Diverses Größte Pleitewelle der Nachkriegszeit

Mit der größten Pleitewelle der Nachkriegszeit haben im ersten Halbjahr 2002 insgesamt 134.000 Menschen ihren Arbeitsplatz verloren. Rund 18.500 Unternehmen mussten in den ersten sechs Monaten den Gang zum Insolvenzrichter antreten, berichtete das Statistische Bundesamt in Wiesbaden.

Mit der größten Pleitewelle der Nachkriegszeit haben im ersten Halbjahr 2002 insgesamt 134.000 Menschen ihren Arbeitsplatz verloren. Rund 18.500 Unternehmen mussten in den ersten sechs Monaten den Gang zum Insolvenzrichter antreten, berichtete das Statistische Bundesamt in Wiesbaden. Das sind 14 Prozent
mehr als im Vorjahr. Bei den Privatpersonen gab es ebenfalls mit 9.900
Pleiten ein deutliches Plus von 45 Prozent. Allerdings spielen hier
Gesetzesänderungen eine Rolle.

Für das Gesamtjahr prognostiziert die Wirtschaftsauskunftei
Creditreform 40.000 Firmenpleiten – 23 Prozent mehr als 2001. Die
Zahl der Privatinsolvenzen soll sich mit 30.000 mehr als verdoppeln.
Der Pleiterekord werde 600.000 Arbeitsplätze vernichten und einen
gesamtwirtschaftlichen Schaden von 45 Milliarden Euro verursachen.

Anzeige

Als Hauptursache für die Unternehmensschieflagen gilt neben der
Konjunkturflaute die unzureichende Finanzierung der Mittelständler.
Diese Firmen mit einem Umsatz zwischen 0,5 bis 25 Millionen Euro
haben im Durchschnitt nur eine geringe Eigenkapitalquote von sieben
Prozent, hat der Deutsche Sparkassen- und Giroverband errechnet. Bei
Kleinstbetrieben (Umsatz unter 500.000 Euro) liegt diese sogar nur
bei drei Prozent. Der über alle Unternehmensgrößen hinweg geltende
Durchschnittswert beträgt dagegen 17 Prozent.

Der sprunghafte Anstieg der Privatpleiten hängt dagegen mit
Gesetzesänderungen zusammen. Bislang wurde bei mittellosen Personen
erst gar kein Insolvenzverfahren eröffnet, weil sie die Kosten dafür
nicht aufbringen konnten. Seit diesem Jahr können diese Zahlungen
gestundet werden. Zeitgleich gab es noch weitere Erleichterungen für
die Schuldner. Daher hatten viele Verbraucher den Antrag auf das Jahr
2002 hinausgezögert.

Ähnliche Gesetzesänderungen betreffen auch die 10.100 Fälle von
Insolvenzen der Rubrik „andere natürliche Personen“ in den ersten
sechs Monaten. Dies sind Unternehmer, die bereits vor dem
Insolvenzantrag ihre betriebliche Tätigkeit eingestellt hatten. Hier
sind die Änderungen in den Vorschriften so weit reichend, dass die
Statistiker keine Vergleichszahl aus 2001 nennen können. Die Zahl der
Nachlassinsolvenzen fiel mit 1.200 Fällen ein Prozent niedriger aus. (dpa)

Hinterlassen Sie einen Kommentar

(Kommentare werden von der Redaktion montags bis freitags von 10 bis 18 Uhr freigeschaltet)

Bitte beantworten Sie die Sicherheitsabfrage (Anti-Spam-Schutz): *Captcha loading...