Diverses Im Abstiegskampf

Leidet Deutschlands Industrielobby nur an Personalquerelen? Nein. Der Bedeutungsverlust ist chronisch auf allen Ebenen.

Es sind die kleinen Geschichten, die vom Abstieg erzäh­len. Das Umweltministerium will die Stimmung für die Reform der Verpackungsverordnung ausloten. Unternehmen und Interessenvertreter von Rang und Namen sind im Sommer mehrmals nach Bonn geladen.

Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) ist nicht dabei. Er hat auch eigentlich nichts zu sagen. Die Entsorger unter seinem Dach sind für eine Stärkung des Dualen Systems, die Mitglieder von Automobil und Chemie halten davon gar nichts. „Diese Wischiwaschi-Haltung des BDI merkt auch das Ministerium“, klagt Rainer Cosson, Geschäftsführer des Entsorgerverbands. Ihn wurmt, dass er ein paar hundertausend Euro für die Mitgliedschaft im Dachverband zahlt, und aus seiner Sicht nun faktisch null Unterstützung bekommt. Im August schließlich darf auch der BDI im Ministerium vorsprechen.

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Übergangen, überholt, überflüssig: Es ist nicht gut bestellt um die einst stolze Industrielobby, die 36 Fachverbände vertritt. Für wen und für was sprechen Präsident Jürgen Thumann und seine Funktionäre eigentlich? Und wer hört intensiv hin? „Der BDI hat noch keine überzeugende Antwort gefunden auf die strukturellen Veränderungen um ihn herum“, sagt der Regensburger Verbandsexperte Martin Sebaldt.

Zeichen der Schwäche

Die Identitäts- und Existenzkrise offenbart sich hinter verschlossenen Ministeriumstüren und jüngst auch in dem Umgang mit Schlagzeilen des Boulevards. Ein offener Brief von zwei Thumann-Vorgängern genügte, um die Bestellung des Politikers Norbert Röttgen als Hauptgeschäftsführer zu kippen. „Einen solchen Angriff hätte das Präsidium früher mit Leichtigkeit abgewehrt“, sagt ein Top-Funktionär.
Der BDI als Cheflobbyist der Wirtschaft? An der Basis findet der Name nur noch begrenzt Widerhall, wie
eine exklusive Forsa-Umfrage unter Mittelständlern zeigt. Die meisten glauben, dass der Verband an Macht verloren hat und weit weg von Unternehmerinteressen agiert. Noch schlimmer wiegt, dass gut ein Drittel der Befragten gar keine Meinung mehr zum BDI hat. „Desinteresse und Achselzucken sind die Höchststrafe für einen Verband, der sich an der Spitze der Bewegung wähnt“, sagt Forsa-Chef Manfred Güllner. Dass Präsident Thumann im Unternehmerlager weitgehend unbekannt ist, passt da nur ins Bild.

Den vollständigen Artikel können Sie in der impulse-Ausgabe 10/2006, Seite 30, nachlesen.

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