Jörg Mittelsten Scheids größter Fehler „Ich habe mich nicht schnell genug getrennt“

Jörg Mittelsten Scheid, 73, Teilhaber und Vorsitzender des Beirats der Wuppertaler Vorwerk Gruppe, über die unangenehme Aufgabe, Führungskräften schnell zu kündigen.

Den bedeutsamsten Fehler, den ich gemacht habe, habe ich oft und lange gemacht – acht, neun Jahre, immer wieder. Es gab auch betriebswirtschaftliche Fehler. Zum Beispiel habe ich zwei Fertighausfirmen
dazugekauft. Ich war überzeugt, das können wir gut, Häuser verkaufen, das passt zu uns. Es hat nicht funktioniert, nach ein paar Jahren habe ich das Geschäft beendet, wieder verkauft. Aber, wie gesagt, das war ein betriebswirtschaftlicher Fehler, etwas Normales.

Schlimmer war, dass ich mich immer wieder von Leuten, die ihre Position nicht ausgefüllt haben, nicht schnell genug getrennt habe. Das war nur scheinbar sozial. Menschen, die keinen Erfolg haben, spüren dies meist selbst und sind in ihrer Rolle unglücklich. Es ist zwar schmerzlich, sich von ihnen zu trennen, aber sie haben dann neue Chancen, sich in einem anderen Beruf Erfolg und Freude zu erarbeiten.

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Ich habe hier angefangen, in unserem Familienunternehmen, das unter meinen Vorgängern sehr sozial eingestellt war. Als junger Mann will man das dann ja auch sein. Da habe ich anfangs zu lange an Leuten festgehalten. Das heißt: Ich habe keine Verantwortung für sie übernommen. Denn die Trennung ist immer irgendwann gekommen. Mein langes Zögern und Hoffen, das war weder in meinem Sinne gut noch in dem des Einzelnen. Ich glaube, dieser Fehler kommt in Familienunternehmen oft vor. So was hat mehr Auswirkungen als Fehlinvestitionen in Fertighäuser.


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