Diverses IG Metall diffamiert unliebsame Konkurrenz

Eine "schmuddelige Billignummer" schimpft Gewerkschafts-Vize Jürgen Peters den Zeitarbeitstarif der christlichen Gewerkschafter. Für Unternehmer ist der bundesweit erste Flächentarif für die Branche hoch interessant.

Der Streit um den ersten Flächentarifvertrag für die Zeitarbeitsbranche eskaliert. Eine »schmuddelige Billignummer« schimpfte IG Metall-Vize Jürgen Peters heute den Zeitarbeitstarif des Christlichen Gewerkschaftsbunds (CGB). Und zweifelte indirekt sein Recht an, überhaupt Tarifverträge abschließen zu dürfen: »Hinterzimmerbeschlüsse von fragwürdigen Vereinen« schadeten Firmen wie Arbeitnehmern, wütete der potenzielle Zwickel-Nachfolger. Der Leiter der CGB-Tarifkommission Zeitarbeit, Gunter Smits, warf Peters im Gegenzug einen «geistigen Aussetzer» vor. Er kenne den Tarifvertrag gar nicht und könne deshalb nicht darüber urteilen.

Anlass für Peters verbale Übergriffe ist der heute zwischen dem CGB und der Interessengemeinschaft Nordbayerischer Zeitarbeitsunternehmen (INZ) abgeschlossene Tarifvertrag – der erste überhaupt. Das Regelwerk, das für 150 Unternehmen der Branche gelten wird, sehe Dumpinglöhne vor, die einen dramatischen Drehtüreffekt zu Lasten der Stammbelegschaften bewirken, kritisierte Peters. Er forderte gar Betriebsräte und Arbeitgeber in den Entleihbetrieben auf, Zeitarbeitsunternehmen, die mit dem CGB einen Tarifvertrag abgeschlossen hätten, zu boykottieren.

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Der tiefere Grund für die IG Metall-Kritik ist aber eher darin zu suchen, dass sie derzeit selbst gemeinsam mit dem Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) und Verdi einen eigenen Tarifvertrag für die Zeitarbeitsbranche verhandeln. In den Gesprächen mit dem Bundesverband Zeitarbeit konnten sich Gewerkschaften und Arbeitgeber zwar letzten Freitag auf Eckpunkte einigen. Ein Abschluss steht aber noch aus. Mit dem heute abgeschlossenen Tarifvertrag ist es dem CGB somit gelungen, als erste Gewerkschaft das bislang noch unbestellte Feld zu besetzen.

Das bestätigte auch CGB-Gewerkschafter Smits. Im Gespräch mit der Nachrichtenagentur AP zeigte er sich zuversichtlich, dass dieser erste bundesweite Flächentarifvertrag dem Arbeitgeberverband INZ regen Zulauf von Unternehmen verschaffe.

Der Vertrag unterteilt sich nach Angaben von Smits wie folgt: Neben einem ab 1. März bis 30. Juni 2004 geltenden Entgelttarifvertrag sind ein Mantel- und je ein Entgeltrahmentarifvertrag für Ost- und Westdeutschland abgeschlossen worden. Die Entgelttarifverträge sehen neun Lohn- und Gehaltsgruppen vor, Langzeitarbeitslose und schwer vermittelbare Zeitarbeiter werden in eine eigene Gruppe eingestuft.

Besonders heftig von den DGB-Gewerkschaften kritisiert und für Unternehmer hoch interessant: Auf das gesetzlich im Grundsatz festgelegte Prinzip der gleichen Bezahlung von Zeitarbeitern und Stammbelegschaft („Equal Pay“) ist bewusst verzichtet worden.

Derzeit vertritt die INZ nach eigenen Angaben Firmen mit insgesamt rund 10000 Zeitarbeitern. Der Christliche Gewerkschaftsbund (CGB) vertritt insgesamt rund 300000 Mitglieder.

Weitere Informationen unter:

http://www.igmetall.de

http://www.dhv-cgb.de

http://www.inz-ev.de

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