Diverses Himmlische Rendite durch ethisches Wirtschaften

Lange Zeit wurde belächelt, wer als Unternehmer seine Stra­tegie nicht an kurzfristiger Ge­winn­maximierung, sondern unter ethischen, sozialen und ökologischen Gesichtspunkten an dauerhaftem Wachstum orientierte. Wer so handelte, galt als guter Mensch, jedoch als schlechter Ökonom. Das Gegenteil ist der Fall.

Dies gilt nicht nur für einzelne Unternehmen, sondern gleichermaßen für alle Branchen und die Wirtschaft insgesamt. Ein besonders eindrucksvoller Beleg dafür ist die Entwicklung der so genannten Ethikfonds. Geldanlage in Ethikfonds hat angeblich ihren Preis – Performance. Denn was gut für die Seele ist, schadet der Rendite, sagen die Kritiker.

Sie begründen dies mit einer schlichten Logik: Wenn zusätzliche Anforderungen in den ohnehin schon umfangreichen Katalog der Auswahlkriterien für Kapitalanlagen aufgenommen werden müssen, schrumpfe das Investment-Universum. Am Ende bleibe so gut wie keine Chance, Anlagemöglichkeiten zu finden, die gute Performance versprechen.

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Tatsächlich ist der Katalog der Kriterien, die ein Unternehmen für die katholische Kirche als ethisch einwandfrei auszeichnen, lang und streng. Verboten sind Investments in Waffen und Alkohol, Glücks­spiele, Tabak, Pornografie und Verhütungsmittel. Wer als Unternehmer Kinderarbeit, Nachtschicht oder Sonntagsarbeit duldet, Mitarbeiterbeteiligung und geregelte Altersvorsorge vernachlässigt, über keine Umweltstrategie verfügt und den Ak­tionären demokratische Mitwirkung verweigert, hat kaum Chancen, die Ethikhürde zu nehmen.

Für Wirtschaftsexperten überraschend, die dem Faktor Ethik bislang keine große Bedeutung beigemessen haben: Gerade diese restriktiven Kriterien tragen wesentlich dazu bei, potenziell ohnehin schlechte Performer auszusortieren.

Ethische Richtlinien bei der Geldanlage können aber noch viel mehr:
In Studien ist belegt worden, dass
sozial verantwortungsvolle Bewertungskriterien die Rendite effektiv steigern können, denn Unternehmen, die solche Kriterien erfüllen, werden weit weniger wegen Fehlverhaltens auf der Anklagebank sitzen, und – durchaus wichtig in einer Welt, die Bilanz­unregelmäßigkeiten nahezu täglich zur Kenntnis nehmen muss, – sie sind in ihrer Rechnungslegung in aller Regel konservativ. Außerdem ist eine gute Sozialbilanz auch ein hervorragender Indikator für Managementqualität allgemein.

Aber: Erzielen Ethikfonds nicht schlechtere Anlageergebnisse als konventionelle Fonds? Die Antwort lautet schlicht: nein. Eine Aktienauswahl anhand ethisch-sozialer Maß­stäbe hat schlimmstenfalls keine, ­
auch keine negative, bestenfalls aber eine positive Auswirkung auf das ­Anlageergebnis.
Die unabhängige Rating-Agentur Morningstar gibt hier eine klare Antwort.

Die Agentur hat die Ertragskraft der in ihrer Datenbank enthaltenen Ethikfonds regelgerecht über drei Jahre beobachtet. Von ihnen wurden 21 Prozent mit Fünf-Sterne-Ratings ausgezeichnet. Damit haben Ethikfonds doppelt so viele Spitzenratings wie die Gesamtheit der Fonds. Keine Spur von schlechter Performance bei Ethikfonds.

Wie Morningstar weiter be­richtet, fallen zehn Prozent der Ethikfonds ­in ihrer Datenbank in die Ein- oder Zwei-Sterne-Kategorie. Aus der Gesamtheit der Fonds finden sich 33 Prozent in den beiden niedrigeren Kategorien. Das belegt, dass Ethikfonds auch am unteren Ende des Spektrums keinesfalls schlechter dastehen als konventionelle Fonds.

Eine streng ethisch orientierte Unternehmensstrategie treibt die Performance an – ein Mechanismus, der selbst im wohl härtesten Geschäft der Welt funktioniert, dem der Bankiers. Die Kölner Pax-Bank, vor 90 Jahren von katholischen Priestern gegründet, ist ein Beispiel dafür. Ihr Selbstverständnis beruht auf dem Credo: Geld hat dienenden Charakter für christliche Ziele. Auf dieser Grundlage erwirtschaftet die Pax-Bank eine Kapitalrendite von über 20 Prozent. Für die Chefs in den Frankfurter Bankentürmen ein himm­lisches Ergebnis.

Der Schlusspunkt der Ausgabe 01/2004 wurde verfasst von Christoph Berndorff, 55, Sprecher des Vorstands der Pax-Bank eG in Köln. Die Pax-Bank ist eine Genossenschafts­bank, die überwiegend der
katholischen Kirche gehört. Sie berät Institutionen der Kirche in Finanzfragen, unterhält aber auch ein traditio-nelles Privatkundengeschäft, das zunehmend wächst.

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