Diverses „Ich vertraue den Menschen viel zu sehr“ (Mein größter Fehler, Axel Leysieffer)

Axel Leysieff er, 66, Schokoladenfabrikant, über Nachfolge, Harmoniesucht und die Trennung von seinem besten Freund.

Ich traute meinen Ohren nicht. Mein bester
Freund zog vor den versammelten Beiräten der
Firma über meinen Sohn her. Der sei nicht geeignet,
meine Nachfolge bei Leysieffer anzutreten,
solle sich erst mal woanders beruflich
bewähren und dort die Hörner abstoßen. Das
sagte ein Mann, der meinen Sohn zuletzt vor
18 Jahren gesehen und gesprochen hatte. Die
Enttäuschung war riesig. Sie konfrontierte
mich wieder einmal mit meinem größten
Fehler:
Ich vertraue den Menschen viel zu sehr.

Als es Ende der 90er-Jahre nach einer größeren
kreditfinanzierten Investition darum
ging, auf Wunsch unserer Bank einen Beirat ins
Leben zu rufen, wollte ich jenen vermeintlichen
Freund dabei wissen. Seine Reaktion: Er
mache gern in dem Gremium mit und würde
sich voll für das Unternehmen einsetzen. Das
glaubte ich auch. Die Expertenrunde sollte die
Eigenkapitalausstattung der Firma im Auge
behalten und bei der Unternehmensnachfolge
beraten.

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Normalerweise versuche ich alles im
Guten zu regeln, bin sehr auf Harmonie aus.
Nach der schockierenden Sitzung aber setzte
ich alles daran, den Kredit rasch zu tilgen und
den Beirat aufzulösen. Mit meinem ehemaligen
Freund habe ich nichts mehr zu tun. Heute
leitet mein Sohn sehr erfolgreich die Firma auf
seine Art, und ich beschränke mich auf die
Entwicklung und Erhaltung neuer Produkte.
Mit dem Fehler, anderen zu viel zu vertrauen,
hadere ich immer noch.

Aufgezeichnet von Rudolf Kahlen

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