Diverses Hochschulen müssen wie Unternehmen geführt werden

Was PISA für die deutschen Schulen war, ist die sogenannte Shanghai-Studie für die deutschen Universitäten. Hat PISA den maroden Zustand der deutschen Schulen offengelegt, sieht es, folgt man der Shanghai-Studie, mit unseren Universitäten nicht viel besser aus: Unter den 50 besten Hochschulen der Welt ist nicht eine einzige aus Deutschland. Erst auf Platz 51 rangiert mit der Ludwig-Maximilians-Universität München das erste deutsche Institut, während 37 Hochschulen unter den besten 50 aus den USA kommen.

Dabei wäre es eigentlich ein leichtes Unterfangen, den deutschen Hochschulen wieder zu Weltgeltung zu verhelfen. Unter einer Voraussetzung: Die Politik müsste den Mut aufbringen, den Lehrbetrieb nicht länger jenseits aller ökonomischen Gesetze abwickeln zu lassen. Stattdessen müssten die Rektoren das Recht und die Freiheit bekommen, ihre Universitäten wie Unternehmen führen zu dürfen. Dies würde die deutschen Hochschulen nach Jahrzehnten der Fesselung aus ihrer desaströsen Abhängigkeit von den jeweiligen Wissenschaftsministerien befreien. Die Folge: Ein nachhaltiges Wettbewerbsdenken würde in die deutsche Hochschullandschaft einziehen.

Tatsächlich aber marschieren wir derzeit eher in die entgegengesetzte Richtung. An welcher Universität wird endlich ein Lehrstuhl für Hochschulmanagement eingerichtet, damit hoch spezialisierte Professoren nicht länger die Hälfte ihrer kostbaren Zeit für Sitzungen in den Haushaltsausschüssen verschwenden müssen? Private Hochschulen mögen hier durchaus die Richtung des einzuschlagenden Weges aufzeigen, doch steht und fällt das deutsche Hochschulsystem mit den öffentlichen Unis.

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Der Weg in den freien Wettbewerb heißt: Kampf um die besten Professoren, die besten Studenten, die beste Infrastruktur, die besten Forschungseinrichtungen, das beste Lehrangebot, die besten internationalen Verbindungen. Schon jetzt verlassen die klügsten Köpfe unser Land bereits vor Studienbeginn, um anderswo nach einer Qualitätsausbildung zu suchen. Sie sind schon längst nicht mehr im Lande, wenn die Unternehmen händeringend nach ihnen suchen.

Im Ausland könnten wir uns, wenn wir nur wollten, die Modelle für erfolgreichen Wettbewerb abholen: eine erfolgsorientierte Verzahnung zwischen Studiengebühren, privaten und öffentlichen Mitteln, eine engere Kooperation zwischen Wissenschaft und Wirtschaft, eine klare Arbeitsteilung zwischen Forschung und Lehre, einen höheren Leistungsanspruch an die Professoren selber, jährliche Wirtschaftlichkeitsberechnungen nicht nur durch die Rechnungshöfe, sondern durch ausgebildete und kritisch analysierende Wirtschaftsprüfer. Und nicht zuletzt gehören ausgebildete Manager der freien Wirtschaft an die Spitze der besten Universitäten.

Wir werden die Harvards und Yales, die Hochschulen von Cambridge oder Oxford nicht einholen, auch ihr Modell nicht einfach kopieren können. Aber es wäre schon viel gewonnen, wenn wir Hochschulen in Deutschland mehr als Dienstleistungsgesellschaften betrachten und Eliteuniversitäten zum selbstverständlichen Bestandteil einer global wettbewerbsfähigen Industrienation zählen würden. Das soziale Argument sollte dabei keineswegs untergehen. Der Kulturbereich liefert uns viele Beispiele dafür, dass Spitzenleistung nicht von der Herkunft abhängt, sondern von Leidenschaft, Einsatzwillen, dem Glauben an sich und die Sache sowie – wo notwendig – von staatlicher Unterstützung. Es gibt keinen Grund anzunehmen, dass dies an Eliteuniversitäten anders wäre.

Wir werden, staatlich wie privat, bedeutend mehr Mittel in den Bereich der Bildung investieren müssen, um die nötigen Innovationen und neuen Produkte und somit die Arbeitsplätze von morgen bereitstellen zu können. Der Einsatz ist hoch, und es gibt viel zu verlieren. Diese Aufgabe kann nur gelingen, wenn unternehmerischer Geist und Handlungsfähigkeit an unseren Hochschulen Einzug halten.

Professor Klaus Evard gründete 1971 die European Business School in Oestrich-Winkel. Auf seine Initiative entstand zudem die deutsche Sektion des TEC International („The Executive Committee“), ein weltweites Netzwerk von Geschäftsführern mittelständischer Firmen mit derzeit 14.000 Mitgliedern.

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