Diverses Hörsaal statt Büro

Mit einem MBA-Studium können sich Unternehmer in Finanzen, Marketing und Personalführung fit machen. Das Problem: Sie dürfen dabei den laufenden Betrieb nicht vernachlässigen. Business-Schools bieten Chefs jetzt an, beides zu verbinden.

Der Erfolg ist jetzt spürbar. „Wenn
ich mir heute ein Unternehmen anschaue,
kann ich in kürzester Zeit
die Finanzsituation detailliert bewerten
und den Kundennutzen sehr klar analysieren“,
sagt Florian Randlkofer selbstbewusst.
Dank seines Masters of Business
Administration (MBA) sind ihm „all die
nötigen Instrumente in Fleisch und Blut
übergegangen“.

Im November hat er als
Mitglied der Geschäftsleitung des Münchner
Traditionsunternehmens Alois Dallmayr
sein Studium zum Executive
MBA
an der europäischen Topschule IMD in
Lausanne abgeschlossen. „Da lernt man
die wichtigsten Methoden der Unternehmensführung
und wendet sie in der
eigenen
Praxis auch gleich an“, erzählt
der 41-Jährige. „Das hat mir außerordentlich
viel fürs tägliche Geschäft
gebracht.“

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Zehnwöchiger Ausstieg aus dem Job

Der Weg zum MBA-Abschluss war allerdings
alles andere als einfach. Im Mai
und September 2007 musste Randlkofer
zunächst zweimal fünf Wochen am Stück
in Lausanne die Theorie der Unternehmensführung
büffeln, bevor das eigentliche
MBA-Studium mit Onlinemodulen
und Präsenzphasen in verschiedenen Ländern
begann. „Der zehnwöchige Ausstieg
aus dem Job war schon happig“, erinnert
sich Randlkofer, dessen Familie in fünfter
Generation Mitinhaber von Dallmayr ist.

Seit diesem Jahr haben es die Studenten
leichter. Denn erstmals bieten renommierte
Business-Schools wie das IMD
oder die Universität St. Gallen flexiblere
Studiengänge, die Firmenchefs und Managern
mit langjähriger Führungserfahrung
sehr entgegenkommen, wenn sie
den Executive MBA absolvieren.

Studium dem Job anpassen

Beim IMD in Lausanne beispielsweise
lassen sich künftig verschiedene Weiterbildungsprogramme
zum MBA aufstocken.
Wann und in welcher Zeit ein Teilnehmer
seine Lerneinheiten absolviert,
wird ihm überlassen. „Das gibt gerade
Unternehmern mehr Spielraum, das Studium
ihren geschäftlichen Gegebenheiten
anzupassen“, erklärt Jim Pulcrano,
Executive Director für Deutschland am
IMD.

Auch die Universität St. Gallen rechnet
mittlerweile zahlreiche Weiterbildungsprogramme
auf den Executive MBA
an. „Künftig soll jeder wählen können,
wo er beginnen und was er erreichen
will“, sagt Matthias Straetling, Executive
Director an der Universität St. Gallen. Daskönne ein Zertifikat, ein Weiterbildungsdiplom
oder – als oberste Stufe – der Executive
MBA sein. Zudem muss das Studium
nicht mehr innerhalb von 18 Monaten
durchgezogen werden, die Studienzeit
kann bis zu vier Jahre dauern.

Genau das Richtige für Thomas Kramer.
Der Unternehmer hatte schon lange
mit einem MBA-Studium in St. Gallen geliebäugelt.
Doch die geforderten 19 Fünftagesveranstaltungen
in eineinhalb Jahren
hielten den mehrfachen Firmengründer
bisher davon ab. Als der 33-Jährige
nun von den neuen Möglichkeiten erfuhr,
entschied er sich für das Studium.
„Das ist einfach eine Rückversicherung,
wenn es berufsbedingt einmal terminlich
nicht klappt und ich ein Modul verschieben
muss“, sagt Kramer, der gerade Gobandit
Sports gegründet hat, ein Startup,
das die Satellitentechnologie GPS für Sportler nutzbar machen will.

Vom MBA verspricht sich Kramer neue
Erkenntnisse für sein Geschäft, weil er
übt, die Perspektive des Topmanagements
zu übernehmen. „Ich will zwar
nicht als Rechnungsprüfer ausgebildet
werden, aber ich muss die Zusammenhänge
verstehen, damit ich die richtigen
Entscheidungen treffen kann“, erklärt
der Unternehmer. Natürlich habe er sich
etliches, was jetzt auf dem Lehrplan
steht, bereits in der Praxis angeeignet.
Aber durch den MBA bekomme er die
akademischen Grundlagen und Werkzeuge
dazu. „Das ermöglicht es mir, im
Geschäft effektiver und schneller zum
Ziel zu kommen.“

Gerade beim Executive MBA spielt es
eine enorm wichtige Rolle, von anderen
Teilnehmern zu lernen. Je vielfältiger der
Mix aus Positionen, Branchen und Nationalitäten
ist, desto mehr profitieren alle
voneinander. Bei den interkulturellen
Erfahrungen
muss Firmenchef Kramer allerdings
Abstriche machen. Denn der St.
Galler Studiengang wird weitgehend auf
Deutsch unterrichtet. Entsprechend setzt
sich der Teilnehmerkreis zusammen.

