Diverses „Ich konnte nicht hart um eine Lösung ringen“ (Mein größter Fehler, Hans G. Beckmann)

Hans G. Beckmann, 61, Vorstandsvorsitzender der Porzellanfabrik BHS Tabletop, über sein missglücktes Engagement in Asien.

Anfang des Jahrtausends kam mir die folgenschwere Idee, ich müsste als Weltmarktführer für Profi-Porzellan auch im asiatischen Billigmarkt mitmischen. Nach langer Suche beteiligte ich mich in Bangkok an einer Manufaktur für Vitreous China, eine einfache Ausführung von Porzellan. Es war ein Joint Venture, an dem ich 25 Prozent hielt. Mir ging es um günstige Kosten, den chinesischen Inhabern um eine Partnerschaft mit einem Premiumunternehmen aus Europa.

Zwei Jahre dauerten die Vorbereitungen, besonders die Zusammenarbeit mit den Ingenieuren lief hervorragend. Doch kaum waren wir auf dem Testmarkt USA gestartet, begannen die Probleme. Qualität, Logistik, Kommunikation – nichts stimmte. Wenn Sie Teller und Tassen mit Blasen und schwarzen Flecken ausliefern, vielleicht sogar die falschen und dies nicht einmal rechtzeitig, etwa zu einer Hoteleröffnung, dann sind Sie Ihre Kunden los. Schlimmer noch: Plötzlich wurden die Souveränität und die Verlässlichkeit der Muttergesellschaft infrage gestellt. Wir wurden in Sippenhaft genommen.

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Zwei weitere Jahre versuchte ich, die Probleme vor Ort zu lösen. Aber ich konnte mit dem Management nicht hart um eine Lösung ringen. Man redet in Asien nicht Klartext wie in Europa. So blieb 2005 nur die Trennung mit Verlust. Von Auslandsabenteuern habe ich mich verabschiedet. Die Automatisierung ist so weit fortgeschritten, dass wir heute deutlich günstiger herstellen können. „Made in Germany“ hat immer noch seinen Wert.

Aufgezeichnet von Helmut Monkenbusch

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