Diverses Ist das Kunst?

Eine vergammelte Computerplatine mit Rostflecken - ist das schon Kunst? Ein ziemlich versauter Pornofilm oder ein Mensch, der schläft - ist das schon wieder Kunst? Mit all diese Fragen und noch vielen mehr beschäftigt sich die Ausstellung „The Making Of Art“ in der Frankfurter Schirn Kunsthalle.

Kuratorin Martina Weinhart versucht nicht mehr und nicht weniger als die Erklärung des internationalen Kunstkosmoses – und hinterlässt bei diesem Mammutunternehmen natürlich nur wenige Antworten. Was Kunst eigentlich ist, in welchem Verhältnis sie zum Geld steht und welche Rolle Galeristen, Museen, Sammler und Kunstkritiker dabei spielen will sie herausfinden. Deshalb verweist sie zuerst einmal auf kontrovers diskutierte Kunst-Artefakte.

Und die haben es in sich: So zeigt zum Beispiel die Künstlerin Andrea Fraser ein Video in dem sie sich in einem Hotelzimmer von einem Sammler besteigen lässt. Ob das nun eine feministische Anklage ist, eine lustbetonte Verkaufsaktion ist oder doch nur unter dem Motto „Sex sells“ abzuhandeln ist, bleibt offen.

Anzeige

Eigenwillig auch die Kunst des Engländers Jonathan Monk, der eines seiner Bilder mit folgendem Text versehen hat: „Versuchen Sie, einen Rabatt auf dieses Gemälde herauszuhandeln. Es ist den Preis einfach nicht wert. Am besten fragen Sie nach einem Zwei-Bilder-für-einen-Preis-Deal. Einen Versuch ist das wert. Schließlich haben Sie nichts dabei zu verlieren.“

Die Ausstellung jedoch als Kuriositätenkabinett abzuqualifizieren geht an ihren künstlerischen Qualitäten vorbei. Genau so wie Andy Warhol und Joseph Beuys jeden einzelnen Menschen zum Künstler oder Star erklärt haben, hört Kunst nicht bei der Kopisten-Perfektion von Säulenheiligen der gegenständlichen Malerei wie van Gogh oder Rembrandt auf.

Mehr als spannend sind die soziologischen Verflechtungen die hinter den gesellschaftlichen Verabredungen, Konventionen und Netzwerken der Kunstszene stehen. Was bringt einen Sammler dazu mehrere Millionen Euro oder Dollar für ein altes Stück Leinwand mit etwas Farbe drauf auszugeben? Der Materialwert liegt meist unter 50 Euro!

In der Ausstellung werden Werke von mehr als 50 Künstlern gezeigt. Die Bandbreite reicht von Joseph Beuys und Andy Warhol über Jeff Koons und Peter Fischli/David Weiss bis Michel Basquiat und Tracey Emin – da liegen Kunst und Kitsch oft nahe beieinander. Und viele der ausgestellten Kunststücke sind interessant anzusehen oder auch optisch reizvoll obwohl sie mit Kunst wenig zu tun haben. Oder ist das nur ein Stammtisch-Vorurteil, das es endgültig auszurotten gilt?

Wissenschaftliche Untersuchungen zu diesem Thema gibt es viele, schlüssige Erklärungen bislang nur wenige. Und die Realität hat immer neue Superlativen zu bieten: Mittlerweile erzielt sogar Piero Manzonis Künstlerscheiße in Dosen, die der Mann 1961 abfüllte, sechsstellige Preise.

Hinterlassen Sie einen Kommentar

(Kommentare werden von der Redaktion montags bis freitags von 10 bis 18 Uhr freigeschaltet)

Bitte beantworten Sie die Sicherheitsabfrage (Anti-Spam-Schutz): *Captcha loading...