Diverses Hersteller verärgert über hohe Kakaopreise

Eine Tonne Kakao kostet an der Rohstoffbörse in London so viel wie seit 30 Jahren nicht mehr, Spekulanten treiben die Preise massiv in die Höhe. Die deutschen Hersteller sind sauer, sie können den Markt nicht mehr kalkulieren. Ihr Tenor: Mit Lebensmitteln spielt man nicht.

Als sich der schwedische Botaniker Carl von Linné vor knapp 250 Jahren einen lateinischen Namen für den Kakaobaum ausdachte, da hatte er mit Bescheidenheit nicht viel im Sinn. Seine Wahl fiel auf „Theobrama cacao“, die Speise der Götter. Seitdem scheint die Pflanze tatsächlich unter göttlichem Schutz zu stehen, denn Kakao, Schokolade und damit auch die Süßwarenindustrie feiern bis heute große Erfolge. Millionen von Menschen geben weltweit viel Geld aus für Schokohasen oder Nougatpralinen, und der Markt wächst weiter: In den vergangenen Jahren erwachte mit dem Aufschwung auch in den Riesenmärkten Indien und China der Hunger auf Süßes.

Doch der Kakao bereitet zumindest der deutschen Branche in diesen Monaten zunehmend Sorgen. Der Preis pro Tonne an der Londoner Börse liegt derzeit bei 2.200 Euro und damit so hoch wie seit 1977 nicht mehr. Der deutsche Süßwarenverband gibt Spekulanten die Schuld. Das Börsengeschäft würde sich immer weiter auf Rohstoffzertifikate verlagern und es drohe beim Kakao eine Preisblase. In den deutschen Schokoladenfabriken ist man deshalb ziemlich verärgert: Über die hohen Preise, vor allem aber darüber, dass das System unberechenbar geworden ist.

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„Es gibt keinen rationalen Grund, warum der Preis so nach oben geht“, sagt Hasso G. Nauck, Geschäftsführer von Hachez in Bremen. „Schwankungen hat es immer gegeben, aber die waren nachvollziehbar. Entweder war die Ernte schlecht oder der Konsum besonders hoch. Aber diese spekulative Preistreiberei ist nicht zu erklären.“ Hachez und seine bis zu 575 Mitarbeiter treffen die Preise besonders hart, da das Unternehmen Schokoladen mit einem hohen Kakaoanteil produziert.

Doch was ist zu tun? Viele Unternehmen stecken in einem Dilemma. „Wir haben das Problem, dass die Vorläufe für unsere Angebote sehr lang sind“, sagt Markus Schinle von der Firma Storz Schokolade aus Tuttlingen, die 120 Mitarbeiter beschäftigt. „Für Weihnachten 2010 und auch für Ostern 2011 müssen wir an den Handel jetzt schon unsere Angebote rausgeben. Aber wie soll das gehen, wenn wir die Preise nicht kalkulieren können?“ Eine Möglichkeit seien natürlich Termingeschäfte, aber Schinle scheut die langfristigen Bindungen. „Die Blase kann jederzeit platzen und dann fallen die Preise wieder. Es bringt uns nichts, auf Termin zu kaufen.“

Der deutsche Süßwarenverband warnt deshalb, dass demnächst Verbraucher mehr für die Schokolade zahlen müssen. Bislang sei der Schokoladenpreis in Deutschland auf gleichem Niveau geblieben, trotz der hohen Kakaokosten. Die Kunden profitieren dabei vor allem vom Konkurrenzdruck im Einzelhandel. „Ich rechne aber stark damit, dass die Preise für Schokolade im nächsten Frühjahr steigen werden“, sagt Storz-Geschäftsführer Schinle.

Bei Hachez glaubt man hingegen nicht daran, dass man mehr Geld für die Schokolade verlangen kann. „Die deutschen Schokoladenpreise sind die niedrigsten in ganz Europa. Der Handel und die Discounter treiben diese Preise nach unten und dort ist niemand bereit, Erhöhungen zu akzeptieren“, sagt Geschäftsführer Hauck. Die deutschen Schokoladenproduzenten bekommen also von zwei Seiten Druck, den sie kaum abwehren können: Zum einen die hohen Kakaopreise, zum anderen den Zwang durch den Handel. „Da bleibt nicht viel, was man tun kann“, sagt Hasso Nauck. „Wir können zwar an der Personalschraube drehen. Aber das trifft dann wieder die Konsumentengruppe und es entwickelt sich eine Spirale.“

Die Süßwarenindustrie hofft deshalb, dass es mit den Spekulationen bald ein Ende hat. „Ich kenne niemanden im Markt, der sich langfristig mit Kakao eingedeckt hat“, sagt Claus Cersovsky, Chef von Rübezahl Schokoladen im schwäbischen Dettingen (250 Mitarbeiter, 100 Mio. Euro Umsatz). „Die Auswirkungen der Rohstoff-Spekulation treffen uns hart. Es ist eben ein kleiner Markt in dem sich mit relativ wenig Geld viel bewegen lässt.“ Jedes Unternehmen müsse nun seinen eigenen Weg finden, mit den hohen Preisen fertig zu werden. „Zugleich können wir nur hoffen, dass die Blase bald platzt.“

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