Diverses Größte US-Sparkasse fällt der Finanzkrise zum Opfer

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Die US-Finanzkrise erreicht einen neuen Höhepunkt: Die größte Sparkasse des Landes - die Washington Mutual - ist zusammengebrochen. Sie hatte im Zuge der Immobilienkrise mehr als 90 Prozent ihres Börsenwerts eingebüßt. Und zuletzt verfügte sie nicht mehr über ausreichend Liquidität. Jetzt übernimmt J.P. Morgan Chase Teile der Bank - Experten beurteilen die Rettungsaktion kritisch.

Größte Banken-Pleite der US-Geschichte: Die einst führende amerikanische Sparkasse Washington Mutual ist unter den Lasten der Kreditkrise zusammengebrochen. In einem Notverkauf wird sie zu weiten Teilen vom Finanzkonzern J.P. Morgan Chase übernommen, wie die US-Sparkassenaufsicht in New York mitteilte.

Inmitten des politischen Tauziehens um das staatliche Milliarden-Rettungspaket für die Bankenbranche hat die Finanzkrise damit einen neuen dramatischen Höhepunkt erreicht. J.P. Morgan Chase, die drittgrößte US-Großbank, zahlt 1,9 Milliarden Dollar für die von Washington Mutual (WaMu) übernommenen Einlagen und Filialen. Die Sparkasse mit Sitz in Seattle (US- Bundesstaat Washington) erlitt in der Kreditkrise Milliardenverluste. Sie büßte in diesem Jahr mehr als 90 Prozent ihres Börsenwerts ein.

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Kunden in Panik: 16,7 Milliarden Dollar an Guthaben abgehoben

Die Washington Mutual habe keine ausreichende Liquidität mehr gehabt, so die US- Sparkassenaufsicht OTS (Office of Thrift Supervision). Das Institut wurde deshalb zunächst unter staatliche Kontrolle gestellt. Der anschließende Verkauf an J.P. Morgan habe keine Auswirkungen für die Kunden und deren Einlagen von knapp 190 Milliarden Dollar. Die Filialen würden am Freitag wie gewohnt ihre Türen öffnen. Aktionäre und Gläubiger der Sparkasse gehen allerdings den Angaben zufolge leer aus.

Die Sparkasse hatte sich während des Immobilienbooms massiv auf dem Hypothekenmarkt engagiert und verhoben. Zuletzt fielen der Aufsicht zufolge in drei Quartalen hintereinander insgesamt 6,1 Milliarden Dollar Verlust an. Verschärft wurden die Probleme durch den Kurssturz der Aktie und eine Herabstufung durch Ratingagenturen auf „Schrott“-Niveau. Am Schluss wurde die Lage lebensbedrohlich: In den vergangenen zehn Tagen hätten Kunden scharenweise insgesamt 16,7 Milliarden Dollar an Guthaben abgehoben, so die Aufsicht.

Dank der Übernahme werde der Einlagensicherungsfonds der Branche durch den Zusammenbruch nicht belastet, teilten die Behörden mit. Sonst hätte dies laut Analysten über 20 Milliarden Dollar gekostet. Die US-Sparkasse hatte zuletzt eine Bilanzsumme von mehr als 300 Milliarden Dollar. Bei der zuvor größten US-Bankenpleite war im Jahr 1984 die Continental Illinois Corp. zusammengebrochen mit einem im Vergleich weit kleineren Vermögenswert von damals 40 Milliarden Dollar.

Krise noch längst nicht ausgestanden

Die Sparkasse beschäftigte zur Jahresmitte mehr als 43.000 Mitarbeiter in über 2.200 Zweigstellen verteilt auf 15 US-Bundesstaaten. Zuletzt strich die Washington Mutual tausende Stellen und kürzte das Geschäft mit Hauskrediten radikal. Wegen ihrer Probleme stand die Sparkasse bereits unter verschärfter staatlicher Aufsicht und hatte ihren Chef ausgewechselt. Erst vergangene Woche stellte sie sich selbst zum Verkauf. Mehrere Banken winkten aber Medienberichten zufolge ab. J.P. Morgan Chase übernahm im Zuge der Finanzkrise in diesem Jahr bereits die notleidende US-Investmentbank Bear Stearns.

Auch damals war der Staat am Zustandekommen des Geschäfts beteiligt. Der Finanzkonzern gab zudem bereits vor einigen Monaten ein Angebot für die Washington Mutual ab, blieb damals aber erfolglos.

Allein seit Anfang vergangener Woche fielen der Kreditkrise reihenweise große US-Finanzhäuser zum Opfer. Die Investmentbank Lehman Brothers meldete Teilinsolvenz an und wird zerschlagen. Wettbewerber Merrill Lynch rettet sich in die Arme der Bank of America. Der Versicherungsriese AIG musste vom Staat durch einen Mega-Kredit vor dem Aus bewahrt werden und steht vor dem Verkauf weiter Konzernteile. Im laufenden Jahr war in den USA zudem bereits ein Dutzend kleinerer und mittelgroßer Banken zusammengebrochen.

Die jüngste Rettungsaktion wurde an der Wall Street zwiespältig aufgenommen. Der Kauf sei ein Zeichen der Stärke von J.P. Morgan Chase und damit positiv für den Finanzmarkt. Zugleich zeige die jüngste Notübernahme aber auch, dass die Kreditkrise noch lange nicht ausgestanden sei, so Experten.

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