Diverses Heinz Erhardt am Klavier

Auch 30 Jahre nach seinem Tod liegt Heinz Erhardt auf Platz Zwei der beliebtesten deutschen Komiker, direkt hinter Loriot. Während seine Filme der 50er- bis 70er-Jahre immer wieder zu sehen sind, verschwand ein gutes Dutzend Kabarett-Chansons nach der Radio-Erstsendung 1947 in den Archiven. Jetzt liegen sie auf einer CD vor: "Blödelnd durch den Ernst der Zeit".

Am 20. Februar 2009 wäre der Komiker Heinz Erhardt (1909 – 1979) 100 Jahre alt geworden. Zum runden Geburtstag erscheint eine CD mit Kabarett-Chansons, die seit ihrer Radio-Erstsendung 1947 nie wieder zu hören waren: „Blödelnd durch den Ernst der Zeit“.

Als Junge wollte der als Sohn eines deutsch-baltischen Kapellmeisters in Riga geborene Erhardt Pianist werden. Er sollte aber eine kaufmännische Ausbildung bekommen und das Musikhaus des Großvaters übernehmen. Als knapp 30-Jähriger entdeckte er ein neues Metier: Als der schon berühmte Chansonnier Peter Igelhoff einen Kabarettauftritt absagen musste, sprang Erhardt ein und wurde, kurz vor dem Zweiten Weltkrieg, für das Berliner „Kabarett der Komiker“ entdeckt. Schon in dieser Zeit entstand die früheste, allerdings auch verrauschteste Aufnahme der CD: „Mein Mädchen“ stammt aus einer frühen TV-Sendung, die damals nur einige hundert Besucher öffentlicher Fernsehstuben sehen konnten. Außer einer Aufnahme des Reichssenders Berlin von 1942 liefen alle weiteren Titel 1947 im Berliner Rundfunk. Sie zeigen, dass sich Erhardt seinen Kindheitstraum vom Pianospiel doch noch erfüllen konnte: Zu den eigenen Texten begleitet er sich selbst am Klavier.

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Den Ernst der Zeit, von dem im CD-Titel die Rede ist, blendet der Komiker konsequent aus. Einige Liedzeilen wirken programmatisch:

„Kommt etwas in die Quere dir,
setz dich darüber hinweg,
sich aufzuregen, glaube mir,
hat keinen Zweck.“

Ein anderer unbeschwerter Text kehrt mehr als zehn Jahre später fast wörtlich im Film „Der letzte Fußgänger“ wieder:

„Die Sonne scheint so warm,
ein Mädelchen im Arm,
ein frohes Gemüt,
auf den Lippen ein Lied,
ach wie schön ist doch die Welt.“

Von Mädelchen ist in den Liedern des jungen Künstlers oft die Rede; fast immer geht es um eine – vorwiegend platonisch aus der Ferne, ausnahmsweise auch erfolgreich – Angeschwärmte:

„Sie ist ne Tippmamsell
Und ich bin Junggesell.“

Dass Erhardt nie kitschig wird, sondern immer komisch bleibt, verdankt er seinem Talent, das Romantisch-Erhabene mit dem Banalen zu reimen: „Hör’ ich Chopin“, denkt er an eine seiner Herzdamen, aber auch „beim Ragout fin“. Eine andere erfüllt seine Gedanken im Büro, im Zoo – und auf dem Klo. Als er eine Woche der Erwartung Tag für Tag durchgeht, ist der Freitag zwar noch der romantische Maitag, der Montag aber schon der prosaische Lohntag. Und wenn sich der Sänger alle Frauen der Reihe nach vorstellt, dann hat die eine Katzenaugen und die nächste Hühneraugen.

In einem Lied greift Erhardt bereits seinen Vaterrollen in späteren Filmen vor, wenn er seinem kleinen Sohn ein Schlaflied singt. Wieder steht am Anfang die pure Harmonie:

„Schlaf nun ein, mein Bübchen,
ein Engel geht durchs Stübchen.“

Doch als der Junge immer noch wach ist, wird Papa energischer:

„Schlaf endlich ein, du Bengel,
sonst kommen schwarze Engel.“

Ganz ohne Musik folgt endlich der Stoßseufzer: „Jetzt pennt er endlich.“

Erhardt kommt aber auch ganz ohne Romantik aus und setzt dann bei seinen Reimen auf das pure Blödeln, das der Titel ankündigt:

„Es war einmal ein Muselmann,
der trank sich einen Dusel an.
Er rief dann stets das Muselweib,
wo es denn mit dem Fusel bleib’.“

Fazit: Ein junger, unbekannter Heinz Erhardt, der schon alle Register seiner späteren Ulkgedichte zieht. Ein nostalgisches Vergnügen, das für viele Schmunzler gut ist.

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