Diverses Industrie fürchtet Kreditklemme

Sieht schwere Zeiten auf die Unternehmen zukommen: BDI-Chef Werner Schnappauf

Sieht schwere Zeiten auf die Unternehmen zukommen: BDI-Chef Werner Schnappauf© dpa

Trübe Aussichten für deutsche Firmen: Auch sie werden die verheerenden Folgen der Finanzkrise noch deutlich spüren - und künftig etwa nur schwer an Darlehen kommen, prophezeit der BDI-Chef Werner Schnappauf im Interview mit der Financial Times Deutschland. Von der Politik fordert er deshalb, schnell zu handeln.

Die internationale Finanzmarktkrise wird nach Einschätzung des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI) die Kreditbedingungen für Unternehmen erschweren. „Es wird für die Unternehmen schwieriger und teurer werden, Kredite zu bekommen“, sagte BDI-Hauptgeschäftsführer Werner Schnappauf im Interview mit der Financial Times Deutschland.

Lob für das Krisenmanagement der Bundesregierung

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Dass sich die Finanzkrise in den kommenden Monaten auch auf die Realwirtschaft auswirken werde, „wird sicher so sein“, erklärte Werner Schnappauf. Der frühere bayerische Umweltminister Schnappauf hat vor neun Monaten das Amt als Hauptgeschäftsführer des einflussreichsten deutschen Wirtschaftsverbands übernommen. In seiner neuen Funktion ist der ehemalige CSU-Politiker bemüht, der Industrie in Deutschland wieder eine lautere Stimme zu geben. Zuvor war das Amt des BDI-Hauptgeschäftsführers ein Jahr lang vakant, nachdem Norbert Röttgen, der damalige Wunschkandidat des BDI und heutige Parlamentarische Geschäftsführer der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, kurzfristig abgesagt hatte.

Aus Sicht Schnappaufs steht der Staat in der aktuellen Finanzkrise vor einer beispiellosen Herausforderung: „Der Staat muss handeln und diese schwere Krise in den Griff bekommen. Das ist das Gebot der Stunde.“ Der Industrievertreter lobte ausdrücklich das bisherige Krisenmanagement der Bundesregierung. „Ich finde, Merkel und Steinbrück haben bisher gutes Krisenmanagement gezeigt. Aus der Industrie kenne ich keine Kritik an der Bundesregierung“, sagte er.

Europäisierung der Bankenaufsicht gefordert

Kritik übte Schnappauf an den Managern in der Finanzbranche. „Das Verhalten in der Bankenwelt ist manchmal nicht nachzuvollziehen. Alles, was in Gier überschießt, ist gefährlich“, sagte er. Jahresgehälter in dreifacher Millionenhöhe oder gar Milliardenhöhe, wie sie manche US-Bankmanager eingestrichen hätten, seien unethisch.

Die Krise dürfte nicht ohne Folgen für die internationale Finanzwirtschaft bleiben, so Schnappauf. Wenn der Höhepunkt der Krise überwunden sei, „müssen wir über ordnungspolitische Konsequenzen nachdenken“, forderte er. „Wir brauchen die Europäisierung der Bankenaufsicht, mehr Kontrolle über Ratingagenturen und müssen sicher auch über eine stärkere Haftung von Investmentbankern nachdenken.“ Wie beim Klima- und Umweltschutz oder beim Welthandel müsse es aber letztendlich globale Lösungen für die Finanzwelt geben. „Wir brauchen einen weltweiten Rahmen von Regeln für die Wirtschaft, für Energie und Umwelt.“

BDI sieht Deutschland weiter als Exportweltmeister

Finanzkrise, hohe Rohstoffpreise und die Euro-Aufwertung gegenüber dem US-Dollar zwischen Anfang 2006 und Mitte 2008 würden deutliche Spuren in der deutschen Konjunktur hinterlassen. Das Exportwachstum werde deutlich nachlassen. Nach einer BDI-Umfrage von Anfang September – vor der jüngsten Zuspitzung der Finanzmarktkrise – würden die deutschen Exporte 2008 zwar noch um vier Prozent gegenüber dem Vorjahr zunehmen, im kommenden Jahr jedoch nur noch um 1,3 Prozent, berichtete Schnappauf. Diese derzeit noch unveröffentlichten Zahlen würden Ende des Monats Grundlage für die neue BDI-Konjunkturprognose sein.

Der BDI rechne damit, dass Deutschland trotz der Finanzkrise im laufenden Jahr erneut das Land mit der weltweit höchsten Ausfuhr sein werde. „Deutschland wird 2008 nochmals Exportweltmeister – vor den Chinesen“, sagte er. 2009 habe die Bundesrepublik die Chance, diese Spitzenposition zu halten, denn Chinas Exporte hingen stärker als die deutschen von der einbrechenden US-Nachfrage ab. Schnappauf sagte einen Schwenk der deutschen Exporte Richtung Asien und Osteuropa voraus.

BDI mahnt mehr Investitionen in Forschung und Entwicklung an

Der BDI werde in den nächsten Monaten eine langfristige Wachstumsstrategie für Deutschland vorstellen, kündigte Schnappauf an. Schwerpunkte seien mehr Bildungsangebote und eine bessere Förderung von Forschung und Entwicklung. „Wir fordern, Investitionen in Forschung und Entwicklung stärker steuerlich zu fördern.“

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