Diverses In besten Händen

Gute Hotels wecken Emotionen, erfreuen mit souveränem Servicestil und bieten ein Maximum an Wahlmöglichkeiten. Der große impulse-Vergleich zeigt, wo Sie das in Deutschland finden.

Wenn er einem die Hand entgegenstreckt und die Gäste in der Lobby seines Reiches an der Binnenalster begrüßt, dann wird sofort klar: Der Hoteldirektor ist nicht erst seit kurzem hier und auch nicht erst seit ein paar Wochen an der Spitze. Ingo Peters und sein Raffles Hotel Vier Jahreszeiten sind eine Hamburger Institution – und zwar eine äußerst begehrte.

Zu den Gewinnern
Hier geht’s zu den besten Hotels in Deutschland. Mit umfangreichen Bildergalerien der top-platzierten Häuser und allen Links.

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An Wochentagen erfüllen vorwiegend Geschäftsreisende die weitläufigen Hallen mit Leben und Glanz, wochenends brummt das Grandhotel dank privaten Hamburg-Besuchern. Für die Hotelgäste ist das Vier Jahreszeiten ein Schaufenster auf die Stadt, für die Einheimischen eine Schnittstelle zur großen, weiten Welt.

Keinem anderen Hotel in Deutschland gelingt derzeit die Symbiose von Tradition und Moderne besser, keines verbindet historisches Flair so souverän mit zeitgemäßem Service, und die Zahlen stimmen auch: Während vergleichbare Häuser zwischen Berlin und Baden-Baden Jahr für Jahr Millionenverluste einfahren, ist das Vier Jahreszeiten ein hochrentabler Betrieb.

Die besten Noten verdient sich der diesjährige Primus in der Kategorie der „Großen Geschäftshotels“ quer durch alle fünf Bewertungssäulen: Das Haus genießt höchstes Ansehen bei Reiseprofis, Travel-Managern, führenden deutschen Hoteliers und kritischen Hotelgästen.

„Der anspruchsvolle Geschäftsreisende von heute sucht die Grandeur eines Traditionshotels verbunden mit neuester Technologie und attraktiven Spa- und Fitnesseinrichtungen“, sagt Stephan Interthal, Hausherr im zweitplatzierten Adlon Kempinski. Ein Blick auf die Hotel-Ranglisten zeigt: Die Mehrheit der topgelisteten Stadtherbergen hat historische Wurzeln. Die Zukunft der deutschen Hotellerie liegt in der Vergangenheit – und in der Erfüllung moderner Service-Erwartungen.

Die Ansprüche der Gäste haben sich in den letzten Jahren radikal gewandelt, weil die Definition von „Luxus“ stark im Fluss ist. Die Reisenden der Oberklasse erwarten heute von einem Luxushotel weder weihevolles Sechs-Sterne-Brimborium noch gestelzte Servicebrigaden, dafür aber ungekünstelte Freundlichkeit, eine gewisse Leichtigkeit des Seins und viele Wahlmöglichkeiten. „Zu jeder Zeit an jedem Ort alle Möglichkeiten haben“, lautet nach Ansicht von Interthal die Lebensdevise der neuen Gästegeneration.

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Auch die Luxushotelgruppe Ritz-Carlton – in der Wertung auf den Rängen 4 (Wolfsburg) und 5 (Berlin) vertreten – ist sehr darauf bedacht, das Verhalten der Mitarbeiter an die neuen Erwartungen anzupassen. Der einstige Grundsatz, das ganz spezifische Ritz-Lebensgefühl mit streng reglementierten, praktisch in Stein gemeißelten Service-Standards durchzusetzen, hat einem gesunden Maß an Souveränität und Eigenverantwortung Platz gemacht.

Die Mitarbeiter schweben nicht mehr in rituellen Vornehmheiten nach Maßgabe des Hotelpioniers César Ritz, sondern genießen einen weit reichenden Navigationsfreiraum und versuchen, dem Gast respektvoll auf gleicher Augenhöhe gegenüberzutreten – natürlich immer im Hinterkopf, dass dieser nachher die Rechnung bezahlt.

„Uns ist es lieber, wenn ein Mitarbeiter auf seine eigene Art freundlich ist, als wenn er dem Gast mit austauschbaren Floskeln begegnet“, sagt Rainer Bürkle, Deutschland- und Russland-Chef von Ritz-Carlton. „Denn Eleganz ohne Wärme ist Arroganz.“ Ob es nun um den Trolley-Koffer geht, den der Gast vielleicht lieber selber aufs Zimmer rollen will, oder um den Teller, der im Restaurant von links statt von rechts serviert wird, um die Tischrunde nicht zu stören, entscheidend ist immer die Frage: Was ist für den Gast relevant?

