Diverses Hertie-Pleite: Ende einer Ära

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Bis zur Übernahme durch Karstadt - heute Arcandor - 1993 zählte Hertie zu den führenden Warenhauskonzernen Deutschlands. Übrig geblieben ist davon heute nur noch der traditionsreiche Name - und die Erinnerung an eine bewegte Unternehmensgeschichte, die auch mit dem berühmten Berliner KaDeWe verknüpft ist.

Der Startschuss für Herties Firmengeschichte fiel 1882: Damals eröffnete Oscar Tietz, ein Bruder des Kaufhof-Gründers Leonard Tietz, in Gera ein Geschäft für Kurzwaren – im Sortiment: Garn, Knöpfe und Wolle. Kapital- und Namensgeber der Firma war sein Onkel Hermann Tietz. Die Geschäftsidee: eine neue Kultur des Einkaufens – mit Preisen, die nicht verhandelbar waren. Außerdem mussten die Kunden immer sofort bezahlen. Anschreiben gab es fortan nicht mehr.

Das Konzept ging auf: Bereits 1927 waren 13.000 Menschen bei Tietz beschäftigt. Allein in Berlin unterhielt das florierende Unternehmen zehn große Warenhäuser, darunter das Kaufhaus des Westens (KaDeWe). Und beim 50-jährigen Firmenjubiläum 1932 war Tietz der größte Warenhauskonzern Europas. Umsatz: 300 Millionen Mark.

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NS-Zeit: Enteignung und Namensänderung

Mit der Weltwirtschaftskrise und der Machtübernahme der Nazis kamen dann aber die Probleme: Die Banken drohten zu diesem Zeitpunkt, die Kredite zu kündigen, das Unternehmen stand kurz vor der Pleite. Georg Karg, ein früherer Tietz-Einkaufsleiter, wurde von den Banken zunächst als Geschäftsführer eingesetzt. Im Zuge der Arisierung übernahm er das Unternehmen. Und weil der jüdische Name Hermann Tietz nicht mehr geführt werden durfte, firmierte das Unternehmen ab 1935 unter dem Kürzel Hertie.

Die Familie Tietz wird durch die Nationalsozialisten enteignet und flieht aus Deutschland. Der Bankier Georg Karg übernimmt die Leitung des Konzerns und erwirbt zwischen 1934 und 1939 alle Geschäftsanteile der Warenhauskette. Nach Kriegsende arbeitet Georg Karg am Wiederaufbau von Hertie.

Nach seiner Blütezeit in den 1970er Jahren ging der Umsatz des Unternehmens Mitte der 1980er Jahre massiv zurück: Viele Filialen mussten geschlossen werden. In den folgenden zehn Jahren gliederte der Konzern zahlreiche defizitäre Sparten aus. Als Hertie 1993 dann vom Karstadt-Konzern übernommen wurde, unterhielt das Unternehmen 307 Warenhäuser und Fachgeschäfte sowie Beteiligungen an anderen Unternehmen, darunter der Bekleidungskonzern Wehmeyer . Nahezu alle Filialen wurden umbenannt: von Hertie in Karstadt. Im Sommer 2005 verkaufte KarstadtQuelle 74 kleinere Warenhäuser an britische Finanzinvestoren. Diese suchten für die Kette den Traditionsreichen Namen Hertie aus. Zuletzt wurden noch 73 Standorte weiterbetrieben.

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