Diverses Hier spricht man deutsch

Gerd Kühlhorn: stellvertretender impulse-Chefredakteur

Gerd Kühlhorn: stellvertretender impulse-Chefredakteur© Michael Dannenmann

Eine Firma in Süddeutschland verlangt von ihren Angestellten, am Arbeitsplatz nur deutsch zu sprechen - andernfalls drohen Abmahnung oder Kündigung. Nicht nur Arbeitsrechtler sehen das kritisch. Auch Gerd Kühlhorn, stellvertretender impulse-Chefredakteur zeigt: Besagter Arbeitgeber bewegt sich auf dünnem Eis.

„Wer nicht deutsch spricht, fliegt raus!“ schreiben die Kollegen von der Bild-Zeitung heute auf Ihrer Titelseite. Und berichten dann über einen Arbeitgeber, der seinen Beschäftigten mit Abmahnung und Kündigung droht, wenn sie sich, wie bisher offenbar geschehen, am Arbeitsplatz in Russisch oder in einer anderen Sprache unterhalten. Obwohl ein Einzelfall, löst der Bericht heute Diskussionen in vielen Betrieben aus. Und stellt Arbeitgeber vor die Frage: „Wie halte ich es mit der deutschen Sprache in meinem Unternehmen?“

Hier der Versuch einer kleinen Entscheidungshilfe in drei Schritten.

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1. In nicht wenigen Betrieben des Einzelhandels und des Handwerks sprechen Mitarbeiter und ihre Chefs in einem sehr erdverbundenen Dialekt – für den Neukunden, der nicht aus der Region stammt, eine kaum zu überwindende Kommunikationshürde. Würde man nach den gleichen Regeln handeln wie oben beschrieben, müßte folgerichtig ein neuer Mitarbeiter, der allein des Hochdeutschens mächtig ist, um seinen Job fürchten – denn weder seine Kollegen noch die ortsansässige Altkundschaft versteht ihn.

2. Wenn wir ganz ehrlich sind und uns die Geschäftskorrespondenz kleiner, mittlerer und auch großer Firmen ganz unvoreingenommen anschauen, dann stellen wir fest: Kaufmannsbriefe sind heutzutage offenbar kein Organ der öffentlichen Sprachpflege mehr. Kaum ein Text, der es ohne grammatikalische oder orthografische Fehler auf den Postweg schafft, von der Kenntnisnahme einer neuen Rechtschreibung ganz zu schweigen. Wer sich auf so dünnem Boden bewegt, sollte sich überlegen, ob er sich als Anwalt der deutschen Sprache in Szene setzen möchte.

3. Ein gutes Argument hatte die Betriebsleitung des eingangs genannten Unternehmens für seine drastische Maßnahme aufgebracht: Wenn nicht alle die gleiche Sprache sprechen in einer Firma, dann leidet darunter die Qualität der Produktion. Dies gilt nicht für alle, sicher aber für viele Unternehmen. Nur: Wenn gute Deutsch-Kenntnisse bei dieser Tätigkeit dort eine so wesentliche Rolle spielen, warum wurden dann überhaupt Arbeitskräfte eingestellt, die über genau diese Qualifikation offenbar nicht verfügen?

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