Diverses In eigener Sache: „Turnarounder des Jahres 2013“ gekürt

Ein Turnaround ist eine der größten unternehmerischen Leistungen überhaupt. In Berlin wurden Silvia Reschke, Geschäftsführerin von Reschke Schweißtechnik, und Rainer Mayer und Josef Kleebinder, Geschäftsführer des Strickmaschinen-Herstellers Mayer und Cie. als "Turnarounder des Jahres 2013" ausgezeichnet.

Silvia Reschke vom Baggerschaufelhersteller Reschke Schweißtechnik aus Maintal sowie Rainer Mayer und Josef Kleebinder vom Rundstrickmaschinen-Hersteller Mayer & Cie. aus Albstadt sind die „Turnarounder des Jahres 2013“. Im Rahmen einer festlichen Ehrung in der Berliner Bertelsmann-Repräsentanz erhielten die erfolgreichen Sanierer die Auszeichnung, die seit 2006 von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft BDO und impulse vergeben wird.

Jedes Jahr zeichnet eine hochkarätige Jury aus Wissenschaft und Praxis Unternehmer und Manager aus, die ihre Firma mit einer intelligenten Strategie nachhaltig aus einer existenzbedrohenden Krise herausgeführt und im Kern erhalten haben. „Ein nachhaltiger Turnaround ist eine der anspruchsvollsten Managementaufgaben überhaupt“, sagte Jury-Mitglied Dr. Arno Probst von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft BDO. Er plädierte dafür, eine „positive Turnaround-Kultur“ zu entwickeln: „Positiv in dem Sinne, dass man nicht schon öffentlich das Scheitern antizipiert, sondern bei glaubwürdigen Personen mit glaubhaften Maßnahmen den Turnaround auch öffentlich zulässt.“

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Die Auszeichnung soll daher auch die persönliche Leistung der Krisenmanager würdigen. „Hinter einem erfolgreichen Turnaround steht immer eine starke Unternehmerpersönlichkeit, die eine Vision hat, von der sie selbst überzeugt ist, von der sie aber vor allem auch andere überzeugen kann“, sagte der Juryvorsitzende Professor Dr. Hans-Jürgen Kirsch von der Universität Münster. „Gerade in Deutschland, wo Scheitern traditionell als Makel gilt, ist es wichtig, an herausragenden Beispielen zu zeigen, wie sich Krisen überwinden lassen“, sagte impulse-Chefredakteur Dr. Nikolaus Förster.

Die Preisverleihung erfolgte im Rahmen einer exklusiven Abendveranstaltung mit rund 200 Gästen im Anschluss an die impulse Management-Konferenz „Risiken erkennen, Krisen meistern – Strategien für erfolgreiche Turnarounds“ am 22. Oktober 2013 in der Bertelsmann Repräsentanz in Berlin. Die Festrede hielt Stefan Messer, CEO der Messer Group.

 

Die Preisträger

In diesem Jahr wurde der „Turnarounder des Jahres” in zwei Größenklassen vergeben. Preisträger in der Kategorie Unternehmen bis 200 Mitarbeitern ist Silvia Reschke, die Geschäftsführerin der Reschke Schweißtechnik GmbH, ein Baggerschaufelhersteller aus Maintal. Silvia Reschke musste in den letzten acht Jahren gleich zwei Mal einen Turnaround schaffen. Beim ersten Mal, 2005, hatte sie gerade ihr BWL-Studium beendet. Da drohte die Hausbank der Firma ihres Vaters, die Kredite zu kündigen, wenn nicht der Generationenwechsel eingeleitet wird. Über Jahre hatte das Unternehmen immer wieder Verluste geschrieben, es gab einen immensen Investitionsstau, die Liquiditätslage war extrem angespannt. In dieser Situation übernahm Silvia Reschke das Unternehmen.

Die junge Geschäftsführerin verhandelte mit den Lieferanten, verflachte die Hierarchien, führte ein tagesaktuelles Controlling ein und brachte die Firma 2007 wieder in die Gewinnzone. Wenige Monate später allerdings sorgte die Weltwirtschaftskrise für rapide einbrechende Umsätze. 2009 waren die monatlichen Verluste teilweise sechsstellig. Eine der Hausbanken wollte das Unternehmen sofort abwickeln, es fehlten 400.000 Euro Liquidität. Doch Reschke gelang es mit einem Aktionsplan, die Bürgschaftsbank Hessen für sich zu gewinnen. Mit der Ausfallbürgschaft im Rücken erhielt die Firma schließlich einen Kredit. Mit Hilfe von harten Einsparungen, Kurzarbeit und einer großen Transparenz gegenüber den Banken schaffte es das Unternehmen durch die Krise. Seit März 2010 schreibt Reschke wieder durchgängig schwarze Zahlen, in den vergangenen beiden Jahren lag der Gewinn bei rund 250.000 Euro – höher als je zuvor.

 

In der Kategorie Unternehmen bis 750 Mitarbeiter wurden Rainer Mayer und Josef Kleebinder ausgezeichnet, die Geschäftsführer der Mayer & Cie. GmbH & Co. KG, einem Hersteller von Rundstrickmaschinen in Albstadt. Als das Unternehmen in eine Schieflage geriet, waren radikale Schritte die letzte Rettung. Lange Zeit kaschierte eine gute Auftragslage die strukturellen Defizite bei dem Maschinenbauer. Als 2009 die Zahl der Bestellungen einbrach, nutzte das Unternehmen eine Planinsolvenz für eine Schrumpfkur: Abteilungen wurden zusammengelegt, das Angebot reduziert, der Vertrieb verschlankt.

Etwa die Hälfte der rund 500 Mitarbeiter in Baden-Württemberg wurde entlassen – dafür kaufte Mayer & Cie. ein Werk in Tschechien zu. Schritte, zu denen sich die Eigentümerfamilie Mayer erst unter Anleitung des neuen Geschäftsführers Kleebinder durchringen konnte. Die verbliebenen Mitarbeiter verzichteten auf Zusatzzahlungen, die Gläubiger auf viele Millionen; doch die Anstrengungen lohnten sich. Im Oktober 2010 endete das Insolvenzverfahren, 2012 verzeichnete das Unternehmen einen Jahresgewinn von 4,6 Millionen Euro und wächst seitdem. Seit der Insolvenz konnten in Albstadt mehr als 30 neue Stellen geschaffen werden.

 

Die Jury

Mitglieder der Jury sind – neben BDO-Vorstand Dr. Arno Probst und impulse-Chefredakteur Dr.Nikolaus Förster – Marie-Christine Ostermann vom Verband Die Familienunternehmer – ASU, Eberhard von Rundstedt von Rundstedt HR Partners, Martin Fischedick, Bereichsvorstand Corporate Banking bei der Commerzbank, und Dr. Georg Bernsau von der Kanzlei BBL Bernsau Brockdorff & Partner. Vorsitzender der Jury ist Professor Dr. Hans-Jürgen Kirsch, der an der Universität Münster das Institut für Rechnungslegung und Wirtschaftsprüfung leitet.

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