Diverses Hertie ist tot, es lebe Hertie

Reinhard Klimasch: Ressortleiter Steuer

Reinhard Klimasch: Ressortleiter Steuer© Florian Schwinge

Überraschend kam die Hertie-Pleite nicht. Die Zeiten solcher Häuser sind einfach vorbei, sagt impulse-Redakteur Reinhard Klimasch. Und: Der Finanzinvestor und Eigentümer Dawnay Day hatte keine Ahnung vom deutschen Einzelhandelsmarkt. Für die Fillialen des Essener Warenhauses liegt in der Insolvenz aber auch eine Chance.

Die Insolvenz der Warenhauskette Hertie war nur eine Frage der Zeit. Ob das Unternehmen zerschlagen wird oder den Weg in eine Zukunft findet, wird sich schon bald zeigen. Entscheidend ist, ob Insolvenzverwalter und Management ein Sanierungskonzept und die Finanzierung dafür hinbekommen. Vor drei Jahren hatte das Unternehmen jedenfalls keine Chance. Denn es ist aus rund 70 kleinen und vielfach schäbigen Karstadt-Filialen mit ihren Wühltischen hervorgegangen.

Diese Häuser verkörperten einen alten Typ Kaufhaus, der bei den Kunden nicht mehr gefragt ist. Hinzu kam, dass Finanzinvestor und Hertie-Eigentümer Dawnay Day keine Ahnung vom Einzelhandelsgeschäft hatte und nur auf hohe Mieterträge aus war. Zuletzt fehlte auch noch das Geld für die Sanierung der Geschäfte. Das konnte nicht funktionieren.

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Die Zukunft der Warenhäuser sieht anders aus. Die großen Häuser in den großen Städten verabschieden sich vom Massengeschäft. Stattdessen werden sie wohl noch stärker versuchen, den Einkauf zum Erlebnis zu machen, Lebensstil und Emotionen zu verkaufen. Die kleineren Häuser in den mittleren Städten werden sich als kleines und feines Nachbarschaftskaufhaus mit aufgeräumten Sortimenten und gutem Service profilieren. Außerdem können sie die Rolle als Ankerpunkt für den innerstädtischen Fachhandel spielen – zum Wohle beider Vertriebsschienen. Dies ist die Chance auch für Hertie. Die Häuser haben vielfach die richtige Größe, um sich den lokalen Bedürfnissen optimal anzupassen. Ganz gleich, ob sie im Paket, in kleinen Gruppen oder einzeln den Eigentümer wechseln.

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