Diverses Große Freiheit

Sommer, Sonne und ein Cabrio. Braucht es mehr, um glücklich zu sein? Die Unternehmerin Annette Roeckl hat den neuen Bentley getestet und kennt die Antwort.

Handarbeit ist Annette Roeckls Metier: Bereits in der sechsten
Generation steht ihr Familienname für edle Lederhandschuhe
und Accessoires. Mit kostspieligem Design kennt sich die 39-
Jährige aus. Doch was heute aus Blech und Leder vor ihr steht
und glänzt, ist auch für sie außergewöhnlich: Bentleys neuestes
Cabrio, der Continental GTC.

Zweieinhalb Tonnen Luxus pur. Ein einzigartiger Platz an der
Sonne – für 200.000 Euro aufwärts. „Was für ein Anblick.“ Die
Unternehmerin ist begeistert.

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Der Continental ist eines der schönsten Cabrios der Welt. Doch
zum Glück gibt es nicht nur sündhaft teure Automobile für
einen hohen Spaßfaktor im Sommer. Cabrios sind Deutschlands
neue Leidenschaft, seit faltbare Stahlhauben das offene Fahren
auch für reine Erstwagen-Besitzer bezahlbar machen. impulse
präsentiert die interessantesten neuen „Oben-ohne“-Varianten
dieses Frühjahrs.

Der Bentley ist verführerisch. Männer würden wohl zuerst den
blitzblank geputzen Zwölfzylinder unter der Motorhaube
genießen. Annette Roeckl entscheidet sich für das Interieur:
„Das sind reine Ziernähte, perfekt verarbeitet“, freut sich die
Lederexpertin und streichelt über Cockpit und Armaturenbrett.
„Schöne Stichführung. Und die Übergänge sind genau in der
Linie.“ Das Luxus-Cabrio aus dem britischen Crewe verfügt
zwar über Volkswagen-Gene, seit die Wolfsburger den
angeschlagenen Autobauer 1998 gekauft haben. Dennoch
strahlt die dunkelblaue, mit zehn beige und blau lackierten
Rinderhäuten ausgeschlagene Yacht auf vier Rädern den Geist
des britischen Empire aus.

Operngefühl wie in Verona

Sie spürt, schwärmt die Unternehmerin, dass hier mit Liebe
zum Detail gearbeitet wurde. Von Hand natürlich – und mit
geradezu altmodisch viel Zeit. „Das macht Perfektion aus.“

Als sie mit dem wuchtigen Zündschlüssel das Auto zum Leben
erweckt, erklingt Klassik aus einer Zwölf-Kanal-Highend-Anlage
mit sagenhafter Rundum-Beschallung. Da wird die Straße zur
Arena von Verona. Dass dieser zeitlose Wagen unter der
Oberfläche voll modernster Elektronik steckt, will anfangs gar
nicht in das klassische Bild des roya­en Begleiters passen. Die
vielen Schalter und Drehknöpfe verwirren: Wie lässt sich der
Sitz verstellen? Wo die Lautstärke? Die Münchnerin nimmt’s
mit Leichtigkeit, in so einem Auto ist Hektik ein Tabu.

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Das Dach ist leichter zu öffnen als erwartet. Ein zierlicher
Knopf, kurz gedrückt, und die wuchtige Stoffkonstruktion faltet
sich in wenigen Sekunden unter die lederne Ablage. „Die
Linienführung der Karosserie ist auch bei geöffnetem Dach
fantastisch“, lobt die Unternehmerin. Nur den Kofferraum
bekommt sie nicht gleich auf: „Ich habe es nicht so mit
Bedienungsanleitungen, ich mag nicht suchen müssen.“
Schließlich findet sich der Mechanismus. Er ist stilecht im
Bentley-Emblem auf der Kofferraumklappe versteckt.

Der Startknopf liegt direkt neben dem Automatik-Wahlhebel.
Nach einem kurzen Druck brummelt die gewaltige Biturbo-
Maschine entspannt im Leerlauf. Roeckl zirkelt
den Fünf-Meter-Boliden zügig durch die schmal gewundene
Ausfahrt in die Straßen der bayerischen Hauptstadt.
Ausgestattet mit den wichtigsten Utensilien an diesem
sonnigen Frühjahrstag: etwa den dunkelroten Cabrio-
Handschuhen aus Peccary-Leder, den teuersten im Sortiment
des Münchner Traditionshauses. „Sie sollen ja auch zum Auto
passen“, sagt Roeckl. Und natürlich zum Haartuch aus der
aktuellen Kollektion, das sie ebenfalls angelegt hat. Niemals,
lobt die Modeexpertin, wirke der Wagen aufdringlich: „Der
Bentley hat einen angenehm subtilen Stil, ein Luxus, der nie
protzig wirkt.“

