Diverses Hat es sich ausgeboomt in Dubai?

Am Golf ist noch lange nicht Schluss, sagen die deutschen Zulieferer und strecken die Fühler in die Scheichtümer der Nachbarschaft aus.

Lange boomte die Immobilienbranche Dubais bis in den Himmel. Der Burj Tower, der im Januar als höchstes Gebäude der Welt eröffnet wird, ist der 818-Meter-Höhepunkt. Viele deutsche Mittelständler waren an dem Großbau beteiligt. Jetzt steckt das Emirat in Zahlungsschwierigkeiten. Die Burj-Zulieferer wurden alle bezahlt, fürchten also nicht um ihr Geld, sondern um den lukrativen Boom und schauen sich in der Nachbarschaft nach neuen Aufträgen um.

13 000 Türen wurden für den Wolkenkratzer mit Beschlägen aus Ennepetal bestückt. Griffe, Bänder, Schlösser – für die Firma Dorma aus dem Süden des Ruhrgebiets war der Auftrag aus Dubai ein riesiges, lukratives Geschäft. Der arabische Abnehmer sei immer ein zuverlässiger Zahlungspartner gewesen, sagt Dorma-Geschäftsführer Michael Schädlich. Das Geld kam immer pünktlich.

Anzeige

„Keine Probleme, alles im grünen Bereich“, meldet auch die Deutsche Kahneisengesellschaft, die Material für die Fahrstühle lieferte. Ebenso das Simonswerk aus Rheda-Wiedenbrück, das das Luxushotel des Towers mit Scharnieren und Türbändern ausstattete. Der Parkettlieferant Lopark spricht gar von einem gewaltigen Potenzial, das noch immer in der Region stecke.

Doch die aktuelle Entwicklung lässt viele Firmen zurückhaltender werden. Die akuten Zahlungsschwierigkeiten stehen dabei nicht im Zentrum der Sorge. Vielmehr sei die allgemeine Wirtschaftskrise auf dem Immobilienmarkt in Dubai spürbar, so Dorma-Geschäftsführer Schädlich. Aber man solle den Erfolg auch nicht kaputt reden. „Einige Projekte haben sich mittlerweile zeitlich nach hinten verschoben, stehen sozusagen ‚on hold’.“ Deswegen strecken die Ennepetaler bereits verstärkt ihre Fühler in andere Teile der Region aus, nach Abu Dhabi, Katar oder Saudi Arabien.

Ähnlich sieht es der Pfälzer KSB-Konzern. Dessen 69 Pumpen versorgen den Burj Tower mit bis zu 10 000 Tonnen Kältewasser pro Stunde. „Dubai hat bislang immer zuverlässig gezahlt. Aufgrund der Nachfrageschwäche versuchen wir aber unsere Aktivitäten auf andere Emirate auszuweiten“, sagt Wolfgang Schmitt, Sprecher des KSB-Vorstands. „Der Bauboom in Dubai hat eindeutig nachgelassen, aber das schon seit 2008.“

Aufträge: Aufgeschoben, nicht aufgehoben

Bei allen Negativberichten: Zahlungsausfälle gab es bisher nicht. Hinter dem Bau des Wolkenkratzers und diverser anderer Projekte steckt die Immobiliengesellschaft Emaar und nicht der gerade taumelnde Staatsfonds Dubai World. Für den Krisenfall haben die meisten Unternehmen aus Deutschland ohnehin mit Bankgarantien vorgesorgt.

„Von Anfang an haben wir sehr darauf geachtet, alle unsere Zahlungen durch entsprechende Akkreditive abzusichern“, sagt Franz Kook, Vorstandsvorsitzender der Sanitäranlagenherstellers Duravit. „Das gilt für unser aktuelles Projekt, die Formel-1-Strecke in Abu Dhabi, wie auch für den Burj Tower. Deshalb erwarten wir durch die aktuellen Finanzprobleme in Dubai keine unmittelbaren negativen Auswirkungen.“ Es sei aber nicht auszuschließen, dass die Bauaktivitäten weiter nachlassen. Wie Dorma befürchtet Duravit, dass einige Projekte erst einmal aufgeschoben werden.

Eine sinkende Zahlungsmoral ist aus Dubai also nicht zu spüren, eine sinkende Auftragslage jedoch umso deutlicher. Trotz Prestigeprojekten wie der Burj Tower orientieren sich die deutschen Mittelständler deswegen verstärkt Richtung Abu Dhabi, Saudi Arabien, Oman und Katar. Dort ist die Auftragslage weiterhin gut. Der Trend gen Mittlerer Osten geht weiter.

Hinterlassen Sie einen Kommentar

(Kommentare werden von der Redaktion montags bis freitags von 10 bis 18 Uhr freigeschaltet)

Bitte beantworten Sie die Sicherheitsabfrage (Anti-Spam-Schutz): *Captcha loading...