„Unsere Crew ist darauf sensibilisiert, selbständig und situationsabhängig zu entscheiden, welche Form des Umgangs am geeignetsten ist“, sagt Bürkle und ergänzt: „Exzellenter Service bemisst sich nicht mehr danach, was man bereit ist zu geben, sondern was der Gast erwartet – alles was darüber hinaus geht, wird heute schnell als störend oder sogar als lästig empfunden.“

Ein Newcomer wirkt derzeit stilbildend in der städtischen deutschen Hotelwelt und erhöht den Druck auf die Konkurrenz: die Villa Kennedy (Rang 3) in Frankfurt. Sie befindet sich in der Pacht des englisch-italienischen Privathoteliers Sir Rocco Forte und ist trotz hohen Ansprüchen an Design und Servicekultur weder schrill noch aufdringlich, sondern setzt auf smartes Understatement und kultiviert das Feingefühl für Aufmerksamkeit.

Gute alte Schule im zeitgemäßen Gewand bieten das Louis C. Jacob (Rang 7) in Hamburg und der Nassauer Hof (9) in Wiesbaden. Das Erfolgsrezept beider Hotelklassiker liegt in der Mischung aus außerordentlicher Beständigkeit und kontinuierlicher Vorwärtsstrategie.
Für die Berliner Designklassiker Grand Hyatt (6) und The Mandala (10) sowie für das Hamburger Trendquartier East (8) zahlt sich aus, dass sie die Vorzüge von wegweisenden Designhotels mit der Ernsthaftigkeit gewachsener Grandhotels vereinen, also sowohl mit frischen Interieurs und besonders schönen Details überraschen als auch mit kunstvollem, persönlichem Service erfreuen. Umgekehrt laufen die meisten Designhotels große Gefahr, rasch Ermüdungserscheinungen zu zeigen. Alle fünf bis acht Jahre müssen sie rundum erneuert werden, um den aktuellen Nerv zu treffen.

Kleine, feine Geschäftshotels

Insbesondere in der Kategorie der kleinen Geschäftshotels gehören Arbeit und Lebenskunst untrennbar zusammen. Ganz besondere Wohnerlebnisse und Genussmomente bietet der erstplatzierte Brandenburger Hof in Berlin. Was Besitzerin Daniela Sauter aus dem herrschaftlichen Stadtpalais mit dem begrünten Hofgarten gemacht hat, lässt keinen kalt.

Die subtil moderne Innenarchitektur besticht in allen Räumlichkeiten und strahlt Leichtigkeit, Balance und Ruhe aus. Hier checkt man nicht ein, hier kommt man an. Dem Team merkt man an, dass es aus Menschen mit einer echten Leidenschaft für das Bessere besteht: Spezialwünsche werden nie als Belästigung, sondern als Herausforderung betrachtet.

Auch ein Aufenthalt im Mandarin Oriental München, Platz 2 in der Capital-Wertung, adelt die Geschäftsreise zum kultivierten Erlebnis im Herzen der Stadt, und die Zimmer und öffentlichen Räume bieten das, wovon der ermattete Erfolgsmensch träumt.

Von den kleineren Tagungshotels sind einige auf der Gewinnerseite, die im klassischen Sinn gar keine Tagungshotels sind. Wer zum Tagen ins Schlosshotel Münchhausen (Rang 3) im niedersächsischen Aerzen oder ins Kloster Hornbach (4) im Zweibrücker Land kommt, sucht mehr als hochwertige Seminarmöglichkeiten. Wer hierher reist, bucht die besondere Ausstrahlung, die Verweilatmosphäre, die diesen Orten innewohnt. An Wochenenden füllen Erholungssuchende die Zimmer – mehrheitlich regeneriert aus zufriedenen Business-Gästen, die auf eigene Rechnung wiederkommen.

Bei den expliziten Tagungshotels gewinnt der Faktor Natur an Bedeutung für eine erfolgreiche Veranstaltung, ebenso die Architektur und der Service. Ästhetisch gestaltete Kommunikationsorte mit direktem Naturanschluss und tadelloser Betreuung wie etwa Schloss Marbach (6) am Bodensee oder das Hotel Hofgut (7) in Oberschwaben bieten Tagungsgruppen die Möglichkeit, sich in einzigartigem Ambiente vom Alltag zurückzuziehen und dabei gedankliche Lichter anzuzünden.

Auf der nächsten Seite lesen Sie, welche „Großen Ferienhotels“ es in die Top Ten geschafft haben.

Große Ferienhotels

Geht es in der Welt der Ferienhotellerie um Konkurrenten, kommt die vernichtende Formel leichter über die Lippen als ein Lob. Trotzdem anerkennen selbst die Mitbewerber von Hermann Bareiss, dass das, was er aus seinem gleichnamigen Hotel in Baiersbronn macht, tatsächlich außergewöhnlich ist. Das Bareiss, wiederholte Nummer eins unter den großen Feriendomizilen, steht für Konstanz auf höchstem Niveau ebenso wie für authentisch charmante Mitarbeiter, die darauf sensibilisiert sind, immer so zu handeln, als würden sie Gäste bei sich zu Hause verwöhnen und sich um sie sorgen.

