Diverses „Ich hätte einen strategischen Preis bieten müssen“ (Mein größter Fehler, Hermann Bühlbecker)

Hermann Bühlbecker, 59, Chef der Aachener Printenfabrik Henry Lambertz, über einen geplatzten Deal und harte Konkurrenten.

Es hätte funktionieren können: Im Frühjahr 1992 rief mich der damalige Geschäftsführer des Gebäckspezialisten Kinkartz an. Die Familie wollte die Firma verkaufen. Das passte mir bestens ins Konzept. Denn plötzlich hatte ich die Chance, meinen größten Wettbewerber auf dem Printenmarkt zu übernehmen. Jenes Unternehmen, das sich 16 Jahre zuvor meine Firma hatte einverleiben wollen.

Während der anschließenden Verhandlungen bot ich einen fairen Preis, der einem Vielfachen des Jahresergebnisses entsprach. Leider hatte ich mich verkalkuliert, denn Südzucker bot mehr und machte das Rennen. Ich stand plötzlich mit einem geplatzten Deal vor einem noch größeren Konkurrenten. Der war nicht nur im Süden Deutschlands mit den Konzerntöchtern Haeberlein-Metzger und Schöller stark, sondern jetzt auch im Westen. Mein Fehler: Ich hätte einen höheren, strategischen Preis bieten müssen. Diese Niederlage hat mich sehr geärgert.

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Zwar habe ich später die Lebkuchenfabrik Max Weiss in Neu-Ulm gekauft und Anfang 1999 schließlich Kinkartz von Südzucker, die mir zudem noch Haeberlein-Metzger vermachten. Am Ende des Tages habe ich also meinen einstigen Widersacher geschluckt. Doch Kinkartz war mittlerweile von einer anderen Werthaltigkeit als Anfang der 90er-Jahre.

Aufgezeichnet von Rudolf Kahlen

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