Diverses He Kleine, alleine?

Deutsche Unternehmen liefern ihr Know-how in alle Welt. Und gern auch die Geräte dazu. Die müssen dort nicht bleiben: Höhepunkt der Globalisierung ist eine Wanderfabrik, die von Poing aus nach Russland zieht. Und dann weiter nach Indien, China, Brasilien und in die USA.

 

He Kleine, alleine?

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Hallo Kleine, hörst du mich? Ja, Großer, schön, dich zu treffen in den Weiten des Weltraums. Der Nfire, 2007 in Wallops Island gestartet und unterwegs für das US-Verteidigungsministerium, hat Kontakt aufgenommen mit dem deutschen Terra-Sar-X. Seit 2009 reden die beiden Satelliten bereits miteinander, nun steigt die Übertragungsrate stark – dank Tesat-Spacecom und ihrer modernsten Technologie, die es ermöglicht, Infos kompakt auf Laserstrahlen zu packen und zu verschicken. Nfire und Terra-Sar-X üben also Datentausch für die Zukunft. Die schwäbische Firma Tesat-Spacecom ist schon lang im All aktiv und hat bisher 500 Satelliten ausgerüstet. Früher hieß sie AEG, Telefunken, ANT, wieder AEG, Bosch Telecom und Bosch Satcom.

Unternehmen Tesat-Spacecom
nach Wallops Island
Branche Satelliten
Mitarbeiter 1000 weltweit

Jetzt mit 1eDT240

Ein großer Schritt für Volvo, ein kleiner für Getrag: In den neuen Volvo C. wird jetzt die von den Untergruppenbachern produzierte elektrische Antriebseinheit mit dem Namen „1eDT240“ eingebaut. Volvo, einst Stolz der Schweden, dann ein Teil des Ford-Konzerns, gehört seit Anfang 2010 nicht mehr den Amerikanern, sondern dem chinesischen Unternehmen Zhejiang Geely, produziert aber noch in Uddevalla und Torslanda. Getrag gehört der Familie Hagenmeyer und hat Werke fast überall, wo Autos gebaut werden, und beliefert auch so gut wie jeden Autohersteller, machte 2009 einen Umsatz von rund 2 Mrd. Euro. Die Elektroversion des C. wird zuerst mal nur zu Testzwecken auf die Straße kommen, eine Kleinflotte an schwedische Behörden und Firmen verleast.

Unternehmen Getrag
nach Uddevalla und Torslanda
Branche Antriebstechnik
Mitarbeiter 12.725 weltweit

Der Zander ist weg

Der Gouverneur von Omsk hat den Vorvertrag auch unterschrieben, nach der russischen Firma Titan und dem Stuttgarter Anlagenbauer M + W Group. Der soll nicht nur eine Fabrik bauen, sondern einen ganzen Fabrikkomplex, um Aminosäuren, Vitamine, organische Säuren, biologisch aktive Additive und noch so einiges herstellen zu können. Eine zweite Anlage, die Biopolymere produziert, könnte dazukommen. Die M + W Group hieß lange M + W Zander. M wie Meissner, W wie Wurst. Das waren zwei Firmen, die sich als kleine mit der großen, Zander, zusammengetan hatten. Jetzt, wo sie zu dritt gewachsen sind, bleiben die Buchstaben der kleinen, und der große Name verschwindet. Er ist, so heißt es, außerhalb Deutschlands für viele schwierig auszusprechen.

Unternehmen M + W Group
nach Omsk
Branche Anlagenbau
Mitarbeiter 4380 weltweit

Fabrik geht wandern

Heute hier, morgen da. Die neue Fabrik des bayerischen Schlauchproduzenten reist viel. Gerade im heimischen Poing vorgestellt, fahren die beiden Container voll Maschinen, Werkzeug, Kompressoren, Kühlanlagen zum Ersteinsatz nach Russland. Die mobile Anlage wird Wellschläuche, also Elektrokabelhüllen für Autobauer, produzieren. Immer genau da, wo die gebraucht werden. Die Fabrik kann, frisch angereist, innerhalb von zwei Stunden loslegen und bis zu 62. Meter Schläuche am Tag ausspucken. Bald wird sie nach Indien und China wandern, danach durch Brasilien und die USA. Warum? Zwei Container mit Maschinen durch die Welt zu schicken ist billiger als Schläuche. Die sind hohl. Bei ihrem Transport muss für das Volumen der Luft in ihnen bezahlt werden.

Unternehmen Schlemmer
Nach Russland und weiter
Branche Schlauchproduktion
Mitarbeiter 1400 weltweit

Volles Rohr

In China tobt der Boom, dafür muss produziert werden. Und dafür braucht es Anlagen. Da ist ein Weltmarktführer wie SMS Meer gefordert und hat folgerichtig in Schanghai ein Werk eröffnet, das Anlagen herstellt, zum Beispiel für Stahlröhrenguss. SMS Meer ist nämlich spezialisiert auf Rohr- und Kupferanlagen. Das Know-how der Anlage soll in Europa bleiben, so denken sie sich das in Mönchengladbach. Mal sehen, ob das lang gut geht. Schließlich sollen die 250 Mitarbeiter Anlagen instandhalten und modernisieren. SMS Meer gehört zur SMS Group. Die gehört der Familie Weiss. In die Gruppe eingebaut wurden Firmen wie Demag, Siemag, Gebrüder Meer, Deutsche Maschinenfabrik und Mannesmann Demag. Eine, Schloemann, war schon 1904 in China aktiv.

Unternehmen SMS Meer
nach Schanghai
Branche Anlagenbau
Mitarbeiter 2500 weltweit

Einstecken können

Klingt italienisch, doch die Firma sitzt im bayerischen Schwaben. Dort hat Giorgio Passigatti sie 1950 gegründet, um modische Teile wie Einstecktücher und Schals an die Frau und an den Mann zu bringen. In Deutschland hat das gut geklappt. Heute verteilt die Firma Accessoires wie gecrashte Dreieckstücher in 58 Länder. Der Exportanteil: 70 Prozent. In 8000 Modeläden gibt es die Teile, die in Italien und China produziert, aber von Bayern aus verteilt werden. Bis nach Australien. Schon länger wird dort Passigatti-Modisches verkauft, aber jetzt nehmen die Neu-Ulmer den Vertrieb in die eigenen Hände und schicken selbst jemanden Down Under. Das Ziel: eine verbesserte Marge, indem Passigatti die Zwischenhändler ausschaltet.

Unternehmen Passigatti
nach Sydney
Branche Textile Accessoires
Mitarbeiter 100 weltweit

Hinweis

Aus dem Magazin
Dieser Beitrag stammt aus der impulse-Ausgabe 12/2010.

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