Während heute die meisten Luxushäuser von Managern geführt werden, spürt man hier, dass da eine Seele ist, eine Kraft, eine Philosophie, die leidenschaftlich gelebt und perfektioniert wird. Der charismatische Herbergsvater nähert sich täglich der Perfektion und sorgt mit Stil, IQ und atemloser Großzügigkeit dafür, dass sein Hotel nicht nur ihn
überrascht, sondern auch seinen Gästen eine unvergessliche Freude bereitet.

Im gleichen Ort im schwarzwäldischen Niemandsland, wo weder richtige Berge noch Badestrände noch kulturelle Highlights locken, gewinnt die Traube Tonbach an neuer Durchschlagskraft und stößt auf den zweiten Rang vor. Auch hier spürt der Gast, was es heißt, in einem inhabergeführten Hotel zu logieren. „Ab einem gewissen Luxus-Standard kann sich ein Hotel nur noch durch seine Seele unterscheiden“, sagt Hausherr Heiner Finkbeiner. Denn das Wichtigste in einem Hotel kann man weder anfassen noch gar messen, sondern nur fühlen: Gastfreundschaft und Geborgenheit.

Mit auf dem Siegerpodest steht das Kempinski Grand Hotel Heiligendamm. Die Exklusivität des Drittplatzierten zeigt sich in der einmaligen Verbindung von Architektur und Natur. Der vierte und fünfte Rang in der Kategorie der großen Ferienparadiese gehen wiederum an zwei inhabergeführte Hotels: die Sonnenalp im Allgäu und das Zur Bleiche Resort & Spa im brandenburgischen Spreewald. Erstere setzt auf ein unerschöpflich scheinendes Freizeit- und Wellnessangebot für drei Gäste-Generationen, die hier in einem perfekten Neben- und Miteinander urlauben können. Letzteres definiert die Begriffe Landhaus und Luxus neu und sorgt mit Power, Sexappeal und Charme für ein Hotelerlebnis abseits jeder Konvention.

Im Aufwind befinden sich das A-Rosa Travemünde (Rang 7) an der Ostsee und das Parkhotel Adler (9) im Schwarzwald. Beide zeigen auf ganz individuelle Weise auf, wie man historische Mauern mit neuem Leben erfüllt und bis ins Detail wohnlich macht. Das InterContinental Resort Berchtesgaden (Rang 8) und das Dorint Sofitel Seehotel Uberfahrt (10) am Tegernsee bleiben in der Oberliga, auch wenn sie je einen Rang nach hinten rutschten.

Der große Verlierer ist das Schlosshotel Bühlerhöhe (23) bei Baden-Baden, das in der Vergangenheit feststeckt. Zimmer und Korridore bedürfen einer dringenden Renovation, die Service-Leistungen bewegen sich derzeit auf provinziellem Niveau. Warum der Besitzer, SAP-Gründer Dietmar Hopp, scheinbar tatenlos dem freien Fall der Hotellegende zusieht, versteht keiner in der Branche. Umso mehr, da Hopp bei seinem zweiten Hotelbesitz, dem südfranzösischen Four Seasons Hotel Provence at Terre Blanche, keine Kosten und Mühen scheut, weltbeste Spitzenadressen zu übertreffen.

Kleine Ferienhotels

Nachdem das Fährhaus Sylt im Vorjahr bereits den zweiten Rang in der Kategorie der kleinen, feinen Ferienhotels errang, hat das idyllisch am Munkmarscher Hafen gelegene Hotel diesmal den ersten Platz erreicht. Der viktorianische Bau von 1880 und die neuzeitlichen Erweiterungsbauten in ambitionierter Architektur fügen sich zu einem einladenden Ensemble, das eine fast mediterrane Leichtigkeit ausstrahlt. Die Küche ist spezialisiert auf Schmackhaft-Schwereloses, der Wellnessbereich empfängt mit heiterem Verweilambiente, die hochmotivierten Mitarbeiter bezaubern spielerisch ihre Gäste.

Aus regionaler Sicht hat Norddeutschland aufgeholt, der süddeutsche Raum etwas an Boden verloren. Glänzten vor einem Jahr das rheinländische BollAnt’s im Park (4) und die beiden mecklenburgischen Kleinode Seehotel am Neuklostersee (7) und Burg Schlitz (10) als aufstrebende Rückzugsorte, zählen zu den diesjährigen „Abräumern“ das Landhaus Stricker (2) und das Dorint Sofitel Söl’ring Hof (9) auf Sylt, das Vitalhotel Alter Meierhof (3) an der Flensburger Förde, das Villino (5) am Bodensee und das Meerlust (8) in Zingst.

Ihnen gemeinsam ist ein Gespür für zeitgemäße Behaglichkeit und eine liebevolle Hinwendung zum Detail. Alle Betriebe in den Top Ten haben nur ein Problem: Sie sind meistens ausgebucht. Aber das ist ein Problem, das wohl jedes Hotel gerne hätte.

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