Diverses „Ich hatte am falschen Ende gespart“ (Mein größter Fehler, Wendelin von Boch-Galhau)

Wendelin von Boch-Galhau, 66, ehemaliger Vorstandschef von Villeroy & Boch, über eine falsche Produktionsentscheidung und seinen gescheiterten Ausflug ins Möbelgeschäft.

Diese Idee wird mein größter Erfolg,
dachte ich, als ich Tische und Stühle unter
dem Namen Villeroy & Boch auf der Messe
vorstellte. Die Händler drängten sich am
Stand. Die Entwürfe waren toll, klassisches
Antikdesign, kein Gelsenkirchener Barock. Ich
war stolz. Doch nach diesem Tag ging es steil
bergab. Ich beauftragte eine Fabrik in Ungarn
mit der Herstellung, der Chef machte einen
guten Eindruck. Die Italiener, mit denen ich
auch verhandelt hatte, waren mir zu teuer.
Was für ein Fehler! Ich hatte am falschen Ende
gespart. Die Qualität der Möbel schwankte
enorm, auch die Logistik lief schief. Die
Fremdfirma zerkratzte die Tische beim
Transport. Ich hatte Angst, dass sich Kunden
von Villeroy & Boch abwenden. Nach einem
Jahr zog ich die Reißleine.

Bis heute ärgert
mich, dass ich eine gute Idee durch
handwerkliche Fehler kaputt gemacht habe.
Ich hätte im Markt besser recherchieren
müssen. Es war hart, den Ungarn zu sagen, es
ist vorbei. Sie hatten extra neue Maschinen
gekauft und mussten später Insolvenz
anmelden. Manchmal wäre es bequemer, die
Dinge einfach laufen zu lassen. Aber dann
werden aus kleinen Fehlern große. So musste
ich fünf Millionen Euro abschreiben statt
vielleicht 50 Millionen zu einem späteren
Zeitpunkt. Ich trug eine Narbe davon, aber
wenn man zu einem Fehler steht, erhält man
sich seine Glaubwürdigkeit. Meiner Karriere hat
es jedenfalls nicht geschadet.

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Aufgezeichnet von Antonia Götsch

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