenes Jahr gen USA, Australien, Kanada und Skandinavien – der Arbeit wegen. Denn für Maurer, Installateure oder Schlosser – oder schon bald auch für Metall- oder Chemiefacharbeiter – gilt: In der globalisierten Ökonomie folgen vor allem die qualifizierten Arbeitskräfte dem mobilen Kapital und suchen ihre Chancen jenseits der Grenzen. Diese Migrationsentwicklung wird erst gestoppt, wenn Arbeitsbedingungen, Steuerlast und Löhne hierzulande wieder dem Konkurrenzdruck des Auslands standhalten.

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Weitere Faktoren, die zum Fachkräftemangel beitragen, sind die Defizite bei Bildung und Ausbildung. Hier zeigen sich jedoch bereits positive Tendenzen: verkürzte Studiengänge, veränderte Lehrerausbildung, mehr Berufsakademien. Gleichwohl reicht dies nicht aus, um die jahrelangen Versäumnisse auszubügeln, schon gar nicht, um den kurzfristig anfallenden Bedarf zu decken. Um schnellstmöglich genügend junge Menschen für qualifizierte Tätigkeiten auszubilden, ist, wie so oft, private Initiative gefragt.

Wie unternehmerisches Handeln angesichts der wachsenden Herausforderung aussehen kann, zeigt etwa Energieversorger Eon. 40 Millionen Euro investiert der Konzern in ein neues Forschungsinstitut für Energietechnik und -wirtschaft an der RWTH Aachen, fünf Professorenstellen inklusive. Die Studenten, die hier ihr Studium beginnen, werden nach dem Abschluss zur Welt-Elite der Wissenschaft gehören.

So vorbildlich handeln jedoch nicht nur Großunternehmen. In Mecklenburg-Vorpommern setzte Hermann-Josef Taterra, Inhaber der Eisengießerei Torgelow, eine eigene Berufsschulklasse durch, damit die Schüler nicht zum Blockunterricht nach Thüringen müssen. Und in Schleswig-Holstein finanziert jüngst der IT-Dienstleister B+M einen Programmier- und Strategiewettbewerb der Universität Kiel, um Schüler aus der Region für Mathematik und ein Informatikstudium zu begeistern.

Klar ist, dass sich Unternehmer in Bildungsbelangen nicht mehr darauf verlassen (können), dass es der Staat schon irgendwie richtet. Vielmehr muss ihr Ziel sein, den Staat nicht alleinzulassen, sondern in ihrer unmittelbaren Umgebung Verantwortung zu übernehmen. Davon werden ganz sicher die jungen Leute profitieren. Am meisten aber die Unternehmer selbst.

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