Diverses „Größe ist kein Maßstab für Erfolg“

Kartellamtspräsident Ulf Böge über Fusionen im Zeitalter der Globalisierung, hohe Energiepreise und ein erfolgreiches Kronzeugenprogramm.

Kartellamtspräsident Ulf Böge über Fusionen im Zeitalter der Globalisierung, hohe Energiepreise und ein erfolgreiches Kronzeugenprogramm.

impulse: Herr Böge, Sie gehen Anfang nächsten Jahres nach sieben Jahren an der Spitze des Bundeskartellamts in den Ruhestand. Hat es in dieser Zeit eine Entscheidung gegeben, die Sie aus heutiger Sicht lieber zurücknehmen würden?

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Böge: Am ehesten fallen mir Entscheidungen zur Energiewirtschaft ein. Hier haben wir – gemeinsam mit der EU-Kommission – im Jahr 2000 zugelassen, dass die schon relativ großen Unternehmen Veba und Viag zu Eon fusionieren konnten und RWE die VEW übernehmen durfte. Der Zustimmung lagen Prognosen über Richtung und Tempo von Marktentwicklungen zu Grunde, die sich nicht so eingestellt haben.

Hätten Sie diese Informationen gehabt, würde es die Großkonzerne RWE und Eon so nicht geben?

Schon damals habe ich gesagt, dass wir mit der Erlaubnis zur Fusion einen Scheck auf die Zukunft ziehen. Wir ­erwarteten nämlich, dass es zu einer schnellen Marktöffnung kommen und Wettbewerb aus dem Ausland einsetzen würde. Beides ist so nicht eingetroffen. Ich möchte allerdings nicht so weit gehen und sagen, wir hätten die Fusionen untersagt, denn mit der Genehmigung sind die Überkreuzverflechtungen der Unternehmen beseitigt worden.

Aber ist es nicht im deutschen Interesse, dass hiesige Unternehmen im immer schärferen globalen Wettbewerb auch mächtiger und größer werden dürfen?

Wir haben eine ganze Reihe von Fusionen, die jeder Kartellrechtler und jeder Ökonom für richtig hält, weil sie eine vernünftige Reaktion auf weltweite ­Entwicklungen sind. Unternehmens­zusammenschlüsse haben schließlich auch positive volkswirtschaftliche Wirkungen, als sie veraltete und verkrustete Strukturen aufbrechen helfen. Gegen Fusionen ist also überhaupt nichts einzuwenden, solange durch sie keine marktbeherrschende Stellung entsteht.

Das vollständige Interviewkönnen Sie in der impulse-Ausgabe 06/2006, Seite 36, nachlesen.

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