Diverses Handwerk pocht auf schnelle Konjunkturhilfen

Deutschlands Handwerker kommen nach eigener Einschätzung trotz Umsatzeinbußen und Jobabbau vergleichsweise glimpflich durch die Rezession. Dennoch macht sich Angst vor einem Sommerloch breit. Der Branchenverband fordert: Her mit den öffentlichen Aufträgen - und zwar schnell!

Die Betriebe würden 2009 rund zwei Prozent weniger umsetzen und 25.000 Arbeitsplätze verlieren, erklärte der Zentralverband des Deutschen Handwerks am Dienstag in Berlin. ZDH-Generalsekretär Hanns-Eberhard Schleyer appellierte an die Politik, die Konjunkturprogramme schnellstmöglich umzusetzen. Die öffentlichen Aufträge müssten rasch an die Betrieb gehen, um dort ein Sommerloch zu vermeiden. 2010 werde für das Handwerk schwierig bleiben, aber im Zuge der allgemeinen Erholung besser laufen als 2009.

Das vorwiegend binnenwirtschaftlich orientierte Handwerk spürt zwar die Krise, erlebt nach Schleyers Worten aber nicht so einen Einbruch wie andere Wirtschaftszweige. Exportorientierte Bereiche wie Autohersteller, Maschinenbauer und Chemieindustrie
befürchten in diesem Jahr bis zu zweistellige Umsatzrückgänge.

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Entsprechend litten auch handwerkliche Zulieferer für die Exportwirtschaft, sagte Schleyer. Zudem habe der harte Winter die Baubetriebe belastet, im Kfz-Gewerbe habe es nur dank der
Abwrackprämie für Altautos eine Belebung gegeben.

Sinkende Nachfrage drückt Preise

Nach einer Umfrage unter gut 25.000 Firmen verschlechterte sich im ersten Quartal zwar das Geschäftsklima zum Vorjahr, lag aber immer noch deutlich über dem Rekordtief des
Rezessionsjahres 2003. Fast zwei Drittel der Betriebe beurteilten ihre Lage noch als zufriedenstellend oder gut. Fast die Hälfte der Firmen rechne mit gleichbleibenden, rund ein
Fünftel mit steigenden Umsätzen. Die sinkende Nachfrage drücke allerdings die Preise und damit auch die Gewinnmarge. Deshalb hätten mehr als 40 Prozent der Betriebe ihre Investitionen gekürzt oder wollten dies in den kommenden Monaten tun.

Unterm Strich dürften in diesem Jahr 0,5 Prozent der rund 4,8 Millionen Arbeitsplätze in den 960.000 kleinen und mittelständischen Handwerksbetrieben wegfallen, sagte Schleyer.
Schon seit einigen Jahren sei es für die Betriebe schwieriger geworden, an Kredite zu gelangen. Zudem seien die jüngsten Leitzinssenkungen der Europäischen Zentralbank (EZB) noch nicht in der Wirtschaft angekommen. Dies stelle die kleinen und mittleren Firmen vor Probleme. „Die Situation bei den großen Unternehmen ist noch gravierender“, sagte er. Dies betreffe vor allem die langfristige Finanzierung.

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