Luxusliner auf Kurs

Die inneren Werte allerdings haben es in sich. Dass die Tachonadel die unglaubliche 300-Marke überschreitet, ist für den seriösen Gentleman aus britischer Produktion kein Problem.
Wahnsinn? „Ich fahre gerne schnell, aber nicht aggressiv“, erklärt Roeckl. Dass die Unternehmerin flott unterwegs ist,
zeigt sich auch bei der Ausfahrt an diesem Frühlingstag. Die ersten beiden Ampeln nimmt sie locker bei Gelb. „Rasen und Drängeln sind nicht meine Sache“, beteuert sie. Doch als der
Münchner Stadtverkehr ihr und dem Bentley zum ersten Mal ein wenig Luft lässt, tritt sie beherzt aufs Gas. Der Bentley zieht
an, braucht den Vergleich mit dem Sportler nicht zu fürchten.
Nur die nächste rote Ampel kann ihn stoppen.

Das Zwischenfazit der Firmenchefin: „Der Motorsound ist
super.“ Die Ampel springt wieder auf Grün – und es piepst im
Auto. Denn die Einparkhilfe meldet nicht nur Blumenkübel, die
das schöne Blech gefährden könnten, sondern auch respektlos
drängelnde Hintermänner. Die Geschäftsfrau lässt sich nicht
aus der Ruhe bringen. Entspannt lehnt sie im Ledersessel, lenkt
den Luxusliner lässig mit rechts durch den Münchner
Nachmittag.

Auf der A8 Richtung Starnberger See kann der Motor dann
endlich sein Können beweisen. „Dürfen wir jetzt?“, fragt Roeckl
nach einigen Kilometern Tempobegrenzung. Das Gaspedal
senkt sich. Der Bentley schaltet zurück, der Motor brummt
gedämpft und beschleunigt das rollende Wohnzimmer bei 4.000
Touren mühelos auf Tempo 190. Der Geräuschpegel bleibt auf
dem Niveau einer Teestube. Dazu passt der dick gepolsterte
Dachhimmel aus beigefarbenem Wildleder, der mehr an einen
massiven Clubsessel als an ein schnödes Autodach erinnert.
Davon kann hier ohnehin keine Rede sein: Das Stoffverdeck
besteht aus drei Lagen, die alles Schlechte von den erlauchten
Insassen fernhalten.

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Zeit über das Geschäft zu reden: Die Firmenchefin hat vor drei
Jahren die Geschäftsleitung von ihrem Vater übernommen. Und
bringt derzeit den Familienbetrieb von 1839 auf Vordermann.
„Wir wollen auch jüngere Kundschaft ansprechen“, sagt die
gelernte Handelsfachwirtin. Der Bentley nimmt mittlerweile
wieder Kurs auf die City. Roeckl, so die Firmenchefin, soll von
der Handschuh-Manufaktur zum Modelabel avancieren.
Außerdem will sie mit der Firma im Ausland wachsen.

Neben den 23 Geschäften in Deutschland und Wien expandiert
das Unternehmen in Osteuropa und vor allem in Russland, wo
man die Luxusartikel aus München besonders zu schätzen
weiß. „Da boomt das Geschäft bereits.“ Zeit, um Luxusautos zu
testen, hat Annette Roeckl eigentlich gar nicht. Aber wer ist
schon so hart zu sich selbst.

Gebührender Abstand

Bentley ist für das majestätische Dahingleiten gebaut. Nicht
umsonst lässt sich auch die Queen in so einem Luxusgefährt
kutschieren. Und so lässt Annette Roeckl verträumt und
entspannt die Münchner Vorstadt an sich vorbeiziehen.
Normalerweise steuert sie einen 3er BMW Diesel mit
Allradantrieb. Der Gegensatz ist brutal. „Ein praktisches Auto,
auch für den Wochenendausflug in die Berge bestens geeignet.“

Natürlich kann sich ihr Kombi nicht mit diesem Fahrzeug aus
dem Olymp messen. Falls sie je ein Auto nur zum Spaß kaufen
sollte, sagt Roeckl, käme der Bentley aber durchaus in Betracht.
„Ein Jaguar gefällt mir auch sehr gut. Aber das Cabrio könnte
ich mir gut vorstellen.“ Erst recht, wenn es so gut zu den
Handschuhen passt. Zurück auf dem Roecklplatz nimmt sie den
Wagen noch einmal in Ruhe unter die Lupe.

Als sich ein Fiat Punto frech an der geöffneten Fahrertür
vorbeidrängelt, trifft ihn ein warnender Blick – Annette Roeckl
hat ihren Bentley richtig ins Herz geschlossen.

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