Michael Kletts größter Fehler „Ich hatte keine Ahnung vom Anzeigengeschäft“ (Mein größter Fehler, Michael Klett)

Michael Klett, 71, ehemaliger Vorstandsvorsitzender der Ernst Klett AG, über seinen gescheiterten Ausflug ins Privatradiogeschäft.

Schulbücher, dachte ich, sind ein todsicheres Geschäft. Kinder gibt es ja immer. Doch Mitte der 80er-Jahre brachen die Schülerzahlen ein. Für einen Schulbuchverlag wie Klett war das eine Katastrophe. Ich
suchte verzweifelt einen Ausweg, ein neues Geschäftsfeld.

Damals kam in Deutschland gerade der private Rundfunk auf. Das war eine richtige Goldgräberstimmung, alle wollten dabei sein. Ich auch. Für mich war das eine Situation wie bei einem Spieler, der alles auf eine letzte Karte setzt. Ich kaufte in Baden-Württemberg vier Regionallizenzen
und baute die Sender auf. Aber ich hatte keine Ahnung vom Anzeigengeschäft. Wir waren zu klein, die Werbekunden nahmen uns nicht ernst. Nach zwei Jahren zog ich die Reißleine. Da waren zehn Millionen D-Mark in den Sand gesetzt.

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Ich habe in meinem Leben schon viele Fehler gemacht, aber dies war der allerdümmste. Er hat auch meine Autorität im Unternehmen beschädigt. Ich habe mich dann dazu durchgerungen, den Fehler offen
zuzugeben – das war der Beginn einer neuen Fehlerkultur bei Klett. Seitdem werden alle Flops analysiert und aufgearbeitet. Das tut manchmal richtig weh, aber man reift nur an Fehlern. Die eine D-Mark, die mir der Käufer der Lizenzen damals über den Tisch geschoben hat, liegt noch heute in der Schublade meines Schreibtischs. Sie erinnert mich daran, einen solchen Fehler nicht noch mal zu machen.


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