Diverses Hausbanken lassen Mittelstand hängen

Eigentlich wollte der Staat mittelständische Firmen bei der Aufnahme von frischem Geld unterstützen. Doch nur zögerlich geben Hausbanken grünes Licht für die Kredite, sagen Unternehmensvertreter. Zu wenige Betriebe profitieren, andere geraten massiv in Bedrängnis.

Ein kurzes Schweigen, noch ein Blick in die Unterlagen, Stirnrunzeln – die typische Reaktion, wenn Michael Neumann in den vergangenen Wochen Bankberatern gegenübersaß. Neumann, Geschäftsführer einer Firma aus der Sicherheitsbranche, braucht dringend einen Kredit. 300.000 Euro benötigt seine Firma zur Finanzierung von Betriebsmitteln. Auch wenn die Geschäfte zuletzt mäßig liefen, weil behördliche Genehmigungen für neue Premiumprodukte auf sich warten ließen – die Auftragsbücher sind jetzt endlich voll: Bestellungen im Wert von 1,5 Millionen Euro hätte er erhalten, sagt Neumann. Dennoch blockten die Banken ab, erzählt der frustrierte Unternehmer. Seinen richtigen Namen will Neumann nicht in der Presse lesen, auch der Name seiner Firma soll nicht an die Öffentlichkeit.

Noch hofft er, dass es klappt mit dem Kredit. Der Unternehmer setzt seine Hoffnungen in die staatlichen Fördermittel aus dem Konjunkturpaket I. 15 Milliarden Euro stellt die KfW Bankengruppe mittelständischen Unternehmen bereit. Der Weg zu diesem Geld führt über die Hausbank: Fällt ihre Bonitätsprüfung positiv aus, leitet die KfW ihr das Geld zur Auszahlung zu. Die Hausbank geht nur ein geringes Risiko ein – bis zu 90 Prozent des Risikos nimmt die staatliche Förderbank ihr ab, wenn sie Mittel aus dem Konjunkturpaket verteilt. Die KfW wirbt damit, dass sie Kreditanträge schnell bearbeitet, wenn die von den Hausbanken mit einem positiven Votum an sie weitergeleitet werden.

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Risiko für Banken ist überschaubar

Das Risiko ist überschaubar – dennoch zieren sich die Geschäftsbanken, haben Unternehmensvertreter wie der Wirtschaftsverband Stahl- und Metallverarbeitung beobachtet. Die Banken gäben viel zu zögerlich grünes Licht für KfW-Kredite. Die großzügige Haftungsfreistellung reiche ihnen häufig noch immer nicht aus. Eine Ausnahme bildeten lediglich einige Sparkassen. „Unsere Unternehmen haben kaum eine Chance, dass aus einer Anfrage auch ein Antrag wird“, klagt Verbandspräsident Ulrich Galladé.

Entsprechend wenig Geld fließt an die Unternehmer: Bis April verzeichnete die KfW Kreditanfragen mit einem Gesamtvolumen von gerade einmal 1,3 Milliarden Euro. Aktuelle Zahlen sind seither nicht zu bekommen, denn die Förderbank weist die Summe mittlerweile nicht mehr getrennt aus.

Warten auf die Entscheidung

Viele mittelständische Firmen kommen in der aktuellen Wirtschaftskrise durch diese Blockade massiv in Bedrängnis. So wie Neumann. Derzeit wartet der Geschäftsführer noch auf Rückmeldung von drei Kreditinstituten zu seiner Darlehensanfrage. Seine Frage nach einem KfW-Kredit brachte ihn bislang nicht weiter.

Neumann musste mittlerweile lernen, dass dahinter nicht nur die Angst der Banken vor der fehlenden Bonität steckt.
Nach seiner Erfahrung geht es den Geschäftsbanken darum, lieber eigene Produkte zu verkaufen, an denen sie mehr verdienen. „Welche Förderkredite für Sie infrage kommen, klären wir ab“, schnauzte ihn ein Banker an. Er müsse das nehmen, was man ihm anbiete.

Die KfW räumt ein, dass viele Hausbanken sich zunächst mit dem neuen Instrument vertraut machen mussten. Mittlerweile laufe die Zusammenarbeit aber besser, heißt es. Unternehmern bleibt wohl nur die Hoffnung, dass sie bei der richtigen Bank den Antrag stellen.

Klemmt’s?
Zu teure Kredite, schlechte Beratung, übermäßiger Papierkrieg, ständig wechselnde Kundenbetreuer – wenn es um Banken geht, ist die Wut vieler Unternehmer groß. Haben auch Sie sich über Ihr Geldhaus geärgert? Dann schreiben Sie uns: finanzen@impulse.de

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