Diverses Handwerk will Ein-Euro-Jobs abschaffen

Handwerksbetriebe leiden unter dem Wettbewerb mit staatlich geförderten Langzeitarbeitslosen, klagt Verbandspräsident Kentzler. Die Kommunen widersprechen zwar, aber auch der Bundesrechnungshof sieht falsche Anreize.

Das Handwerk fordert, Ein-Euro-Jobs abzuschaffen. „Geförderte Arbeit konkurriert mit regulär arbeitenden Unternehmen und schafft damit mehr Arbeitslosigkeit“, sagte Handwerkspräsident Otto Kentzler der „Welt“. „Immer wieder werden Ein-Euro-Jobs zur Durchführung handwerklicher Tätigkeiten genutzt, auch wenn dies eigentlich verboten ist.“

So entgingen dem Handwerk Aufträge und Arbeit. „In Zeiten eines sich verschärfenden Fachkräftemangels muss der jahrzehntelange Irrweg, Langzeitarbeitslosigkeit mit künstlicher Beschäftigung bekämpfen zu wollen, endlich verlassen werden“, forderte Kentzler.

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Die Kommunen stellten sich dagegen hinter die öffentlich geförderte Beschäftigung. Generalkritik an den Ein-Euro-Jobs sei nicht gerechtfertigt, sagte der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städte- und Gemeindebundes, Gerd Landsberg, dem Blatt. Viele der 320.000 Betroffenen seien froh, wenigstens vorübergehend eine Beschäftigung zu haben, die entlohnt wird. „Das gibt Selbstwertgefühl, selbst dann, wenn dadurch nicht unmittelbar der Weg in den ersten Arbeitsmarkt gefunden wird.“

Nach jahrelanger Kritik am angeblichen Missbrauch von Ein-Euro- Jobs hatte die Bundesagentur für Arbeit angekündigt, die Jobcenter künftig stärker in die Pflicht nehmen zu wollen. Beiräte sollen von 2011 an flächendeckend die Vergabe sogenannter Arbeitsgelegenheiten überwachen.

Hintergrund ist eine Mahnung des Bundesrechnungshof an die Arbeitsbehörde: Die Prüfer hatten festgestellt, dass nur die wenigsten geförderten Arbeitsgelegenheiten für Langzeitarbeitslose in eine dauerhafte Anstellung münden. Auch hätte mehr als die Hälfte der Förderungen gar nicht gewährt werden dürfen, weil sie dem Rechungshof zufolge gar keine zusätzliche Tätigkeit zum Wohle der Allgemeinheit seien, sondern in Konkurrenz zu anderen, nicht geförderter Unternehmen stünde.

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