Diverses Illegaler Datenhandel: Todestoß für eine Branche?

Der Skandal um illegal erworbene Daten hat die Branche der Adresshändler in Verruf gebracht: Jahrelang boomte der Markt - und lockte auch zwielichtige Firmen an. Jetzt sollen strengere Gesetze her. Doch sie könnten den Todesstoß für die gesamte Branche bedeuten - auch für die legalen Anbieter.

Der Skandal um den illegalen Handel mit persönlichen Daten hat die Republik aufgeschreckt. Wem kann man noch trauen? Wo sicher einkaufen? Damit gerät eine Branche ins Zwielicht, die bisher recht unbehelligt agieren konnte: Unternehmen, die legalen Handel mit Adressen treiben.

Die Händler sind die Rohstofflieferanten im Direktmarketing – dem größten Segment des deutschen Werbemarkts. Sie generieren, filtern und vermitteln anderen Unternehmen Kontakte für eine persönliche Kundenansprache – gezielt nach dem Bedarf des Werbenden und oft ohne ausdrückliche Zustimmung des Verbrauchers.

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Nach dem Willen vieler Politiker soll das bald verboten sein. Bundesjustizministerin Brigitte Zypries schwebt dabei eine sogenannte Opt-in-Regelung vor: „Damit Daten zulässig weitergegeben werden dürfen, muss man vorher ausdrücklich und schriftlich eingewilligt haben.“ Die Datenhändler sind alarmiert: „Wenn das kommt, wäre das der Todesstoß für unsere Branche“, fürchtet Bernd Döscher, Geschäftsführer des Adressbrokers Indima Direct. Bisher gilt: Es darf so lange gehandelt werden, bis der Verbraucher widerspricht.

Unübersichtliche Branche

Die Aufregung ist verständlich, denn der Adressenmarkt ist in den vergangenen Jahren stark gewachsen. Im Jahr 2006 lag der Anteil am Werbemarkt laut dem Direktmarketing Monitor der Deutschen Post mit rund 50 Milliarden Euro bei 71 Prozent – 2002 betrug der Wert noch insgesamt 29 Milliarden Euro. Am beliebtesten sind persönlich adressierte Postsendungen, gefolgt vom Telefon- und E-Mail-Marketing. Für all diese Kanäle muss der Werbende aber wissen, wer ein potenzieller Kunde ist, wie er heißt und wie er ihn erreicht.

Der jüngste Skandal in dem Lübecker Callcenter hat nun offenbart, wie heikel die Ware auf dem Datenmarkt doch ist, welche Grauzonen es gibt – und wie bunt es mitunter getrieben wird: Weil er das Geschäftsgebaren seines Chefs nicht mehr mit seinem Gewissen vereinbaren konnte, übergab der Mitarbeiter Detlef Tiegel den schleswig-holsteinischen Datenschützern eine CD mit 17.000 Kundendaten – samt Kontoverbindungen. Doch es ist nur ein Fall unter vielen.

Datenschützer vermuten, dass es im Internet von jedem Vierten die Kombination aus Name, Adresse und Kontonummer zu kaufen gibt. In einem fingierten Geschäft erwarb etwa der Verbraucherzentrale Bundesverband sechs Millionen Datensätze, davon vier Millionen mit Kontodaten, für 850 Euro auf dem Schwarzmarkt.

Die Branche der Datenhändler ist unübersichtlich. Neben wenigen großen Anbietern wie der Schober Information Group, der Bertelsmann-Tochter AZ Direct und dem US-Konzern Acxiom tummeln sich nach Angaben des Chaos Computer Clubs rund 1300 Händler auf dem deutschen Markt – die den Großteil der Umsätze unter sich aufteilen. Das enorme Wachstum der vergangenen Jahre hat allerdings immer mehr schwarze Schafe angelockt, die mit Daten zweifelhafter Herkunft zu Niedrigpreisen auf den Markt drängen und den Großen das Geschäft schwer machen.

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