Diverses Haft statt Haftung

© Shutterstock

Unternehmer geraten immer häufiger ins Visier der Justiz – ohne dass sie die Gefahr ahnen. impulse zeigt, welche Rechtsschutzpolice hilft, wenn Strafverfolgung und Gefängnis drohen.

Alexander Ruzicka drohen mehrere Jahre Haft. Wegen Untreue in 86 Fällen steht der Ex-Werber der Agentur Aegis Media in Wiesbaden vor Gericht. Auch der ehemalige Chef der West LB muss wegen Manage­mentfehlern eine Strafe fürchten. Immer häufiger ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen Unternehmer und Manager. „Machen Unternehmenslenker Fehler, fordern die Firmen nicht nur Schadenersatz, die Staats­anwälte überprüfen schon fast standardmäßig, ob nicht auch Straftaten vorliegen“, bestätigt Lars Heitmann, Jurist und Experte für Manager- und Unternehmensschutz bei der Hamburger Funk-Gruppe, einem internationalen Versicherungsmakler.

Doch Firmenchefs und Geschäftsführer unterschätzen die Gefahr, von juristischen Auseinandersetzungen be­troffen zu sein, dramatisch. Nur ganze fünf Prozent fühlen sich gefährdet, dabei waren 62 Prozent aller Geschäftsführer in den letzten fünf Jahren in Rechtsstreitigkeiten ver­wickelt, so eine Studie der Roland Rechtsschutzversicherung.

Anzeige

Wer keine Vorsorge trifft, lebt gefährlich: „Zwei Policen sind für Un­ter­nehmer heute unerlässlich: eine Rechtsschutzversicherung und eine Vermögensschadenhaftpflicht“, rät Heitmann. Dabei kommt den Unternehmern zugute, dass insbesondere bei der teuren Haftpflicht die Beiträge zuletzt stark gesunken sind und die Leistungen ausgeweitet wurden.

Gerichtskosten absichern

Mit einer Rechtsschutzversicherung schützen sich Vorstände und Geschäftsführer, wenn ihnen Fehl­ent­scheidungen angelastet werden, vor den Kosten von Gerichtsverfahren, Rechtsanwälten und Gutachten – egal, ob privat- oder strafrechtlich. Die Kosten liegen zwischen 1.000 und 3.500 Euro für Gesamtpakete, die aus Straf-, Vermögensschaden- und Anstellungsrechtsschutz bestehen. „Zumindest Letztere sollten Firmenlenker jedoch privat abschließen, da es hier meist um Streitigkeiten über den eigenen Arbeitsvertrag geht“, empfiehlt Professor Martin Notthoff von der Kanzlei Göhmann aus Hannover.

Wenn die Geschäftsführer Fehler machen, steht nicht nur die Schuldfrage an, sondern es geht immer auch um Schadenersatz. Und der kann selbst bei mittelständischen Firmen in Millionenhöhe schnellen. Gefahr besteht vor allem dann, wenn die Firmen im Ausland tätig sind, weil dort oft ein härteres Haftungsrecht gilt. Zudem haftet der GmbH-Geschäftsführer wie der Vorstand einer AG für Schäden mit seinem Privatvermögen. „Um die Schäden zu er­setzen, brauchen Unternehmensführer eine Vermögensschaden-Haftpflichtversiche­rung“, so Notthoff. Diese sogenannte Directors and Officiers Liability, kurz D&O, schützt die Verantwortlichen vor finanziellen Folgen fahrlässig begangener Pflichtverletzungen. „Die D&O-Police ist wichtiger als der Dienstwagen und gehört beim Ein­stellungs­gespräch auf die Forderungsliste“, rät Notthoff.

Das sieht auch Dieter Schimming so. Er ist Leiter des Finanz- und Rechnungswesens bei der Edding AG, dem internationalen Filz- und Faserschreiberproduzenten. Schimming ist es im Gegensatz zu anderen Unternehmern nicht peinlich, dass er seine Handlungen mit einer D&O-Police absichert. „Vorstände, Geschäftsführer und Führungskräfte, die ohne diesen Schutz sind, schädigen das Unternehmen. Bei schnellen Entscheidungen darf der Manager nicht auch noch unter Haftungsdruck stehen“, sagt er.

Den D&O-Schutz gibt es jedoch nicht von der Stange. Die Bedingungen müssen ausgehandelt und an das Unternehmen angepasst werden. „Gute Policen zeichnen sich dadurch aus, dass sie über die grobe Fahrlässigkeit hinaus Versicherungsschutz gewähren“, erläutert Jochen Körner vom Großmakler Marsh aus Frankfurt/Main. Aktuell kommt den Firmen zugute, dass es einen intensiven Wettbewerb gibt. Viele Ausschlüsse sind gestrichen worden. So gewähren die Assekuranzen selbst jungen Unternehmen bei Insolvenz eine Nachhaftung von bis zu fünf Jahren.

D&O-Prämien sinken

Gleichzeitig sinken die Preise – um bis zu 30 Prozent. Zudem streichen viele Versicherungen die Eigenschäden. So müssen etwa Gesellschafter-Geschäftsführer, die 80 Prozent am Unternehmen halten, nicht mehr 80 Prozent des Schadens selbst tragen. Die Versicherer übernehmen nun
100 Prozent. „Das ist quasi eine Unternehmer-Vollkaskoversicherung“, freut sich der Düsseldorfer Makler Michael Hendricks. Wem das noch nicht reicht, der kann einzig bei Roland Rechtsschutz das sogenannte U-Haft-Package abschließen. Bei Inhaftierung benachrichtigt Roland Anwälte, beschafft Medikamente, holt den teu­ren Dienstwagen zurück. Und: Bis zu 300 Euro Haftentschädigung gibt es pro Tag obendrein – selbst wenn das Gericht ihn später schuldig sprechen sollte.

Hinterlassen Sie einen Kommentar

(Kommentare werden von der Redaktion montags bis freitags von 10 bis 18 Uhr freigeschaltet)

Bitte beantworten Sie die Sicherheitsabfrage (Anti-Spam-Schutz): *Captcha loading...