Diverses „Ich gab naiv den Investoren die Mehrheit“ (Mein größter Fehler, Titus Dittmann)

Titus Dittmann, 61, Chef der Titus GmbH, über Eitelkeit, einen verpatzten Börsengang und den Wunsch, Herr im eigenen Haus zu bleiben.

Schuld war meine verletzte Eitelkeit. 1999 stand Titus für alles rund ums Skateboard: von der Produktion über Großhandel bis hin zu Versand, Filialgeschäften und Franchising. Skateboard-Weltmeisterschaften, Konzerte, Magazine, Internet-Communitys und vieles mehr rundeten das Jugendangebot ab. Als zwei ehemalige Mitstreiter mit meiner Geschäftsidee an die Börse wollten, sagte ich mir: lieber tot als Zweiter. Das mit dem tot hätte fast geklappt.

Ich holte zwei Investoren an Bord und formte einen Konzern mit zuletzt fast 30 Tochterfirmen, dessen Börsenwert von den Banken auf 100 Millionen Euro geschätzt wurde. Ich war im Vorstand, gab aber naiv den Investoren die Mehrheit im Aufsichtsrat. Zunächst herrschte eitel Sonnenschein, doch dann kam der Börsencrash, der unseren ­Börsengang verhinderte. Familien- und Investoreninteressen prallten aufeinander.

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Ich kämpfte für den Erhalt des Unternehmens, die Investoren wollten es zerschlagen. Weil wir Verluste schrieben, setzten uns die Banken zusätzlich Berater vor die Nase, die jährlich Honorare in Millionenhöhe aus der Firma ­holten. 2006 konnten meine Frau und ich die Investorenanteile der fast insolventen Firma endlich zurückkaufen und diese wieder in eine GmbH umwandeln. Nach harter Arbeit und vielen Leiden sind wir wieder in den schwarzen Zahlen. Ich will nie wieder, dass jemand anders Herr in meinem Hause ist.

Aufgezeichnet von Claus Hornung

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