Diverses Jagdfieber

Rund 11.000 Steuer-Kontrolleure sollen für Finanzminister Peer Steinbrück Milliardenbeträge eintreiben. Eine impulse-Umfrage zeigt, wo die Beamten zuschlagen.

Firmenchefs und Freiberufler sollten sich auf eine schärfere Gangart der Finanzämter einstellen. In Zahlen: Alle 26 Sekunden steht irgendwo in Deutschland ein Betriebsprüfer auf der Matte. Und jeder der Beamten holt im Schnitt für Finanzminister Peer Steinbrück 1,3 Millionen Euro in die klamme Staatskasse. Mit steigender Tendenz: ein sattes Plus von acht Prozent gegenüber dem „Pro-Kopf-Umsatz“ von 2002.

Strengere Prüfungen

Anzeige

Tatsächlich schärfen die Steuerprüfer ihre Kontrollinstrumente. Angefeuert durch Erlasse aus Berlin oder interne Schulungen, wagen sie sich an Prüfthemen ran, um die sie früher lieber einen Bogen geschlagen haben. Dazu gehören bei größeren mittelständischen Firmen etwa internationale Geschäftsbeziehungen oder Schmiergelder.

Das belegt die impulse-Blitzumfrage bei über 200 Steuerberatern und Firmenchefs. Und: Mit
neuer Technik können die Fiskal-Kontrolleure jetzt Reisekosten, Bewirtungsaufwand oder Firmenwagen lückenlos unter die Lupe nehmen – früher waren sie auf Zufallsfunde angewiesen. „Das ist eine neue Qualität“, kommentiert Christian Rödl, Steuerchef bei Rödl & Partner in Nürnberg, „die Prüfungen werden immer penibler.“

impulse zeigt, wo sich die Finanzbeamten festbeißen und wer ihr nächstes Opfer sein kann.

Dass die Prüfer auch aus dem Hinterhalt angreifen, wissen jetzt viele Firmenchefs, die vor gut einem Jahr von der Möglichkeit der Steuer­amnestie Gebrauch gemacht haben. „Wer sich ehrlich macht, hat nichts zu befürchten“, versprach damals Ex-Finanzminister Hans Eichel.

Tatsächlich aber „erfreuen“ sich ehemals reuige Sünder jetzt der besonderen Aufmerksamkeit der Späher vom Amt. „Die unterstellen einfach, dass damals nicht alles auf den Tisch kam“, warnt Hanno Kiesel, Steuerberater bei Ernst & Young in Stuttgart.

Die Prüfer schauen dabei nicht nur stur auf Kapitaleinkünfte aus
Luxemburg, Österreich oder der Schweiz. Vielmehr machen sie jetzt die Probe aufs Exempel. Hat der Firmenchefs seinerzeit sämtliche oder nur einen Teil der Schwarzumsätze gebeichtet? Oder hat er nicht doch noch viel mehr Privatausgaben über die Firmenkasse gezogen, als in der „strafbefreienden Erklärung“ steht?

Fette Beute verspricht man sich auch bei Firmen mit Tochtergesellschaften im In- und Ausland. Der Generalverdacht: Durch Geschäfte untereinander würden Gewinne ins steuergünstige Ausland verlagert oder in deutsche Gewerbesteueroasen. Zum Beispiel dadurch, dass Ware oder Leistung von der ausländischen Tochter zu überhöhten Preisen eingekauft wird („Verrechnungspreise“).

Um das zu unterbinden, bürdet Berlin den Unternehmern umfangreiche Dokumentationspflichten auf. Wer die nicht penibel erfüllt, der zahlt drauf. Zur Vorsicht rät Steuerberater Thorsten Vree von Pricewaterhouse Coopers in Osnabrück: „Neben der Steuernachzahlung drohen Strafzuschläge in Millionenhöhe.“

Dritter aktueller Prüfungsschwerpunkt ist Schmiergeld. Besonders bei Geschäftsbeziehungen mit Firmen oder Ämtern in Osteuropa, China und Indien. Wer seine Umsätze oder Planungen in diesen Gebieten mit Aufmerksamkeiten beflügeln will, muss die Risiken kennen.

Nicht nur, dass die Finanzämter den Betriebsausgabenabzug rigoros verweigern, sie machen auch Meldung bei der Staatsanwaltschaft. Und schon stehen Unternehmer mit einem Bein im Gefängnis. „Die finanziellen und persönlichen Konsequenzen sind für Firmenchefs und Manager völlig unkalkulierbar“, warnt Steueranwalt Karsten Randt von Flick Gocke Schaumburg in Bonn.

Selbst Oasen wie Österreich oder Belgien geben bei Verdacht neuerdings Amtshilfe

Wer mit solchen Problemen nichts zu tun hat, kann sich keineswegs beruhigt zurücklehnen. Denn die Prüfer spulen stets ihr Standardrepertoire ab. Dazu zücken sie ganze Bündel alter Rechnungen, die sie aus Prüfungen anderer Firmen gewonnen haben („Kontrollmitteilungen“). Nach dem Motto, dass eine Betriebsausgabe bei der einen Firma eine Einnahme bei einer anderen ist, forschen sie so nach Schwarzumsätzen.

Und bei Verdacht rechnen sie penibel nach, ob die Unternehmerfamilie von den erklärten Einkünften leben kann. Tun sich da Deckungslücken auf, fahnden sie nach anderen Vermögensquellen. Etwa privaten Konten und Depots im In- und Ausland.

Was sich bei diskreten Anlegern noch nicht herumgesprochen hat: Selbst Oasen wie Österreich oder Belgien geben bei Verdacht neuerdings Amtshilfe. Experte Randt: „Die Fluchtburgen wackeln.“

Hinterlassen Sie einen Kommentar

(Kommentare werden von der Redaktion montags bis freitags von 10 bis 18 Uhr freigeschaltet)

Bitte beantworten Sie die Sicherheitsabfrage (Anti-Spam-Schutz): *Captcha loading...