Diverses „Größere Wettbewerbsfähigkeit zum Nulltarif“

Interview mit Professor Klaus North von der FH Wiesbaden. Er ist Mitglied der Jury des Preises Wissensmanager des Jahres und Gründungspräsident der Gesellschaft für Wissensmanagement.

Nach dem vierten Wettbewerb um den Wissensmanager des Jahres – welche Trends bei den Bewerbungen fallen Ihnen auf?

North: Im Vergleich zur ersten Runde 2002 gehen die Unternehmen jetzt sehr viel professioneller mit dem Thema Wissensmanagement um. Anfangs erhielten wir viele Bewerbungen von Firmen, die eher eine Art Informationsmanagement, also zum Beispiel schlicht Datenbanklösungen, vorzuweisen hatten. Jetzt zeigen die Bewerber ein deutlich tieferes Verständnis.

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Wie drückt sich das aus?

Die Firmen begreifen Wissensmanagement als wichtige Ressource, für sie ist es ein Teil der Unternehmenskultur.

Das heißt konkret?

Wissensmanagement kann nur dann funktionieren, wenn die Mitarbeiter erstens motiviert sind, ihr Wissen weiterzugeben, und dieser Prozess zweitens im Geschäftsalltag verankert ist. Für immer mehr Unternehmen ist Wissensmanagement ein Teil ihres Geschäftsmodells.

Haben Sie dafür ein Beispiel?

Beim Sieger 2006, der Firma Town & Country, ist Wissensmanagement sozusagen allgegenwärtig. Das Unternehmerehepaar Dawo versteht, dass ihr Franchisenetzwerk nur mit systematischer Weitergabe von Wissen erfolgreich arbeiten kann.

Warum setzen Sie sich so vehement für besseres Wissensmanagement ein?

Weil in vielen Firmen ungenutzte Potenziale schlummern, die sich mit diesem Instrument heben lassen. Das Wissen von Mitarbeitern und Marktpartnern für alle im Unternehmen zugänglich zu machen erfordert gar keine teuren Investitionen in Software oder ähnliches. Daher bietet intelligentes Wissensmanagement die große Chance, mit wenig Aufwand die Wettbewerbsfähigkeit eines Unternehmens entscheidend zu verbessern.

Wie viele Unternehmen nutzen diese Chance, wie viele haben noch Nachholbedarf?

Fundierte Zahlen existieren nicht. Meine Schätzung lautet: Zwei Drittel der deutschen Unternehmen agieren noch in der Amateurliga, ein Drittel bewegt sich in Richtung Profiliga, davon geht vielleicht die Hälfte bereits professionell mit dem Thema um.

In welcher Liga spielen die mittelständischen Unternehmen?

Es hat sich herumgesprochen, dass Wissensmanagement nicht nur etwas für große Unternehmen ist. Auch in der Topliga tauchen immer mehr Mittelständler auf.

Warum sind sie nicht in der Mehrheit, wie es ihrer Gesamtzahl entsprechen würde?

Offenbar verschleißen sich viele Unternehmer im Tagesgeschäft und haben daher den Kopf nicht frei für neue Ideen.

Wie können mittelständische Firmen mit möglichst einfachen Mitteln testen, wo sie derzeit stehen?

Es gibt drei Prüffragen, die darüber viel verraten. Erstens: Welche Kompetenzen erwarten unsere Kunden von uns in drei Jahren und was tun wir, um diese Kompetenzen systematisch auszubauen? Zweitens: Worin liegen unsere Stärken und was müssen wir tun, um sie auszubauen? Drittens: Was machen unsere Mitbewerber besser als wir und was lernen wir daraus? Wer diese Fragen schlüssig beantworten kann, hat sein Unternehmen in punkto Wissensmanagement gut aufgestellt.

Literatur:

Wissensorientierte Unternehmensführung

Klaus North

Gabler-Verlag

(4. Auflage)

Preis: 36.90 Euro

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