Diverses „Jammernde Chefs lähmen ihre Leute“

Krisen dürfen nicht verleugnet werden. Doch ständig darüber zu sprechen, schadet mehr, als dass es nützt. Welche Informationsdosis Mitarbeiter bekommen sollten und warum Chefs ein Krisenschwein brauchen.

„Meine Mitarbeiter sind erwachsen,
und deshalb informiere ich sie laufend
über die Wirtschaftskrise. Das kann
man nicht oft genug machen, denn so
richtig begreifen sie die Tragweite nicht –
sonst würden sie sich mehr ins Zeug
legen.“ Dies ist häufig die Meinung
im Mittelstand.

Sie ist falsch.

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Hinzu kommt eine psychologische
Komponente: Für manche Chefs
gibt es nichts Verlockenderes, als
Schwierigkeiten verbal zu teilen
und mit den Mitarbeitern ins tiefe
Tal der Tränen zu versinken. Wie
schön ist es doch, im Team kollektivunverschuldet
über Wirtschaftskrise,
fehlende Zahlungsmoral der Kunden
und mangelnde Hilfen für den Mittelstand
zu klagen.

Im permanenten Reden über die Krise
merken zudem alle irgendwie, dass die
Krise jeden Einzelnen treffen kann. Es
wird gespart, abgebaut und eine Mentalität
des verdeckten „Jeder gegen jeden“
geschaffen. Gleichzeitig verschwendet
der Aufbau innerer Blockaden, die bis
zum Hilflosigkeitswahn führen, kostbare
Zeit zur Krisenbewältigung.

Im Ergebnis herrscht eine fatale Rhetorik
der Krise: Statt Ideen zu entwickeln, wird
es zum Gruppenzwang, über alles, jedes
und jeden zu jammern.

Natürlich dürfen Krisen nicht verleugnet
oder schöngeredet werden. Deshalb müssen
Mitarbeiter darüber informiert werden
– kurz, knapp, neutral, informativ.
Ansonsten aber hat der Chef die
Mitarbeiter vom permanenten
Grundrauschen der Krise abzuschirmen
und Krisengejammer
zu verbieten.

In der sonntäglichen Sportsendung
„Doppelpass“ gibt
es das Phrasenschwein, das
bei jedem platten Spruch mit
Euros zu füttern ist. Analog
dazu brauchen Unternehmer zwingend
ein Krisenschwein, in das jeder einzahlen
muss, der direkt oder indirekt das
Wort Krise verwendet.

Unternehmen brauchen von ihren Chefs
etwas, das in der Soziologie „Konstruktion
von Realität“ genannt
wird. In der Psychotherapie heißt
es „kognitives Reframing“ und im
Führungstraining „emotionales Verfolgungsgefühl-
Abschirmen“.
Genau das ist in einer Krise
wichtige Chefsache: Bei aller
nötigen Einzelkritik gilt
es, positive Fakten zu finden
und einen positiven
Blick in die Zukunft
zu werfen, gleichzeitig
aber negative
Emotionen
und Krisengejammer
abzustellen.

Vor allem
aber darf
der Chef auf
keinen Fall
mit einstimmen
in das
kollektive Gejammer.

Christian Scholz ist BWL-Professor
an der Universität des Saarlands
und Personalmanagement-Experte

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