Für Randlkofer, der im Münchner
Delikatessenhaus
verantwortlich ist für
Catering und Versand, war die Internationalität
ein entscheidendes Kriterium
bei der Wahl des IMD. So kommen
die 62 Teilnehmer aus 21 Ländern, unter
anderem aus Mexiko, Singapur und
Saudi-Arabien. Sie sind im Durchschnitt
39 Jahre alt, haben 15 Jahre Berufserfahrung
und bereits in zwei Ländern
gearbeitet. „Durch die weltweit verteilten
Studienorte ist das Programm so gestaltet,
dass es egal ist, wo man lebt“,
sagt IMD-Direktor Pulcrano. Und weil
die Präsenzphasen eine Woche dauern,
lohne es sich, dafür auch um die halbe
Welt zu fliegen.

Gute Schulen für Unternehmer

Der Master of Business Administration (MBA) ist ein akademischer Abschluss in allgemeiner
Unternehmensführung. Das Studium vermittelt Kenntnisse in Finanzwesen, Marketing
und Personalführung. Ein Executive-MBA-Programm richtet sich an Firmenchefs und
Manager
mit langjähriger Berufs- und Führungserfahrung.

Business-Schools
Die Möglichkeit, an renommierten Business-Schools über verschiedene Weiterbildungsprogramme
in das MBA-Studium einzusteigen und die Studiendauer selbst zu bestimmen, ist
neu in Europa. Sehr gut setzen das die Uni St. Gallen und das IMD in Lausanne um. Als Zulassungsvoraussetzungen
beim Executive MBA gelten ein erster akademischer Abschluss,
Führungserfahrung (mindestens zehn Jahre) und nachgewiesene berufliche Erfolge.

Qualitätszeichen
Ein wichtiges Kriterium fürs Renommee ist die Akkreditierung der Schule. Die Gütesiegel
von AACSB International (Association to Advance Collegiate Schools of Business), Equis
(European Quality Improvement System) und Amba (Association of MBAs) sind relevant.
Alle vier in der Tabelle aufgeführten Adressen haben eines oder mehrere dieser Siegel.

„Da prallen völlig unterschiedliche
kulturelle Sichtweisen aufeinander“, erzählt
der Münchner. „Das zwingt einen,
viele Situationen differenzierter zu betrachten,
und eröffnet neue Perspektiven
für das eigene Geschäft.“ Er erinnert
sich noch gut an einen Ägypter, der
äußerst erfolgreich Rohre an Klempner
verkauft und davon berichtete, wie er
Tausende von Kunden mit einem ausgeklügelten
Punktesystem an sich bindet.
„Von der Systematik her ist das eine
Fragestellung,
mit der ich auch zu tun
habe“, sagt Randlkofer.

Ein weiteres Plus waren für ihn die internationalen
Studienmodule. „So intensiv
habe ich noch kein Land bereist“, erinnert
sich der Münchner, der je eine
Wochein
Rumänien, Irland, China und
in den USA im Silicon Valley verbrachte.
Die Trips waren gespickt mit Firmenbesuchen,
Vorträgen und Gesprächsterminen.
Allein in Rumänien habe er
Dutzende spannender Personen getroffen,
erinnert sich der Dallmayr-Erbe.

Zudem mussten die Teilnehmer an
jedem
Ort in Teams konkrete Fragen
bearbeiten
und dabei auch Leute auf der
Straße befragen – etwa zur Immobiliensituation
in Schanghai. Für Randlkofer
war das zuerst etwas nervig. „Ich hätte
Stein und Bein geschworen, dass das
nichts bringt, und stattdessen lieber Fakten
und Zahlen analysiert“, erinnert er
sich. „Aber ich wurde eines Besseren belehrt.
Wir bekamen jedes Mal ein gutes
Bild von der Wirklichkeit.“

Goethe Business School, Frankfurt

Studienorte: Frankfurt mit Trips nach Indien, China und Wahlkursen in den USA
Studiendauer: 18 bis 30 Monate
Kosten: 46 000 Euro
Web: www.gbs.uni-frankfurt.de

IMD, Lausanne

Studienorte: Lausanne, Indien, Schanghai, Silicon Valley
Studiendauer: mind. 16 Monate
Kosten: 82 970 Euro
Web: www.imd.ch

Saïd Business School, Oxford*

Studienorte: Oxford plus eine Woche China
Studiendauer: 21 Monate
Kosten: 56 455 Euro
Web: www.sbs.ox.ac.uk

Universität St. Gallen

Studienorte: St. Gallen
Studiendauer: 18 bis 48 Monate
Kosten: 41 144 Euro
Web: www.unisg.ch

*An der University of Oxford: Wer das Oxford Diploma in Organisational Leaderschip oder das Oxford Diploma in Financial Strategy absolviert hat, bekommt einzelne Module angerechnet

Inzwischen
hat er die Lektion verinnerlicht. „Bei der
Planung unserer neuen Weinabteilung
beziehe ich heute auch Kunden und
Mitarbeiter
ein und berücksichtige ihre
Meinungen ganz anders“, erzählt der
Unternehmer.

Auch wenn das Studium neben dem
Job oft mühsam war, sieht Randlkofer
sich bestens gerüstet für seine künftige
Aufgabe: „Das war eine der besten Entscheidungen
in meinem Leben.“
Die neue Flexibilität beim
MBA hilft mir, Firma und
Studium besser unter einen Hut
zu bekommen.

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