Diverses Gunter Dueck – Aufbrechen!

Immer Büffeln: In Zukunft werden nur noch hoch qualifizierte Mitarbeiter gebraucht, schreibt Gunter Dueck und fordert: Abitur für alle.

Es ist gar nicht schlimm, wenn die
Jobs in der Industrie wegfallen. Die
wachsen dafür bei den Dienstleistern
doppelt und dreifach nach.
Irgendwie
beruhigend, der Gedanke.

Nur leider falsch, schreibt Gunter
Dueck. Eine Lebenslüge, um den wirklichen
Problemen auszuweichen. „Aufbrechen!“
nennt der Cheftechnologe von
IBM sein Buch und meint das Aufbrechen
verkrusteten Denkens ebenso wie den
Aufbruch in eine Wissensgesellschaft, in
der jeder Abitur und studiert hat.

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„Den Niedergang menschlicher Berufe
durch Automatisierung halten wir nicht
auf“, sagt der Autor. Er spricht nicht nur
von Bandarbeitern, die durch Roboter
ersetzt
werden. Sondern auch von Bankberatern
und Versicherungsvertretern,
deren Dienste bald niemand mehr
brauche.
Wer geht denn noch zur Bank,
um Geld zu überweisen? Wer stellt sich
bei einem Schalter der Deutschen Bahn
an, um eine Fahrkarte zu erstehen? Geht
alles viel einfacher im Internet. „Diese
Arbeiten werden zwar nach wie vor
verrichtet,
aber nicht von uns“, schreibt
Dueck. Sondern von Computern.

In den kommenden zwei Jahrzehnten
werde sich die Hälfte der Deutschen
einen
neuen Job suchen müssen. Entweder
eine schlecht bezahlte Aushilfstätigkeit
oder einen qualifizierten Job
mit gutem Lohn. Damit sich die Schere
nicht weiter öffnet, weiß Dueck nur eine
Lösung: eine bessere Bildung für alle
Gesellschaftsschichten.

Die Zukunft liegt für den Autor in
hochwertigen Technologien, die allerdings
lebenslange Weiterbildung und
Qualifizierung verlangten. Dafür brauche
es aber keine schlaueren Menschen,
sondern nur besseren Schulunterricht.
Wer kein fleißiger Stillsitzer sei, werde
vom jetzigen Bildungssystem leicht ausgesiebt,
sagt Dueck. Aber in der Ära des
Internets sei das „Ende der Kreidezeit“
gekommen. Zumindest wenn die Idee
des „Bildung ist kein Spiel und kein
Spaß“ ersetzt werden kann durch „Lernen
ist Freude am Neuen“.

Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg. Aber
von Aufbruchsstimmung sei hierzulande
nichts zu spüren, sagt Dueck. Es fehle an
konkreten, mitreißenden Zielen. Dueck
druckst herum, klammert sich ans Grundgesetz
und weiß selbst, wie wenig ein zusätzlicher
Passus dort brächte. Hier denkt
der Vordenker allerdings zu kompliziert.
Das Ziel, für das es zu mobilisieren gilt,
ist so simpel wie einprägend: „Abitur für
alle!“

Daten zum Buch
Titel: Aufbrechen! Warum wir eine Exzellenzgesellschaft werden müssen
Autor: Gunter Dueck
Verlag: Eichborn, 224 Seiten
Preis: 19,95 Euro

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